Rheinmetall setzt sein Wachstum fort. Für die vergangenen neun Monate meldet der Technologiekonzern einen Anstieg des Umsatzes um 20 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro. Das militärische Geschäft allein betrachtet legte um 28 Prozent zu. Mit dem Umsatz wuchs auch das operative Konzernergebnis um 18 Prozent auf 835 Millionen Euro. Die Bundeswehr als Kunde steht jetzt für mehr als ein Drittel des Umsatzes.

Trotz geringerer Auftragseingänge, von Rheinmetall auf die verzögerte Verabschiedung des Bundeshaushalts nach dem Regierungswechsel zurückgeführt, nahm der Auftragsbestand um 23 Prozent auf den Rekordwert von 64 Milliarden Euro zu. Der Anteil des zivilen Geschäfts ist auf einen Umsatzanteil von unter 20 Prozent abgesunken.

Rheinmetall erweitert seine Kapazitäten durch Zukäufe, Joint Ventures und neue Werke mit Investitionen in zahlreichen europäischen Ländern. „Aktuell sind es 13 Werke, die wir in Europa entweder neu entstehen lassen oder massiv ausbauen“, sagte Rheinmetall-CEO Armin Papperger. „Vor zwei Tagen hatten wir in Litauen den Spatenstich für ein neues Werk, Lettland wird folgen. Am Anfang der vergangenen Woche haben wir mit der bulgarischen Regierung den Aufbau zweier großer Werke für Munition und Pulver vereinbart.“

Vehicle Systems

Der Umsatz der größten Division kletterte um 28 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro bei einer Steigerung des operativen Ergebnisses um 23 Prozent auf 346 Millionen Euro. Als einen Grund nennt das Unternehmen die Lieferung logistischer Fahrzeuge aus dem Rahmenvertrag „Ungeschütztes Transportfahrzeug 2.0“. Der Auftragseingang nahm auf 1,9 Milliarden Euro stark ab, unter anderem wegen hoher Einzelaufträge im Vergleichszeitraum. Der Auftragsbestand hat um fünf Prozent auf 19,7 Milliarden Euro abgenommen, ein immer noch guter Wert.

Weapon and Ammunition

Die Division ist weiter kräftig im Aufwind. 30 Prozent betrug die Steigerung auf den neuen Rekordwert von knapp über zwei Milliarden Euro. Die gleiche relative Steigerung verzeichnete das operative Ergebnis, das auf 440 Millionen Euro zunahm. Das ist mehr als die Hälfte des Konzernergebnisses. Trotz geringerer Auftragseingänge (dazu zählt u.a. der Rahmenvertrag über geschützte hochmobile Sanitätseinrichtungen) wuchs der Auftragsbestand um 19 Prozent auf 23,2 Milliarden Euro.

Electronic Solutions

Mit 41 Prozent erfuhr die Division den stärksten Umsatzzuwachs. 1,4 Milliarden Euro konnte die Division mit Digitalisierung, infanteristischer Ausrüstung sowie Flugabwehr und Simulation erlösen. Das taktische Wide Aera Network TaWAN und Sprechsätze mit Gehörschutz werden als Treiber genannt. Das operative Ergebnis wuchs um ein Drittel und erreichte 128 Millionen Euro. Mit 10,3 Milliarden Euro gingen fast doppelt so viel neue Aufträge (unter anderem TaWAN und Nachbeschaffung IdZ) ein, wie im Vorjahreszeitraum. Dadurch legte das Auftragsbuch um fast die Hälfte auf 16,7 Milliarden Euro zu.

Power Systems

Die Division für Aktivitäten im zivilen Bereich ist wegen der Entwicklungen auf dem Automobilmarkt aus dem strategischen Kerngeschäft des Konzerns geraten. Der Umsatz ging erneut leicht auf 1,5 Milliarden Euro zurück. Das operative Ergebnis fiel um fast die Hälfte auf nur noch 42 Millionen Euro. Mit nur 1,5 Milliarden Euro neuer Aufträge sank der Auftragsbestand um elf Prozent auf 7,1 Milliarden Euro.

Zwei Werke der Division (in Berlin und Neuss) werden zu Defence-Werken umgewandelt.

Prognose

Auf Basis der Geschäftsentwicklung in den ersten neun Monaten bestätigt Rheinmetall die Jahresprognose. Das Unternehmen erwartet eine Zunahme des Umsatzes um 25 bis 30 Prozent auf über 12 Milliarden Euro und will damit die Zehn-Milliarden-Euro-Marke deutlich übertreffen. Das operative Ergebnis wird nahe bei zwei Milliarden Euro gesehen.

gwh