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Erzieherinnen hören die Antwort häufig. Lehrer auch. Und Polizisten: „Ich war’s nicht.“ Frisch Ertappte äußern sie spontan, als letzten, sinnlosen Verteidigungsversuch. Erwartbare Reflexe unreifer Menschen.

Von einer Bundesregierung muss man mehr erwarten können. Das gilt umso mehr angesichts der größten Niederlage, die Deutschland gemeinsam mit seinen westlichen Verbündeten je hat einstecken müssen: Dem Blitzsieg der Taliban in Afghanistan. Doch man kann es nicht.

Gast-Kommentar - Schluss mit dem Selbstbetrug in Afghanistan
Lorenz Hemicker ist politischer Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Foto: FAZ)

Von persönlichen Versäumnissen wollte während der Implosion Afghanistans im August selbst dann noch kein Bundesminister etwas wissen, als die Taliban schon mitten in Kabul standen und mit erbeuteten Maschinengewehren und Geländefahrzeugen posierten. Als zehntausende Afghanen vor dem Flughafen verzweifelt darauf warteten, vor den Islamisten zu fliehen. Menschen sich an startenden Flugzeugen festklammerten. Und Babys über den Flughafenzaun geworfen wurden. Dorthin, wo die rund 7.000 eilig herbeigerufenen Soldaten aus Amerika und einer Handvoll weiterer westlicher Staaten noch die Kontrolle hatten.

Fehler wurden nur dort zugegeben, wo sie nicht mehr von der Hand zu weisen waren. Eine Salamitaktik mit Fingerzeig. Schuld waren vor allem die anderen Ressorts. Und das desaströse Ende verantworteten ja ohnehin die Amerikaner. Die Äußerungen zeugten von Selbstbetrug.

Sicher: Der Einsatz in Afghanistan

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