Helsing, der KI-Spezialist für Anwendungen im Verteidigungsbereich, stellt heute die intelligente Kampfdrohne HX-2 Karma offiziell vor. In den vergangenen Wochen ist in der Presse viel über die Kampfdrohne spekuliert worden. Dabei wurde ein Zusammenhang mit den „4.000 bewaffnete Drohnen“ hergestellt, deren Übergabe an die Ukraine die Bundesregierung in der Übersicht über Lieferungen von Waffen und militärischer Ausrüstung an die Ukraine angekündigt hat.

Nach Angabe von Helsing ist die HX-2 Karma eine elektrisch angetriebene X-wing-Präzisionsmunition mit einer Reichweite von bis zu 100 km. X-wing bedeutet vier Flügel und Rotoren in X-Anordnung. Dieser neue Typ einer softwarebasierten, schwarmfähigen Kampfdrohne sei von Grund auf so konzipiert, dass sie kostengünstig serienmäßig herstellbar ist. Die fortschrittliche KI an Bord ermögliche hohe Störungsresistenz auch in einem stark umkämpften elektromagnetischen Spektrum. Die Fähigkeiten habe das Unternehmen aufgrund seiner umfangreichen Erfahrungen in der Ukraine entwickelt und getestet.

HX-2 Karma in der charakteristischen X-Wing-Anordnung im Flug (Foto: Helsing)

Bei einem Abfluggewicht bis zu 12 kg fällt die Drohne in die Gewichtsklasse 1 (Mini-UAS). Die Nutzlast (Gefechtskopf) von maximal 4,5 kg kann mit einer Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zu Zielen in 100 km Entfernung transportiert und dort zur Wirkung gebracht werden. Mit Detonation der Sprengladung wird die Drohne zerstört. Sollte die Drohne am Ende der Mission nicht völlig zerstört sein, ist sichergestellt, dass die verschlüsselte und gegen Re-Engineering gesicherte Software weder genutzt noch ausgespäht werden kann.

Die HX-2 kann Helsing zufolge in großen Stückzahlen hergestellt werden und ist wesentlich kostengünstiger als herkömmliche Systeme. Die Leistungsfähigkeit der Hardwarekomponenten wird mit KI-Methoden auf das notwendige Niveau angehoben.

„Wir sind ein Software-First-Unternehmen. Der Fokus liegt auf der Entwicklung von KI- Lösungen für militärische Anwendungen. In einem strategischen Umfeld, in dem schnelle Innovation und technologische Souveränität unerlässlich sind, haben wir uns aber zu einem bedeutenden Schritt entschlossen: die Produktionskette vertikal zu integrieren. Diese Entscheidung ermöglicht es uns, drohnenbasierte Wirkmittel zu entwickeln, die perfekt auf unsere Algorithmen abgestimmt sind, und schneller innovieren“, erläuterte Simon Brünjes, Managing Director in der Dimension Land bei Helsing. Zur Herstellung der Drohnen fährt Helsing die Produktion in Europa hoch. Neben eigenen Produktionskapazitäten arbeitet das Unternehmen mit weiteren Herstellern zusammen, die Baugruppen und Komponenten nach den Vorgaben und Qualitätskriterien von Helsing produzieren.

Helsing sieht die Drohne als eine leistungsstarke Ergänzung zu Artilleriesystemen. Die HX-2 Karma sei in der Lage, gegnerische Rad- und Kettenfahrzeuge, Gefechtsstände und Stellungssysteme abstandsfähig und erfolgreich zu bekämpfen.

Zum Kern der Software gehört Altra, eine Aufklärungs- und Angriffssoftware aus den Entwicklungsbüros von Helsing. Altra steuert die Sensoren, wertet die Ergebnisse aus und leitet daraus Handlungsvorschläge für den Bediener ab. Der Bediener entscheidet jederzeit über die Aktionen der Drohne, kann aber auch Teile automatisch ablaufen lassen. Er bestätigt final das Ziel und leitet den Zielendanflug ein. Somit ist sichergestellt, dass der Mensch die Entscheidungskontrolle über das System behält. Altra ermöglicht es, mehrere Drohnen zu einem Schwarm zusammenzufassen, der als Ganzes vom Bediener gesteuert wird, um gemeinsam Aufgaben zu erfüllen.

Die HX-2 Karma ist durch den Bordrechner, auf dem die fortschrittlichen Algorithmen mit KI-Nutzung laufen, autark. Die daraus resultierende hohe Störungsresistenz ermöglicht einen effektiven Einsatz der Drohne. Für die autarke Navigation greift die HX-2 auf hinterlegtes Kartenmaterial zurück. Während des Fluges stellt die Navigation über Landmarken die genaue Position der Drohne fest. Mit der KI kann eine sehr große Menge an Landmarken ausgewertet werden. Im Zielanflug wird das Ziel über Bilderkennung identifiziert, gegebenenfalls unterstützt durch Aufklärungsdrohnen vor Ort. Auf dies Art findet die Drohne das Ziel zuverlässig ohne Abstützung auf Satellitennavigationssysteme auch in elektromagnetisch stark umkämpften Räumen.

„Mit HX-2 schaffen wir eine neue Effektorkategorie, die Masse mit Intelligenz und extremer Präzision verbindet. Einzelne HX-2 können gepanzerte Ziele selbst in den umkämpftesten Umgebungen zuverlässig bekämpfen.  Wenn HX-2 in großem Umfang entlang von Landgrenzen eingesetzt wird, kann es als mächtiger Schutzschild gegen ganze Landstreitkräfte dienen“, sagte Niklas Köhler, Mitbegründer von Helsing.

Die Gründer des KI-Spezialisten Helsing: (v.l.) Gundbert Scherf, Torsten Reil, Niklas Köhler (Foto: Helsing)

Gundbert Scherf, Mitbegründer von Helsing, ergänzte: „Die NATO benötigt dringend Lösungen zum Schutz der Integrität ihrer Landgrenzen. HX-2 trägt diesem Bedarf mit einem KI- und Software-basierten Ansatz Rechnung, wobei die volle menschliche Kontrolle und Überwachung erhalten bleibt – Kernfähigkeiten, die durch die elektronische Kriegsführung zu erodieren drohten.“

Im Rahmen der Ertüchtigungsinitiative der Bundesregierung, von der Einzelheiten in der oben genannten Liste laufend veröffentlicht werden, liefert Helsing 4.000 Kampfdrohnen des Typs HF-1. Diese sei zusammen mit ukrainischen Partnerunternehmen entwickelt worden und nutze im Kern bereits die Technologie, die auch in der HX-2 zum Einsatz kommt.

Die Auslieferung der HX-2 Karma beginne im ersten Quartal 2025. Zurzeit werde im Vorgriff auf die HX-2 ein von Helsing ertüchtigtes aber lokal in der Ukraine produziertes Wirkmittel geliefert.

Technische Daten
Länge: 112,5 cm
Abfluggewicht: 12 kg
Nutzlast 4,5 kg
Fluggeschwindigkeit, max.: 250 km/h
Fluggeschwindigkeit, cruise: 80 km/h
Reichweite: bis 100 km

 

Gerhard Heiming