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Mit dem sich besiegelten traurigen Schicksal des Massengutfrachters „Rubymar“ verbuchen die Huthi den ersten ‚wirklichen‘ Erfolg ihrer seit dem 27. November 2023 laufenden Kampagne gegen die freie Schifffahrt im Roten Meer. „Rubymar“ sank am Nachmittag des 2. März. Sie wurde am 18. Februar von einem von zwei von den Huthi auf sie abgefeuerten Flugkörpern getroffen und in der Folge von der Besatzung aufgegeben (ESuT berichtete). Zurzeit des Angriffs befand sich das unter der Flagge von Belize fahrende Schiff 35 Seemeilen südlich von Al Mukha (Mokka), Jemen.

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Der gesunkene Frachter „Rubymar“ im Roten Meer, versenkt durch einen Raketentreffer der Huthis (Foto: Centcom)

Nach Angaben von US CENTCOM wurden mehr als 45 Angriffe auf Handels- und Marineschiffe durchgeführt. Für ihre Übergriffe nutzt die Rebellengruppe Flugkörper und (Einweg-)Drohnen. Seit dem 27. November, dem Tag des ersten dokumentierten Raketeneinsatzes der Huthi, wurden bisher mehr als fünfzig Flugkörpereinsätze registriert. Diese Angabe basiert auf einer im Internet veröffentlichten Zusammenstellung, die sich wiederum auf die Meldungen von US Central Command beruft.

Aspides-Teilnehmer in ersten Scharmützeln

Am späten Abend des 27. Februar musste sich die deutsche Fregatte „Hessen“ eines Angriffs erwehren (ESuT berichtete). Das zukünftige Flaggschiff der EU-geführten Operation zur Sicherstellung des freien Seeverkehrs im Roten Meer (und darüber hinaus bis in den Persischen Golf), der italienische Zerstörer „Caio Duilio“ (D554), schoss am Nachmittag des 2. März eine anfliegende Drohne ab. „Die Drohne, die ähnliche Merkmale wie bei früheren Angriffen aufwies, befand sich etwa 6 Kilometer vom italienischen Schiff entfernt und flog auf es zu.“, heißt es in der Verlautbarung des italienischen Verteidigungsministeriums. Einem Fernsehbericht zufolge waren sieben, acht Schüsse der Bordartillerie erfolgreich. Die „Caio Duilio“ ist mit drei Oto Melara 76/62-mm Super-Rapido-Geschütze ausgerüstet. Gegenüber der Standardausführung liegt bei dieser Variante der Bordkanone des italienischen Rüstungskonzerns Leonardo die Kadenz (Feuerrate) bei 120 Schuss pro Minute.

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Der italienische Zerstörer „Caio Duilio“ (D554) (Foto: Ministero Della Difexa)

„Caio Duilio“, von der aus der italienische Konteradmiral Stefano Costatino die EUNAVFOR Operation Aspides führen wird, untersteht zurzeit noch nationalem Kommando. Der Zerstörer übernimmt Schutzaufgaben für italienische Schiffe auf ihrer Route durch das Rote Meer. Die Parlamentsentscheidung über den Einsatz italienischer Streitkräfte bei dem EU-geführten Militäreinsatz soll am 5. März fallen.

Insofern kommt es bei EUNAVFOR nun zu der Situation, dass das Force Headquarters auf einem Schiff alloziert ist, dass selbst noch kein Teilnehmer der Operation sein kann. Zur Erinnerung: Griechenland stellt das Operations Headquarters (EL EU OHQ, Larissa), während das Force Command (FHQ) von Italien an Bord eines Schiffes übernommen wird. Rom zeigte den Zerstörer „Caio Duilio“ der Horizon-Klasse an, der die Fregatte der Carlo Bergamini-Klasse „Federico Martinengo“ (F 596) in ihrer nationalen Rolle Seeraumüberwachung im Roten Meer ablösen sollte. Wegen ihres Anteils von 40 Prozent am maritimen Export ist die Passage Suez-Rotes Meer für Italien von besonderer Bedeutung.

Andere Konsequenzen der Huthi-Aktionen

Unterdessen zeigen Untersuchungen, dass die durch das Rote Meer verursachten Verzögerungen, wenn auch nicht unerheblich, bei weitem nicht so groß sind wie die Störungen infolge der Covid-Pandemie. Die Transportzeit für Fracht von China nach Europa hat sich um etwa 2 Wochen verlängert, von China an die US-Ostküste lediglich um 5 Tage. Dabei gilt zu berücksichtigen, dass durch die Schwierigkeiten im Panamakanal schon vor den Huthi-Übergriffen die Zeit zunahm, weil mehr Fracht auf die Westroute geschickt wurde.

Andere Analysen zeigen, dass der SCFI-Index im Sinken begriffen ist. Der Satz des Shanghai Containerized Freight Index, der als einer der wichtigsten Raten Indikatoren für die containerisierte Seefracht gilt, lag am 1. März bei 2109,91 USD/TEU. Am 12. Januar erreichte er mit 3103 USD/TEU auf seinem Höhepunkt. Vor der Krise am Roten Meer waren es 1029 USD/TEU. TEU steht für Twenty-foot Equivalent Unit, einen Zwanzig-Fuß-Container.

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Demgegenüber sank die globale Zuverlässigkeit der maritimen Lieferketten. Auswertungen vom Januar 2024 zeigen, dass nur noch die Hälfte der Schiffe pünktlich ankommt. Vor der Pandemie lag der Wert noch bei 70 bis 80 Prozent. Die globalen Lieferketten geraten durch die anhaltenden Übergriffe der Huthi und die Dürre in Panama unter Stress. Die geopolitischen und ökologischen Einflüsse üben sich auf die Dynamik des Welthandels aus. Was in einer globalisierten Welt die gegenseitige Abhängigkeit und Anfälligkeit des erdumspannenden Liefernetzwerks verdeutlicht.

Womit sich Alt-Bundespräsident Horst Köhler in Erinnerung bringt.

„Meine Einschätzung ist aber, dass wir insgesamt auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen – negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen.“ (22. Mai 2010)

Würde sich die damalige Debatte heute so entspannen, dass sein Rücktritt angezeigt wäre??

Hans Uwe Mergener