Print Friendly, PDF & Email

Maschinengewehre (MG) sind vollautomatische Unterstützungswaffen mit hoher Kadenz und Feuerkraft, bei denen die Munitionszuführung in der Regel über Munitionsgurte erfolgt.

Der Antrieb erfolgt entweder durch die Schussenergie (Rückstoßlader), dem bei der Schussabgabe produzierten Gasdruck (Gasdrucklader) oder mittels externer, meist elektrischer Energie (fremdangetrieben). Grundlegendes Dokument für die Einteilung und Beschaffung der Maschinengewehre in der Bundeswehr ist die Abschließende funktionale Forderung (AF) für „Neue Maschinengewehre“ vom 5. Januar 2009. Sie teilt die Maschinengewehre in fünf Produktklassen ein:

  • Maschinengewehr Klasse Leicht (Kaliber 5,56 mm x 45, MG4)
  • Maschinengewehr Klasse Mittel (Kaliber 7,62 mm x 51, MG3 und MG5)
  • Maschinengewehr Klasse Mittel hohe Kadenz (Kaliber 7,62 mm x 51, MG6)
  • Maschinengewehr Klasse Schwer (Kaliber 12,7 mm x 99, M2, M3M)
  • Maschinengewehr Klasse Schwer Spezial Kräfte (Kaliber 12,7 mm x 99)

Die folgende Darstellung beschränkt sich auf diejenigen Maschinengewehre der Bundeswehr, die den Handwaffen zuzuordnen sind. Ausschließlich lafettengestützte Maschinengewehre in dem Kaliber 12,7 mm x 99 (Cal .50 BMG), d. h. die Maschinengewehre Klasse Schwer, werden hier nicht betrachtet.

Maschinengewehr MG3

Das Maschinengewehr MG3 geht zurück auf das MG42, welches noch im Zweiten Weltkrieg entwickelt und produziert wurde. Das MG42 zeichnete sich gegenüber seinem Vorgänger, dem MG34, vor allem durch zwei grundlegende Neuerungen aus:

Prototyp des MG3A0A1 (Foto: Rheinmetall Waffen und Munition)

Die Fertigung erfolgte durch Blechprägetechnik anstelle einer spanenden Bearbeitung, wodurch die Fertigungsstückzahlen deutlich erhöht und der Ressourceneinsatz reduziert werden konnte.

Der Rollenverschluss ersetzte den bisherigen Drehkopfverschluss und ließ eine deutliche Kadenzsteigerung von 900 auf bis zu 1.500 Schuss pro Minute zu.

Mit Aufstellung der Bundeswehr im Jahr 1955 wurde zunächst das MG42 vom Kaliber 8 mm x 57 IS auf das NATO-Kaliber 7,62 mm x 51 modifiziert und mit einer zusätzlichen Verschlusssperre versehen, die – kombiniert mit einer neuen Schließfeder – die Kadenz auf ca. 1.200 Schuss pro Minute reduzierte. Hierdurch wurden Rohrverschleiß und Munitionsverbrauch optimiert. Diese Variante wurde als MG1 (Neufertigung) bzw. MG2 (umgebaute Altbestände) bezeichnet. Es folgten weitere Anpassungen, etwa durch Nutzung eines neuen Rückstoßverstärkers und Änderungen am Gurtzuführer, um den Verschuss von Zerfallgurten zu ermöglichen.

Am 1. August 1966 wurde der neue Konstruktionsstand festgelegt (und am 17. Januar 1967 nochmals aktualisiert), der dann das Maschinengewehr mit der Bezeichnung MG3 begründete. Formell wurden die Maschinengewehre MG1, MG2 und MG3 mit der Einführungsgenehmigung Nr. 3315 am 13. Mai 1969 für die Verwendung in der Bundeswehr freigegeben.

Produziert wurde das MG3 – wie bereits zuvor das MG1 – bis ca. 1977 bei Rheinmetall in Düsseldorf. Die Produktionsanlagen, insbesondere die Anlagen für die Blechprägeanteile, wurden dann verkauft. Bei späteren Aufträgen für die Bundeswehr aus den Jahren 1987 bis 1989 wurden daher wesentliche Teile in Lizenz gefertigt und durch Rheinmetall endmontiert. Insgesamt hat die Bundeswehr über 70.000 Maschinengewehre MG3 aus Neufertigung beschafft.

