Die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa zeigt deutliche Auswirkungen auf die deutsche Industrie – insbesondere auf den Mittelstand. Die BVS Systemtechnik GmbH aus Böblingen, spezialisiert auf Blechbearbeitung, verzeichnet eine spürbar wachsende Nachfrage aus dem Verteidigungssektor. Nach einem ersten Auftrag für Trainingsleitstände militärischer Ausbildungsschiffe hat das Unternehmen nun einen deutlich umfangreicheren Folgeauftrag erhalten, der die Ausstattung von Leitständen für Schiffe und U-Boote umfasst.
Rüstungsaufträge statt Routinegeschäft
„Generell merken wir, dass der Markt sehr viel Potenzial bietet“, sagt Geschäftsführer Harald Steiner. „Die Bedarfslage verändert sich gerade entscheidend.“ Als traditioneller Industriebetrieb hat sich BVS bislang nur wenig mit militärischen Projekten befasst. Doch die aktuelle Situation stellt neue Anforderungen – auch an den industriellen Mittelstand. „Deutschland steht vor einem erhöhten Bedarf an Verteidigungsfähigkeit“, so Steiner. „Wir sind überzeugt, dass der industrielle Mittelstand gerade jetzt eine Schlüsselrolle spielt.“
Zu den besonderen Stärken mittelständischer Betriebe zählen maßgeschneiderte Lösungen, enge Kundenkommunikation und eine hohe Flexibilität bei der Weiterentwicklung von Produkten. BVS setzt seit Jahrzehnten auf kundenspezifische Blechteile und Baugruppen –nun auch im Verteidigungsbereich. Das Unternehmen verfügt über die DIN EN 9100, die speziell für Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie gilt. „Unser Ruf als kompetenter Betrieb mit viel Praxiserfahrung hat uns beim Auftrag für die Leitstände quasi von selbst beworben“, erklärt Geschäftsführer Christian Tochtenhagen.
Das Interesse aus der Verteidigungsindustrie ist so hoch, dass BVS keine aktive Akquise betreiben musste. Vielmehr suchen große Auftraggeber gezielt mittelständische Partner, die schnel und flexibel arbeiten. „Wir sind es als mittelständische Unternehmen gewohnt, eng mit dem Kunden zusammenzuarbeiten, schnell nachzuliefern, individuell zu denken und Probleme proaktiv zu lösen“, betont Tochtenhagen. „Genau das ist jetzt die Kompetenz, die eine sich stärker ausbauende Verteidigungsbranche braucht.“
Flexibilität wird zur Schlüsselkompetenz
Damit könnte der Mittelstand zum neuen Rückgrat einer modernisierten Verteidigungsindustrie werden – nicht durch Massenproduktion, sondern durch intelligente, modulare und qualitativ hochwertige Zulieferungen. Ob Bedienpulte, tragende Metallstrukturen, Baugruppen für UAVs, Drohnensysteme oder modulare Einsatzeinheiten: BVS verfügt über ein breites Portfolio, das sich auch auf sicherheitsrelevante Anwendungen übertragen lässt.
Das Unternehmen sieht sich für die kommenden Anforderungen gut gerüstet – mit moderner Fertigung, einem erfahrenen Team und Investitionen in Technologie, Personal und Qualität. „Es geht nicht darum, als Traditionsunternehmen aus der Industrie sich jetzt aktiv am Panzer- Waffengeschäft beteiligen zu wollen“, sagt Steiner. „Aber ich denke, dass wir uns gerade in Mitteleuropa alle sicher fühlen wollen und da spielt die Verteidigungsfähigkeit gerade eine entscheidende Rolle, ob wir möchten oder nicht. Ich denke, dass ich hier für sehr viele mittelständische Betriebe unserer Art spreche.“
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