Mit dem zweiten Rahmenvertrag zwischen der Bundeswehr und Rheinmetall zur Lieferung von Ungeschützten Transportfahrzeugen (UTF) vom 1. Juli 2024 wurde die UTF-Fahrzeugfamilie um die Zuladungsklasse (ZLK) 3,5t erweitert (ESuT berichtete). Erkennungsmerkmal ist die Ausführung als 4×4 mit vier angetriebenen Rädern auf zwei Achsen gegenüber 6×6 für die ZLK 10t und 8×8 für die ZLK 15t.

RMMV hat dieses Fahrzeug auf Basis des UTF ZLK 5t unter Nutzung des bewährten Baukastens, aus dem die HX2-Baureihe entsteht, realisiert: mit gleicher Besatzungskabine und mit gleichem Antriebsstrang aber angepasster Hinterachse. Damit ist die neue ZLK logistisch weitgehend identisch mit den anderen UTF. Weder für die Bediener noch für die Instandsetzer müssen neue Ausbildungsklassen eingeführt werden.

Blick auf die Fahrerseite der neuen Fahrzeugklasse UTF 3,5t. Ausführung mit ungeschützter Kabine, und Pritsche. Die Möglichkeit zum Aufbau einer fernbedienbaren Waffenstation macht daraus ein Gefechtsfahrzeug, was mit dem Eisernen Kreuz auf der Seite dokumentiert wird. (Foto: Rheinmetall)

UTF ZLK 3,5t: Die Technik

Bedeutendes Unterscheidungsmerkmal der ZLK 3,5t ist der Verzicht auf einen Tragrahmen, der wechselnde Aufbauten zulässt. Beim 3,5-Tonner wird die Pritsche fest verbaut, um die geforderte Maximalhöhe nicht zu überschreiten. Damit wird es möglich, bei reduzierter Länge und Fahrzeughöhe einen optimalen Laderaum für die Nutzlast zur Verfügung zu stellen.

Hinter der Besatzungskabine steht zwischen Kühlertraggestell und Pritsche normalerweise ein Ersatzrad mit Aufzug. Die Bundeswehr verzichtet, wie bei allen UTF & WLS Fahrzeugen, auf ein Ersatzrad, weil die Räder mit Notlaufeinlagen versehen sind. Daher wurde der Platz mit einem geschlossenen Regal genutzt, der als Stauraum für persönliches oder Missions-Equipment zur Verfügung steht.

Auch die ZLK 3,5t ist grundsätzlich für die Nutzung von geschützten Wechselkabinen vorbereitet. Allerdings erscheint es vom Fahrzeugkonzept her wenig sinnvoll, das zu tun. Die geschützte Kabine würde erhebliches Zusatzgewicht auf die Vorderachse bringen, die bereits durch Motor, Getriebe und Aggregate hoch belastet ist. Eine fahrzeugtechnisch erforderliche Lastverteilung mit ausreichenden Lastanteilen für die Hinterachse kann in dieser Konfiguration nicht immer sinnvoll dargestellt werden, zumal die Nutzlast auf der Pritsche eher vor als auf der Hinterachse positioniert wird.

Der Blich auf die Beifahrerseite zeigt den Stauraum für persönliches und Missionsequipment an der Stelle, wo früher Platz für ein Ersatzrad war. (Foto: Rheinmetall)

Einsatzspektrum

Mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 18 Tonnen (nach StVZO) und – wie alle UTF – angetrieben von einem Dieselmotor mit 324 kW kann das kompakte Fahrzeug Wege und besonders Brücken befahren, die für schwerere Fahrzeuge nicht passierbar sind. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die Versorgung von abgesetzten Truppenteilen im täglichen Betrieb (z.B. mit Verpflegung).

Lieferung

Aufgrund der Ableitung des Fahrzeuges aus der bestehenden Flotte war der UTF 3,5t ohne besonderen Entwicklungsaufwand lieferbar.

Das erste serienreife Fahrzeug ist im Januar für die Nachweisführung an das BAAINBw geliefert worden. Das positive Ergebnis wird in den nächsten Tagen erwartet. Dann können die ersten UTF ZLK 3,5t beim nächsten Abruf aus dem Rahmenvertrag bestellt werden. Der Rahmenvertrag sieht eine Gesamtmenge von 1.500 Fahrzeugen vor. Der Abruf wurde zum Jahreswechsel 2025/2026 erwartet. Die kürzlich erfolgte Lockerung der Schuldenbremse könnte zu einem früheren Abruf führen.

Gerhard Heiming