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Die U.S. Army plant eines der größten Manöver dieses Jahrtausends. 20.000 amerikanische Soldaten werden hierfür aus ihrer Heimat nach Europa verlegt, um an verschiedenen Übungen teilzunehmen. Gestern briefte Brigadier General Sean Bernabe, Deputy Chief of Staff, G3, U.S. Army Europe, über die aktuellen Planungen. Defender-Europe 20 gliedert sich dabei in drei Teile, erstens die Verlegung der 20.000 Soldaten nach Europa und zurück, zweitens die Bewegung der amerikanischen Soldaten innerhalb Europas und drittens die Teilnahme an verschiedenen „kleineren“ Übungen.

„Wir bauen nicht nur unsere strategische Einsatzbereitschaft auf, indem wir 20.000 Soldaten von den Vereinigten Staaten nach Europa verlegen und dann über den Kontinent in die Übungsgebiete bringen, sondern wir verbessern mit jeder einzelnen kleinen Übung auch die taktische Einsatzbereitschaft“, beschrieb Bernabe bei dem Briefing. Für die U.S. Army sind allerdings die ersten beiden Elemente zur Überprüfung der eigenen strategischen Fähigkeit für Operationen maßgeblich. Diese werden auch durch die U.S. Army Europe geführt, während die kleineren Übungen teilweise in nationaler oder NATO-Verantwortung liegen. „Es ist eine große Aufgabe für alle Beteiligten und deshalb haben wir vor Monaten mit der Planung begonnen. Die gesamte Logistik der U.S. Army – fast die gesamte Logistik der Vereinigten Staaten – ist voll und ganz damit beschäftigt. Und offen gesagt, auch unsere Verbündeten hier auf dem Kontinent mussten sich gut aufstellen, um diese Kräfte in den vier Häfen zu empfangen und sie dann zügig über den Kontinent zu transportieren.“

Die einzelnen Phasen der Übung (Graphik: U.S. Army)

Deutschland wird vor allem als Transitland dienen. Zudem nehmen rund 8.000 amerikanische Soldaten an der Gefechtsstandübung Joint Warfighting Assessment im Raum Grafenwöhr teil. Hinzu kommen das 116th Armored Brigade Combat Team der National Guard aus Idaho, die am Live-Training auf dem NATO-Truppenübungsplatz Bergen-Hohne teilnehmen. „Abgesehen von diesen beiden Ereignissen wird über Deutschland der Transit von Konvois von den Seehäfen zu den Übungsgebieten in Polen oder im Baltikum stattfinden“, beschrieb Bernabe. Hinzu käme die Ankunft der Streitkräfte auf den Flughäfen und der weitere Transport via Bussen, Bahn und militärischen Konvois.

„Wir finalisieren gerade die Details des Transitplans von den Seehäfen zu den Übungsgebieten. Grundsätzlich planen wir vier Hauptwege, die von den Häfen zu den verschiedenen Zielen in Deutschland und Polen führen. Wir koordinieren diese mit den lokalen Behörden und werden die Unterstützung, die die lokalen Behörden bei der Begleitung der militärischen Fahrzeugkonvois leisten, sehr zu schätzen wissen. Wir planen diese Bewegungen für die Nacht, um die Störungen des normalen Zivilverkehrs zu minimieren“, so Bernabe. „Natürlich wird es mehrere Eisenbahnlinien geben, mit denen wir schweres Gerät von den Häfen in die Übungsgebiete verlagern. Aber auch hier findet derzeit noch die Koordinierung statt und wir stimmen uns mit allen Verkehrsbehörden der Gastgeberländer ab, um die reibungslose Bewegung aller Kräfte auf dem gesamten Kontinent sicherzustellen.“

Zur logistischen Unterstützung der Truppen sagte Bernabe: „Es handelt sich um eine Kombination von Einheiten und Kräften. Sicherlich wird die U.S. Army Europe einen Großteil dieser Unterstützung leisten. Zu den 20.000 Soldaten, die aus den Vereinigten Staaten kommen, gehören ebenfalls Logistikeinheiten. So setzt beispielsweise die 1st Cavalry Division ihre Unterstützungsbrigade aus Fort Hood, Texas, ein, um die Führung und Kontrolle aller Unterstützungseinheiten zu übernehmen, die wiederum die Ausrüstung aller eingesetzten Truppen, zu befüllen, zu versorgen und zu warten haben. Sicherlich werden auch unsere Verbündeten und Partner einen Teil ihrer Logistikkapazitäten einsetzen, um die Unterstützung der Kräfte vor Ort zu ermöglichen. Wir werden an einigen Stellen zudem Support vertraglich vereinbaren.“ Bernabe betonte: „Die Logistik ist also ein absolut multinationales Unterfangen, das vom 21st Theater Sustainment Command, das sich im U.S. Army Europe Hauptquartier unter dem Kommando eines U.S. Zwei-Sterne-Generals befindet, geführt, koordiniert und kontrolliert wird.“

Bis auf das 116th Armored Brigade Combat Team der Idaho Army National Guard – deren Ausrüstung aus Vorräten der U.S. Army in Europa bestehen wird – bringen alle Truppenteile ihr Gerät aus den USA nach Europa. „Die anderen Brigaden – zum Beispiel die2nd Brigade der 3rd Infantry Division aus Fort Stewart, Georgia, wird ihre eigene Ausrüstung einsetzen. Sie wird ihre Kampfpanzer, ihre Schützenpanzer und Haubitzen in Savannah auf ein Schiff verladen, das dann über den Atlantik geht und in Bremerhaven, Deutschland, entladen wird. Ein Teil der Ausrüstung wird per Militärflugzeug transportiert, aber das ist ein sehr kleiner Teil“, so Bernabe. Kommunikationsgeräte seien etwa für den militärischen Lufttransport vorgesehen. Die Soldaten kämen hingegen zum Großteil mit zivilen Flugzeugen – deren Leistungen auf Vertragsbasis angemietet würden – nach Europa. Ziel der zivilen Maschinen seien Flugplätze in der Nähe der Seehäfen, wo die Soldaten dann schließlich ihre schwere Ausrüstung übernehmen und weiter über den Kontinent transportieren.

„Wir werden bereits im Februar einige dieser Kräfte in Bewegung setzen. Zum Beispiel die 2nd Brigade der 3rd Infantry Division trifft einige Zeit vor der Übung Allied Spirit in Polen ein. Sie wird also zu den ersten sich bewegenden Truppen gehören“, beschrieb Bernabe. „Wir werden unsere Kräfte von Februar bis April verlegen. Dann machen wir eine kurze Pause über die Osterferien, dies nur, um unsere Einheiten von den Autobahnen und Landstraßen fernzuhalten. Gegen Mitte April sind wir schließlich vollständig in Europa in den kleineren Übungen präsent.“

Der Großteil der kleineren Übungen findet zwischen April und Mai 2020 statt. Die gesamte Defender-Europe 20 wird von Februar 2020 bis August 2020 durchgeführt. Danach geht es wieder Richtung Heimat.

Dorothee Frank