Das BAAINBw testet derzeit das Geländezugangssystem Trackway von Faun, mit dem Fahrbahnen auf weichem Untergrund für dauerhaften Betrieb unter höchster Belastung hergerichtet werden. Das teilten Vertreter des Unternehmens auf der LandEuro in Mainz am 16. Juli mit.
Faltstraßengerät
Die Bundeswehr nutzt seit 1988 das Faltstraßengerät, das damals von Krauss-Maffei geliefert wurde. Mit dem Gerät kann innerhalb von zehn Minuten eine 50 Meter lange und 4,20 Meter breite Fahrbahn auf morastigem, sandigem oder schneebedecktem Gelände, aber auch an Flussufern oder Böschungen bis in 1,20 Meter Wassertiefe verlegt werden. Die Oberfläche besteht aus Sechseckplatten, die beweglich miteinander verbunden sind. Die Faltstraße ist fest auf einem Trägerfahrzeug mit 15 Tonnen Nutzlast montiert. Sie wiegt rund elf Tonnen und ist für Fahrzeuge bis zu 70 Tonnen ausgelegt.

M150 Trackway
Der Hersteller Faun UK führt den M150 Trackway unter der Bezeichnung „Heavy Ground Mobility System“ und weist damit auf die hohe Tragfähigkeit von bis zur militärischen Lastenklasse 150 in schwerem Gelände hin. Damit können alle militärischen Fahrzeuge der NATO einschließlich mit Panzern beladene Schwerlastzüge die Faltstraße befahren. Schweres Gelände bedeutet hier geringe Bodentragfähigkeit, wie sie auf unbefestigten Wegen insbesondere bei Gewässerzu- und durchfahrten – also bei Schwimmbrücken, Fähren und Furten – auftritt. Trackway verteilt die Belastung und stellt auch noch nach vielen hundert Überfahrten eine leistungsfähige Fahrbahn mit hoher Traktion bereit.
Kern des Systems sind Aluminium-Strangpressprofile in der Länge von 4.572 mm (halbe Platte: 2.286 mm) und effektiver Länge von 211 mm, die über Nut und Feder gelenkig miteinander verbunden werden. Das ergibt eine nutzbare Fahrbahnbreite von 4,20 Meter. Das mäanderförmige Profil verhindert Verrutschen auf dem Boden und bietet Grip für Reifen/Ketten. Gleichzeitig ist es leicht zu reinigen. Eine ganze Platte wiegt 33 kg, das führt bei 50 Meter Faltstraße zu einem Gewicht von 7,8 Tonnen.

Trackrack
Die Verlegung und Verladung (Ausbringen und Einholen) erfolgt mit einem Trackrack, in dem die Faltstraße hydraulisch auf einer Spule aufgewickelt ist. Das Trackrack ist auf einen Containertragrahmen (20 Fuß) montiert und kann mit üblichen Logistik-Lkw mit 15 Tonnen Nutzlast transportiert werden. Die Verladung erfolgt entweder mit Hydraulikarm und Ladeöse (Hooklift) oder per Kran/Geländestapler. Befestigung ggfs. über Twist-Locks. Die Spule kann um 90 Grad in Transport- oder Betriebsstellung gedreht werden. Die Energieversorgung für alle Aktivitäten ist an Bord des Trackrack.
Das Faltstraßensystem mit Trackway, Trackrack und Zubehör wiegt etwa 13 Tonnen.
Verlegung
Vor der Verlegung der Faltstraße sollte (muss aber nicht) der Boden eingeebnet werden. Das erleichtert den Verlegevorgang. Die Faltstraße kann in Vorwärts- und Rückwärtsfahrt verlegt werden. In letzterem Fall fährt der Verlege-Lkw unmittelbar über die selbst verlegte Straße. Zwei Personen können nach Herstellerangaben 30 Meter Faltstraße in weniger als fünf Minuten ausrollen bzw. einholen. Die Faltstraße ist sofort nach dem Verlegen einsatzbereit.
Erweiterungen
Für Transport und Lagerung gibt es einen Heavy Container, der 80 Meter Trackway aufnehmen kann. Das Handling unabhängig vom Trackrack kann mit einem Heavy Beam Dispenser erfolgen, der 30 Meter lange Teilstücke verlegen und aufnehmen kann. Damit lassen sich sehr lange Fahrbahnen und befestigte Flächen schaffen. Mit einer Schiebestange können beliebige Fahrzeuge mit einer Mindestzugkraft von 3,5 Tonnen Trackway verlegen oder aufnehmen.

Beschaffung
Es gibt noch keinen Beschaffungsvertrag. Nach Abschluss der Erprobung soll der Prozess zur Bedarfsdeckung nach PBN fortgeführt werden. Im Regelverfahren wird das Projekt frühestens Mitte 2026 haushaltsreif und könnte ab Haushaltsjahr 2027 realisiert werden. Faun hat angegeben, dass die Serienproduktion rund sieben Monate nach Auftragserteilung beginnen könnte.
Gerhard Heiming







