Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat am 29. Januar den Weg für ein flächendeckendes mobiles Richtfunknetzwerk freigegeben, mit dem die taktischen Ebenen des Heeres vom Verband aufwärts mit dem rückwärtigen Kernnetz, untereinander und mit internationalen Nachbarn kommunizieren können. Die Bundeswehr will dazu einen Rahmenvertrag mit einem Volumen von bis 5,5 Milliarden Euro abschließen. Als Festbestellung ist zunächst die Bestellung von 107 Systemanteilen in drei Varianten vorgesehen. Dafür sind 1,9 Milliarden Euro freigegeben und weitere 116 Millionen Euro für Zusatzverträge (z.B. für Beistellungen).
Die komplexe Leistung wird unter Leitung des Hauptauftragnehmers Rheinmetall Electronics in Zusammenarbeit mit zahlreichen Unterauftragnehmern erbracht. Dazu gehören General Dynamics European Landsystems (GDELS), Thales Deutschland, blackned und ARTEC.

Aus dem Fähigkeitsprofil der Bundeswehr sind die Anforderungen für die Kommunikationsknoten auf dem Gefechtsfeld abgeleitet. Demnach wird ein schnell verlegefähiges, robustes, latenzarmes Wide Area Network (WAN) benötigt, mit dem IP-basierte Verbindungen mit hoher Bandbreite bereitgestellt werden können.
Dazu will die Bundeswehr unter dem Namen TaWAN (Taktisches Wide Area Network) ein Richtfunknetz für den durchgängigen Informations- und Kommunikationsverbund der Landstreitkräfte aufbauen, das im Wesentlichen aus vier Komponenten besteht:
- TaWAN LBO Richtfunkmanagement, klein (TLRk),
- TaWAN LBO Richtfunkmanagement, groß (TLRg)
- TaWAN LBO Richtfunkmanagement, tragbar (TLRt) und
- TaWAN Führungs Interface Fahrzeug (TFI Fz)
Soweit bekannt, soll die kleine Komponente TLRk auf einem geschützten Transportfahrzeug Piranha V realisiert werden. GDELS hat so ein Fahrzeug bei der Eurosatory in Paris und bei der Rü.NET in Koblenz präsentiert mit einem Mast von SMAG und elektronischer Ausstattung von Thales. Für die große Komponente TLRg sind geschützte 8×8-Lkw von Rheinmetall vorgesehen mit zwei Lkw pro Knoten. Einer trägt die Antenne auf einem höheren Mast wie bei der kleinen Komponente und der zweite einen Container mit Bedien- und Steuerelementen.
Tragbare Komponenten TLKt sind bereits 2024 in Auftrag gegeben worden. Für die weitere Beschaffung liegen noch keine weiteren Informationen vor ebenso wie für das TFI Fz. Letzteres könnte auf einem Boxer realisiert werden, darauf weist die Beteiligung der ARTEC am Projekt hin.
Als Festbestellung wurden insgesamt 56 TLRk und 51 TLRg sowie 10 TFI Fz eingeplant. Die Liefertermine beginnen Ende 2026 und ziehen sich bis Ende 2029 hin. Die TFI Fz kommen alle erst 2029.
Der Rahmenvertrag sieht optional die Lieferung weiterer 198 TLRk, 337 TLRg, 200 TLRt sowie 59 TFI Fz und einer Ausbildungsanlage vor. Ein Zeitrahmen dafür ist nicht öffentlich bekannt. Die Realisierung hängt von der Verfügbarkeit von Finanzmitteln ab und erfordert das Einholen der Billigung des Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages mit einer 25 Mio Euro-Vorlage.

Damit das Vorhaben trotz vorläufiger Haushaltsführung gestartet werden kann, hat das BMVg TaWAN als Teil eines Gesamtsystems bestehend aus German Mission Network (GMN), D-LBO und eben TaWAN dargestellt und die Dringlichkeit begründet. Damit und unter Berücksichtigung der Bestellungen 2024 handele es sich um eine Fortsetzungsmaßnahme im Sinne des Art 111 Grundgesetz, für die auch ohne rechtskräftiges Haushaltsgesetz Verpflichtungen eingegangen werden dürfen.
Für den Vertrag will die Bundeswehr Vorauszahlungen in Höhe von 30 Prozent der Vertragssumme leisten. Damit wird zweierlei erreicht: eine wirtschaftliche Stabilisierung der beteiligten Auftragnehmer und die Stärkung des Anteils, der aus dem Sondervermögen getragen wird. Der Vertragsschluss wird in den nächsten Tagen erwartet.
Gerhard Heiming










