Europa will verteidigungsfähig werden – und stolpert dabei immer wieder über Strukturen, Zuständigkeiten und Tempo. Zusätzliche Brisanz bekam die Debatte, als Bundeskanzler Merz Ende Februar das Gemeinschaftsprojekt FCAS öffentlich in Frage stellte und Airbus-Chef Guillaume Faury vor einer Kapitulation der europäischen Luftfahrtindustrie warnte.

Wie lässt sich Europas Verteidigung trotzdem handlungsfähig organisieren? Darüber sprechen Sabine Thillaye, französische Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, und Thomas Röwekamp, CDU-Verteidigungspolitiker und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im Deutschen Bundestag während eines Luftbetankungsfluges des Europäischen Lufttransportkommandos EATC an Bord eines Tankflugzeugs der MMU.

Sie erklären, warum FCAS nicht an der Führungsfrage scheitern darf, weshalb Europas Unterstützung für die Ukraine neue Reichweiten braucht und wieso Beschaffung, Infrastruktur und gesellschaftliche Resilienz zusammen gedacht werden müssen.

ES&T: Wenn im FCAS die Führungsfrage blockiert – was ist die Alternative?

Thillaye: Bevor man Alternativen skizziert, muss man die Bedarfe unserer Armeen konsequent vom Einsatz her definieren – nicht von industriellen Wünschen. Boris Pistorius und Sébastien Lecornu haben diesen Perspektivwechsel angestoßen: Vom Bedarf der Streitkräfte aus denken. Kurzfristige Erfordernisse und langfristige Fähigkeitsziele müssen zusammengeführt werden. Das ist anspruchsvoll – aber unverzichtbar.

ES&T: Ist die Politik der Flaschenhals?