Das Maschinengewehr MG3 wird in der Bundeswehr in zwei Varianten genutzt: Das infanteristische Maschinengewehr für den abgesetzten Einsatz oder in körpergesteuerten Lafetten trägt die Bezeichnung MG3 (ohne Zusatz), das achsparallel in gepanzerten Fahrzeugen oder in fernbedienbaren Lafetten eingesetzte sogenannte Blenden-MG wird MG3A1 bezeichnet. Beide Varianten sind grundsätzlich zueinander umbaubar. Die Unterschiede bestehen lediglich darin, dass beim MG3A1 das Fliegerabwehrvisier, Zweibein, Trageriemen und Schulterstütze nicht montiert sind. Dafür verfügt es über eine Schutzkappe anstelle der Schulterstütze, einen Kugelring zum Rückstoßverstärker und ein zweites Ersatzrohr.

Bei den aktuell in der Truppe genutzten Maschinengewehren finden sich häufig die Bezeichnungen MG3 T ZUB oder MG3A1 T ZUB. Diese weisen auf die Ausstattung mit Tarndrucktaschen und Zubehör hin; technisch sind diese Waffen unverändert.

Zu jedem MG3 gehören zwei und zu jedem MG3A1 drei Rohre. Die Rohre sind aufgrund der hohen thermischen Belastung bei schnellen Feuerstößen nach 150 Schuss über die rechts am Gehäuse befindliche Rohrwechselklappe zu wechseln. Ursprünglich waren die MG3-Rohre mit Zügen und Feldern versehen. Um die Haltbarkeit von mindestens 16.000 Schuss zu gewährleisten, wurden die Rohre in einem Zwischenschritt konisch hartverchromt. Aktuelle Rohre sind verchromt mit Polygonprofil, die Verwendung der Rohre mit Zug/Feld-Profil ist nicht mehr zulässig. Die Einführung von Hartkernmunition zur Bekämpfung geschützter Ziele hat die Rohrfertigung vor erneute Herausforderungen gestellt. Diese Munition ist auf Durchschlagsleistung im Ziel optimiert, jedoch sehr rohrerosiv. Daher wurde bei MG3-Rohren neuester Fertigung das Verchromungsverfahren nochmals optimiert.

Für das MG3 steht Zubehör zum Verschießen von Übungs- und Manövermunition zur Verfügung. Wenig bekannt ist allerdings, dass es für die Nutzung im Rahmen von Auslandseinsätzen der Bundeswehr und für die einsatzvorbereitende Ausbildung einen Ergänzungssatz gibt, mit dem Optiken und Laser-Licht-Module an das MG3 adaptiert werden können. Damit kann eine – wenn auch sehr eingeschränkte – Nachtkampffähigkeit erreicht werden.

Das MG3 ist nur auf die Feuerart „Feuerstoß“ ausgelegt. Waffenseitig ist die Möglichkeit eines Einzelschusses nicht vorgesehen. Die Munitionszuführung kann mit Endlosgurten oder mit Zerfallgurten mit den Gurtgliedern DM60 oder M13 erfolgen. Die hohe Kadenz der Waffe hat dabei durchaus ihre Auswirkungen auf die Munition. Zwar wurde das ursprüngliche MG42 an das NATO-Kaliber 7,62 mm angepasst, allerdings weichen die in der Bundeswehr verwendeten Patronen in einem Detail vom NATO-Standard ab: die Patronenhülsen sind am Patronenboden stärker ausgelegt als gefordert, um den erforderlichen Auszugskräften standzuhalten. Eine weitere Besonderheit des MG3 ist die verwendete Schiebesicherung, mit der die Waffe nur in gespanntem Zustand gesichert werden kann. Diese Sicherung weicht damit sowohl ergonomisch von den sonstigen Sicherungen der in die Bundeswehr eingeführten Handwaffen ab, als auch von dem verfolgten Sicherungskonzept, nach dem Handwaffen in allen Ladezuständen sicherbar sein sollen.

