Im Einsatz und bei Übungen sind Logistiker häufig abseits fester Infrastruktur eingesetzt. Für den Zugriff auf digitale Services wie SAP werden dezentrale Arbeitsplätze benötigt, die die Bundeswehr gemeinsam mit dem IT-Dienstleister conet realisiert hat. Bei dem conet innovation day informierten Projektbeteiligte über das Vorhaben.
IT-Kabinen im Auslandseinsatz
Die mobilen IT-Kabinen basieren auf handelsüblichen Fernmeldekabinen FM 2, die bereits seit 1998 – damals im Kosovo-Einsatz mit Altverfahren und extrem geringen Datenraten von 7,6 Kilobit – für die Materialbewirtschaftung und Instandhaltung genutzt werden. Sie waren seither weltweit in zahlreichen Auslandseinsätzen der Bundeswehr wie in Afghanistan, Bosnien, im Kongo und bei Übungen der NATO beziehungsweise EU Battle Groups im Einsatz.

Regeneration 28 SAP-Kabinen
Mit der schrittweisen Digitalisierung und der Ablösung der Altverfahren durch SAP ab dem Jahr 1999 entstand die Notwendigkeit, die Kabinen zu regenerieren. Der Übergang zu SAP begann zunächst als Improvisation der Truppe im Feld unter Nutzung einer alten Datenanlage mit 2 Mbit Übertragungsrate. Seit 2014 ist conet mit der Bereitstellung der Hard- und Software sowie der Instandhaltung beauftragt.
Derzeit verfügt die Bundeswehr über 28 voll einsatzfähige, auf SAP umgerüstete Kabinen sowie acht weitere im Zulauf. Der tatsächliche Bedarf in der Zielstruktur liegt bei rund 60 Einheiten. Um Leerstände zu vermeiden, werden die Kabinen zentral gepoolt und den Verbänden bedarfsgerecht für Übungen und Einsätze bereitgestellt. Da keine neuen Gehäuse produziert werden, greift man auf die Instandsetzung und Umrüstung alter, vorhandener Kabinenhüllen zurück.
Merkmale der mobilen Kabinen
Technisch fungieren die Einheiten als dezentraler IT-Service für die Logistik im Feld. Sie sind hochgradig mobil, mit einem Standard-10-Tonnen-Kran verladbar und für den Land-, Bahn-, See- und Lufttransport geeignet. Eine Kabine kann zwischen 10 und 15 Arbeitsplätze über abgesetzte Leitungen in einem Radius von bis zu acht Kilometern anbinden. Die Kabinen sind vollklimatisiert, stoßgedämpft, gegen ABC-Bedrohungen geschützt und mit eigener Stromversorgung (Netzersatzanlagen) ausgestattet.
Jede Kabine stellt eine eigene Unterdomäne dar, benötigt für den vollen SAP-Betrieb jedoch zwingend eine Netzanbindung an das zentrale Rechenzentrum der Bundeswehr. Eine vollkommen autarke SAP-Lösung ohne Serververbindung existiert trotz langjähriger Planungen noch nicht. Die Konnektivität wird flexibel über Satellitenkommunikation (wie Bundeswehr-Frequenzen über geostationäre Intel-Satelliten) oder zunehmend über zivile Internetverbindungen wie LTE-Netze im jeweiligen Einsatzland realisiert.
Gerhard Heiming











