Das Münchner Technologieunternehmen Helsing, erweitert nach seinem Auftritt auf der „Undersea Defence Technology“ (UDT) 2025 in Oslo und der Eröffnung eines Maritimbüros in Hamburg sein Einsatzspektrum auf maritime Anwendungen. Mit dem autonomen Unterwassergleiter SG-1 Fathom und der KI-Plattform Lura präsentiert es eine skalierbare Lösung zum Schutz kritischer Infrastruktur – von Pipelines bis Offshore-Anlagen.

Modell des SG-1 Fathom, ausgestellt in der neu eröffneten Helsing-Repräsentanz in Hamburg. Foto: hum

Autonome Sensorik mit Edge-KI

Der kompakte, geräuscharme SG-1 Fathom (1,95 m, 60 kg) kann bis zu drei Monate autonom operieren – einzeln, stationär oder im Schwarm. Seine Besonderheit: Die KI Lura verarbeitet akustische Daten direkt im Gerät. Das System erkennt leisere Signaturen und klassifiziert Schiffe erheblich schneller als menschliche Bediener. Ein Operator kann mehrere Glider steuern, wodurch ein digitales Aufklärungsnetz unter Wasser entsteht – ähnlich einem Satellitenverbund.

SG-1 Fathom von Helsing (Foto: Helsing)

Industrielle Skalierung und Einsatzräume

Helsing produziert den SG-1 in „Resilience Factories“ in Zusammenarbeit mit Partnern wie Ocean Infinity und QinetiQ. Lura ist als offene, interoperable Plattform konzipiert und kann in bestehende militärische Systeme integriert werden.

Internationale Vergleichsprojekte

Weltweit arbeiten führende Unternehmen an vergleichbaren unbemannten Unterwassersystemen – jedes mit eigenem technologischen Fokus:

  • Ghost Shark (Australien/USA) setzt auf hohe Reichweite, jedoch mit begrenzter Edge-KI.
  • Saab AUV62-AT (Schweden) bietet erprobte Lösungen für das ASW-Training, allerdings ohne Echtzeitanalyse.
  • Thales Pathmaster (Frankreich/UK) überzeugt durch ein koordiniertes Minenabwehrkonzept, basiert aber auf zentraler Steuerung.
  • Hanwha HSUUV (Südkorea) ist für Überwachungsmissionen nutzbar, wurde aber primär als bewaffnete Plattform konzipiert.

Helsing geht mit SG-1 Fathom und der KI-Plattform Lura einen neuartigen Weg: Die Kombination aus dezentraler Edge-KI, Schwarmfähigkeit und industrieller Skalierung eröffnet neue Optionen für den umfassenden Schutz maritimer Infrastruktur – ein Ansatz, der bestehende Entwicklungen im Sinne verteilter Sensorik sinnvoll ergänzt.

Lura ist als offene, interoperable Plattform konzipiert. (Foto: Helsing)

Anwendungsüberlegungen

Eine NATO-kompatible Anbindung könnte bestehende Systeme schnell erweitern. Voraussetzung sind verlässliche Daten und klare Governance. Auch eine stärkere multinationale Zusammenarbeit erscheint sinnvoll, um Entwicklungskosten zu teilen und Synergien zu nutzen. Programme wie „Ghost Shark“ könnten als Vorlage dienen. Der Ansatz verteilter Plattformen („autonome Masse“) erhöht Resilienz und Wirksamkeit – vorausgesetzt, Führungs- und Steuerungssysteme sind entsprechend ausgelegt.

USA und NATO verfolgen Ansätze für rasche Einführung und kontinuierliche Weiterentwicklung – mit gestaffeltem Betrieb, iterativer Optimierung von Logistik, Ausbildung und Zulassung.

Hans Uwe Mergener