Das MG3 sollte bereits 2014 sukzessive aus der Nutzung genommen und vom MG5 abgelöst werden. Aufgrund seiner hohen Kadenz, Robustheit und der uneingeschränkt zur Verfügung stehenden Lafettenadaption hat das MG3 aber auch heute noch seinen festen Platz in der Truppe. Als Blenden-MG in den gepanzerten Fahrzeugen der Leopard 1 und Leopard 2-Familie sowie im Schützenpanzer Marder wird es bis auf Weiteres erhalten bleiben, da der dort zur Verfügung stehende Bauraum ohne umfangreiche Änderung der Lafettierung keine Aufnahme des MG5 ermöglicht.

Das Alter der Waffen, verbunden mit der intensiven Nutzung, hinterlässt deutliche Spuren am Material. Vor allem das Waffengehäuse des MG3 weist häufig belastungsbedingte Risse auf, die nicht mehr instandsetzbar sind. Versuche, auf dem Weltmarkt zeichnungsgerechte Ersatzgehäuse zu beschaffen, die den Qualitätsstandards der Bundeswehr genügen, waren letztendlich nicht erfolgreich. Das Wissen um die Blechprägetechnik dieses Bauteiles ist in den letzten Jahrzehnten offensichtlich verloren gegangen und könnte nur erneuert werden durch die Neuauflage einer Großserie, durch die die Investition in die Produktionsanlagen auch wirtschaftlich vertretbar wäre. Dies ist angesichts des bereits in der Auslieferung befindlichen Nachfolgers, dem MG5, ausgeschlossen.

Um das MG3 dennoch bis an sein Nutzungsende einsatzreif zu halten, mussten auch unkonventionelle Lösungsansätze geprüft werden. Daher wurde über die Firma Rheinmetall ein gefrästes Gehäuse in Auftrag gegeben, mit dem der verbleibende Bedarf gedeckt werden soll. Das MG3 mit diesem neuen Gehäuse wird voraussichtlich die Bezeichnung MG3 A0A1 bzw. MG3 A1A1 tragen.

Es ist schon eine gewisse Ironie, dass der Erfolg des MG42 auf der Einführung der Blechprägetechnik beruhte, und nun das MG3 nur durch die Abkehr von dieser Fertigungstechnik weiter in der Nutzung gehalten werden kann.

Maschinengewehr MG4

Die Idee, ein leichtes Maschinengewehr im Kaliber 5,56 mm x 45 für infanteristische Kräfte einzuführen, ist nicht neu. Das MG3 ist aufgrund seines Gewichtes und seines Rückstoßes nur bedingt geeignet, um freihändig aus der Schulter geschossen zu werden. Bereits bei der Einführung des Sturmgewehrs G36 Mitte der 1990er Jahre wurde parallel die Einführung eines leichten Maschinengewehrs gleichen Kalibers als Unterstützungswaffe für die Infanteriegruppe gefordert. Allerdings verfügten diese Maschinengewehre mit der Bezeichnung MG36 weder über eine Möglichkeit zur Gurtzuführung noch zum Rohrwechsel, sondern unterschieden sich von den Sturmgewehren nur durch ein verstärktes Rohr und ein Zweibein. Nach abgeschlossener Erprobung wurde auf die Beschaffung von Seiten der Bedarfsträger verzichtet; die Fähigkeit wurde durch Einführung von Zweibein und Trommelmagazin als optionales Zubehör für das G36 abgebildet.

Das MG4A3 (Foto: BAAINBw)

Erst Jahre später, beginnend 2004, wurde mit Einführung des Systems Infanterist der Zukunft (Anteil Basissystem) ein leichtes Maschinengewehr, das MG4, als Unterstützungswaffe für die betreffenden Infanteriegruppen beschafft. Dabei handelt es sich um einen vollautomatischen Gasdrucklader mit Gurtzuführung von Heckler & Koch. Die Waffe verschießt Patronen im Kaliber 5,56 mm und ist bei der Sicherungseinrichtung beidseitig bedienbar. Ziel war es, innerhalb der Infanteriegruppe ein einheitliches Patronenkaliber zu etablieren. Das MG4 ist als Gasdrucklader vom Zweibein aus geschossen deutlich führiger als das MG3 und verfügt – analog zum Gewehr G36 – über adaptive Zieloptiken. Die Hauptkampfentfernung beträgt 300 m, die maximale Kampfentfernung des MG4 liegt bei 600 m. Wie beim MG3 ist nur die Feuerart „Feuerstoß“ vorgesehen. Deutliche Unterschiede zum MG3 ergeben sich z. B. beim Rohr: Das MG4 verfügt aufgrund des Antriebsprinzips der Waffe über eine Gasentnahme, es werden wieder gezogene Rohre verwendet und der Rohrwechsel erfolgt mittels Rohrwechselgriff, welcher zugleich auch als Tragegriff dient, in Schussrichtung gesehen nach vorne.

