In einem technologischen Vorstoß hat die britische Royal Navy die Implementierung einer hochsicheren Cloud-Architektur auf ihrem Flugzeugträger HMS Prince of Wales bekanntgegeben. Wie Oracle der ES&T am 20. Januar exklusiv mitteilte, ist das Schiff mit der „Oracle Cloud Infrastructure (OCI) Roving Edge Infrastructure“ ausgestattet, um die KI-Fähigkeit „Saga“ des britischen Unternehmens Whitespace zu betreiben. Dieser Schritt zielt darauf ab, die nationale Sicherheit Großbritanniens durch den Einsatz souveräner künstlicher Intelligenz zu stärken; unabhängig davon, ob sich das Schiff in heimischen Gewässern oder im globalen Auslandseinsatz, wie während der Operation Highmast, befindet.

Die HMS Prince of Wales beendete im November 2025 ihren achtmonatigen Einsatz im Rahmen der Operation Highmast. (Bild: Oracle)

Edge-Computing für die maritime Gefechtsführung

Im Zentrum der technologischen Aufrüstung steht die Notwendigkeit, Daten nicht erst in entfernte Rechenzentren senden zu müssen, sondern sie direkt am Entstehungsort – der sogenannten „Edge“ – zu verarbeiten. Die HMS Prince of Wales nutzt hierfür die OCI Roving Edge Infrastructure. Dabei handelt es sich um tragbare, auf Rechenleistung und Speicher optimierte Serverknoten, die speziell für den Betrieb in isolierten und anspruchsvollen Umgebungen konzipiert sind.

Technisch relevant für den militärischen Einsatz ist die Härtung der Systeme: Die Hardware ist in robusten Gehäusen nach Militärstandard verbaut, die zudem einen elektromagnetischen Schutz bieten, um Abstrahlungen und Interferenzen zu minimieren – ein kritischer Faktor für das Signaturmanagement eines Kriegsschiffes. Jason Rees, Senior Vice President bei Oracle, betonte: „Die Mission findet am taktischen Rand statt. Durch den Einsatz der OCI Roving Edge Infrastructure kann die Royal Navy nahtlos und sicher souveräne KI-Fähigkeiten für das Flottenflaggschiff entwickeln und betreiben – jederzeit und überall.“

Was ist „Souveräne KI“?

Ein Schlüsselelement dieser Beschaffung ist das Konzept der „Souveränen KI“ (Sovereign AI). Im Gegensatz zu „öffentlicher KI“ (Public AI), wie sie beispielsweise in kommerziellen Anwendungen von Google oder Facebook Verwendung findet, unterliegen souveräne KI-Systeme strengen nationalen Kontrollmechanismen.

Souveräne KI speichert und verwaltet Modelle und Daten – einschließlich sensibler Trainings- und Betriebsdaten – ausschließlich unter Einhaltung nationaler Vorschriften. Der Zugriff ist strikt auf autorisierte Personen und Systeme beschränkt. Während öffentliche KI oft auf global verteilten Servern operiert, garantiert eine souveräne Lösung, dass regulierte Daten die eigene Hoheitsgewalt nicht verlassen. Dies ist insbesondere für Streitkräfte, Regierungen und kritische Infrastrukturen essenziell, um Compliance-Anforderungen zu erfüllen und Informationsabfluss zu verhindern.

Dieses Bild zeigt die App Implementierung der Whitespace Software „Saga“, die auf der „Oracle Cloud Infrastructure“ betrieben wird. (Bild: Oracle)

Operativer Mehrwert: „Saga“ und „Collective“

Auf der Hardware läuft die Software „Saga“ von Whitespace, einem Unternehmen des britischen Oracle Defence Ecosystems. Saga ist Teil des modularen KI-Betriebssystems „Collective“, das für Hochrisikoumgebungen entwickelt wurde. Die Anwendung bietet eine intuitive Schnittstelle, über die das Marinepersonal Missionsdaten überprüfen, Erkenntnisse („Lessons Learned“) erfassen und auf maßgeschneiderte KI-Unterstützung zugreifen kann.

Sir Gwyn Jenkins, First Sea Lord der Royal Navy, unterstrich die operative Bedeutung: „Um sicherzustellen, dass die HMS Prince of Wales ihre Mission erfüllen kann, hat die Royal Navy eine Lösung implementiert, die die Vorteile souveräner KI sicher nutzt, ohne die operative Kontrolle oder Effizienz zu beeinträchtigen.“

Durch die lokale Datenverarbeitung kann das Schiff auch in Situationen mit unterbrochenen Kommunikationslinien (Disconnected Operations) handlungsfähig bleiben und komplexe Analysen durchführen, ohne die Sicherheit sensibler Informationen zu gefährden.

Jannis Düngemann