Das MG4 ist derzeit in vier unterschiedlichen Varianten in die Bundeswehr eingeführt:

MG4 (Infanterist der Zukunft – Basissystem)

Das MG4 verfügt in dieser Ausstattungsvariante über ein Zweibein sowie ein mechanisches Visier oder alternativ über die Kombination eines dreifach vergrößernden Zielfernrohres mit einem Reflexvisier (RSA-S). Das in einem Tragebügel integrierte Zielfernrohr erinnert an das Optikkonzept des G36.

MG4A1 (Einbauwaffe Puma)

Das MG4A1 ist im Schützenpanzer Puma als achsparallele Sekundärbewaffnung eingerüstet. Im Vergleich zur infanteristischen Variante fehlen dieser Einbauwaffe die Schulterstütze, das Zweibein und die Visiereinrichtung. Zudem ist das Griffstück durch ein Maschinengriffstück ersetzt, das die Bedienung der lafettierten Waffe durch den Richtschützen ermöglicht.

MG4A2 (Infanterist der Zukunft – Erweitertes System)

Das MG4A2 besitzt gegenüber dem MG4 weitere Funktionalitäten. Es verfügt über eine geänderte, verstellbare Schulterstütze; auf ein in einen Tragebügel integriertes Zielfernrohr wurde verzichtet, dafür wird ein Zielfernrohr 4 x 30 und ein Reflexvisier RSA-S auf den Adapterschienen des Deckels aufgenommen; zudem verfügt das MG4A2 über zusätzliche Bedienelemente, die die Kommunikation des Schützen im System Infanterist der Zukunft ermöglichen (Push-to-talk-Tasten). In Verbindung mit den zum Infanterist der Zukunft eingeführten Nachtsichtoptroniken (Laser-Licht-Modul Vario-Ray, Nachtsichtverstärkervorsatzgerät NSV 600, Infrarotvorsatzgerät IRV 600 oder Wärmebildzielgerät) kann mit dem MG4A2 auch bei Nacht und eingeschränkter Sicht der Feuerkampf geführt werden.

MG4A2A1 (Erweiterung Waffenmix im Einsatz)

Das MG4A2A1 wurde zur Verstärkung des Waffenmixes im Einsatz beschafft mit dem Ziel, die in besonderen Situationen erforderliche Feuerverstärkung bei den infanteristischen Kräften zu ermöglichen. Technisch ist diese Variante identisch mit dem MG4A2, verfügt aber nicht über die elektronischen Anbindungen zum Kommunikationssystem des Infanteristen der Zukunft.

Derzeit ist geplant, das MG4 in einer Version MG4A3 auch querschnittlich, d. h. außerhalb des Systems Infanterist der Zukunft oder dem Waffensystem Puma, für die Truppe zu beschaffen. Das MG4A3 wird dem MG4A2A1 ähneln; die wesentliche Änderung wird das Sicherungskonzept betreffen, bei dem die Philosophie eines in allen Ladezuständen zu sichernden Maschinengewehrs vom MG5 auf das MG4 übertragen wird. Nach Einführung des MG4A3 ist beabsichtigt, alle MG4-Varianten auf dieses Sicherungskonzept umzurüsten, sodass Bedienung und Sicherung der neuen Maschinengewehr-Generation in der Bundeswehr kaliberunabhängig einheitlich ist und Handhabungs-/Bedienfehler minimiert werden.

Die Nachweismuster des MG4A3 befinden sich derzeit in der integrierten Nachweisführung. Nach erfolgreichem Abschluss und final festgelegtem Konstruktionsstand ist die Umrüstung der verbliebenen MG4-Flotte (Ausnahme MG4A1 für den SPz PUMA) beabsichtigt.

Maschinengewehr MG5

Das MG5 wird als mittleres Maschinengewehr für die querschnittliche Nutzung und somit als Nachfolger für das MG3 in die Bundeswehr eingeführt. Es kann als Universal-MG sowohl abgesessen als auch lafettiert eingesetzt werden. Als Reaktion auf eine Vielzahl von unbeabsichtigten Schussabgaben mit dem MG3 wurde die Forderung aufgestellt, dass die neue Waffe in allen Ladezuständen zu sichern sein muss. Die Entscheidung fiel im Jahr 2013 zugunsten des von Heckler & Koch unter der Firmenbezeichnung HK121 angebotenen Maschinengewehrs. Es handelt sich dabei um einen zweiachsigen Gasdrucklader im Kaliber 7,62 mm x 51, der technisch dem MG4 ähnelt und mit diesem eine Waffenfamilie bildet. Wie die bisher eingeführten Maschinengewehre ist auch das MG5 ausschließlich auf die Feuerart „Feuerstoß“ ausgelegt. Die Hauptkampfentfernung beträgt 600 m, die maximale Kampfentfernung des MG5 liegt bei 1.000 m.

Das MG5A2 (Foto: BAAINBw)

Das MG5 weist eine Vielzahl von Besonderheiten und Neuerungen auf. Die Farbgebung in RAL 8000 Grünbraun ist dabei nur ein kleines, aber offenkundiges Detail. Interessanter sind die technischen Aspekte:

Die Sicherungseinrichtung der Waffe ist für Rechts- und Linksschützen gleichermaßen bedienbar. Neu ist die umklappbare, längen- und höhenverstellbare Schulterstütze, die auch in angeklapptem Zustand die volle Waffenfunktion zulässt. Es existiert zudem eine weitere, speziell auf die Bedürfnisse der Infanterie angepasste, modifizierte Schulterstütze.

Die Präzisionsforderungen an das MG5 wurden gegenüber dem MG3 deutlich gesteigert. Der bisher gültige Streukreis von 40 cm Durchmesser auf 100 m Zielentfernung mit sieben Schuss bei eingespannter Waffe (MG3) ist vom MG5 mit 30 Schuss vom Zweibein zu erfüllen. Zudem kommt eine Forderung für die Treffgenauigkeit mit Feuerstößen sowie eine Präzisionsforderung für die Trefflage der beiden Waffenrohre zueinander. Dies führt dazu, dass jedes Rohrpaar zueinander gerichtet ist und nur gemeinsam getauscht werden kann. Zudem sind die Rohre des MG5 explizit auch auf die Nutzung von Hartkernmunition (Mischgurtung 1 x Hartkern : 1 x  Leuchtspur : 1 x Weichkern) ausgelegt.

Eine weitere Besonderheit der Waffe ist die Möglichkeit zur Kadenzregulierung durch Verstellung der Gasentnahme. Dadurch lässt sich die Funktion der Waffe auch unter extremen Bedingungen (Kälte, Verschmutzung, Schießen bei extremer Elevation der Waffe) sicherstellen.

Durch die im Vergleich zum MG3 deutlich geringeren Rückstoßkräfte kann beim MG5 als primäre Zieloptik ein Zielfernrohr 4 x 30 mit Rotpunkt (ZF 4x30i RD) eingesetzt werden, das auf die Adapterschiene des Deckels montiert wird. Nachtsichtvorsatzgeräte oder Wärmebildzielgeräte können vor dem ZF 4×30 angebracht werden, sodass eine Nachtkampfbefähigung vorhanden ist. Ebenso lassen sich weitere Zielhilfsmittel wie Laser-Licht-Module an den Adapterschienen des MG5 anbringen. Ein Fliegerabwehrvisier und ein Notvisier vervollständigen die Zieleinrichtungen des MG5.

Die Munitionszuführung erfolgt beim MG5 über Zerfallgurte mit den Gurtgliedern DM60 oder M13. Da die Gurtzuführung des MG5 auf diese Zerfallgurte optimiert wurde, hätte die Verwendung von Endlosgurten einen eigenen Gurtzuführer benötigt; aus operativen und logistischen Gründen hat man auf diese Option verzichtet. Allerdings werden zum Verschuss der Manövermunition ein eigener Gurtzuführschacht sowie ein zerlegbares Manöverpatronengerät geliefert. Für den Verschuss von Übungsmunition wird zurzeit ein Übungsverschluss-System realisiert.

Das MG5 wird in drei Versionen in die Bundeswehr eingeführt:

MG5 (Standardwaffe)

Das MG5 ist als Standardbewaffnung für den querschnittlichen Einsatz sowohl abgesessen wie auch lafettiert vorgesehen. Es wird mit zwei Rohren von 550 mm Länge ausgeliefert und verfügt über ein Zweibein und eine längenverstellbare Schulterstütze. Die Hauptvisierung besteht aus einem auf der Adapterschiene des Deckels montierten Zielfernrohr 4 x 30 mit Rotpunkt; darüber hinaus verfügt das MG5 über ein Fliegerabwehrvisier und ein mechanisches Notvisier. Die Auslieferung der Standardwaffe hat 2015 begonnen.

MG5A1 (Einbauwaffe)

Das MG5A1 soll als Einbauwaffe in fernbedienbaren Waffenstationen dienen. Es besitzt keine Schulterstütze und keine Zieloptiken; das Griffstück ist durch ein Maschinengriffstück ersetzt. Die ursprüngliche Forderung nach einem Waffenrohr mit einer Länge von 660 mm zur Erhöhung von Präzision und Durchschlagsleistung wurde verworfen, da die Leistung des Standard-Rohres als ausreichend bewertet wurde. Der logistische Aufwand für eine weitere Rohrlänge konnte so vermieden werden. Das MG5A1 wird daher ebenfalls mit Rohren von 550 mm Länge ausgestattet werden. Der Beginn der Auslieferung des MG5A1 erfolgte im April 2019.

MG5A2 (Infanteriewaffe)

Das MG5A2 ist mit zwei kurzen Rohren von 460 mm Länge, einem Sturmgriff mit integriertem Zweibein und einer längen- und höhenverstellbaren Schulterstütze ausgestattet und ist hauptsächlich für den abgesessenen infanteristischen Einsatz vorgesehen. Wie bei der Standardwaffe verfügt die Infanteriewaffe über ein Zielfernrohr 4 x 30 mit Rotpunkt. Das MG5A2 befindet sich bereits in der Auslieferung an die Truppe.

Derzeit läuft die kontinuierliche Auslieferung der MG5 und MG5A2. Der Beginn der Auslieferung des MG5A1 erfolgte im April 2019. Im November 2019 wurden sämtliche Waffen aller Varianten in Bezug auf die Erstausstattung an die Bundeswehr ausgeliefert. Zeitgleich werden die benötigten Lafettenadaptionen entwickelt, die notwendig sind, damit das MG5 das MG3 (bis auf den koaxialen Einsatz in gepanzerten Fahrzeugen) vollständig ablösen kann.

Derzeit sind vertraglich 7.114 MG5 beauftragt. Eine darüber hinausgehende Bedarfsdeckung ist noch nicht abschließend entschieden.

Maschinengewehr MG6

Das Maschinengewehr MG6 zählt zu den Maschinengewehren Klasse Mittel hohe Kadenz und wird nur in kleinen Stückzahlen für besondere Einsatzzwecke beschafft.

Das MG6 auf Bundeswehr-Dreibein (Foto: WTD 91)

Es handelt sich beim MG6 um ein luftgekühltes Drehrohr-Maschinengewehr der Fa. Dillon, USA, mit einem Rohrbündel zu sechs Rohren im Kaliber 7,62 mm x 51 NATO mit elektrischem Antrieb.

Es zählt damit nicht mehr zum klassischen Begriff der Handwaffen, sondern wird ausschließlich lafettiert auf (Luft-) Fahrzeugen, auf RHIB-Booten (Rigid-Hulled Inflatable Boat) oder stationär von einem Dreibein aus betrieben. Die Waffe verfügt über eine Kadenz von bis zu 3.000 Schuss pro Minute und dient der Bekämpfung von sich schnell bewegenden Zielen auf eine Entfernung bis 1.000 m. Um dem kadenzbedingten Munitionsbedarf gerecht zu werden, wurden die Gurtlängen der Zerfallgurte für diese Waffe von 120 Schuss auf 500 Schuss erhöht. Der Zulauf der geplanten 42 Serienwaffen hat mit 28 Systemen in November 2019 begonnen.

Autor: Technischer Regierungsrat Robin Kettel ist der Projektleiter Maschinengewehre (MG4, MG5 und MG6) im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr K6.2.