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In Nigeria ist ein jahrzehntealter Konflikt in eine neue Phase gewaltsamer Eskalation getreten: der Konflikt um eine mögliche Sezession der „Republik Biafra“. Wie ein Blick in die Geschichte zeigt, trägt dieser Konflikt das Potenzial in sich, den Vielvölkerstaat Nigeria zu zerreißen und in einen blutigen Bürgerkrieg zu münden.

In den vergangenen Monaten ist es insbesondere im Südosten Nigerias zu einer Reihe von Angriffen auf Polizeistationen, Checkpoints von Sicherheitskräften sowie anderen staatlichen Einrichtungen wie beispielsweise Büros der nationalen Wahlbehörde gekommen.

Bisheriger Höhepunkt ist ein im April erfolgter Angriff auf ein Gefängnis in Owerri, der Hauptstadt des im Südosten Nigerias liegenden Bundesstaates Imo, bei dem mehr als 1.800 Gefangene entkommen konnten. Nach Angaben der nigerianischen Regierung wurden im Rahmen der bisherigen Gewalthandlungen in der Region rund 130 Sicherheitskräfte getötet. Seitens der Regierung werden die Angriffe dem Eastern Security Network (ESN) zugeschrieben, dem bewaffneten Arm der Gruppe Indigenous People of Biafra (IPOB). Die IPOB ist eine in Nigeria verbotene separatistische Organisation, die für die Wiederherstellung eines unabhängigen Staates „Biafra“ kämpft.

Biafra 2.0
Grafik: mawibo media

Als Reaktion auf die Gewalteskalation startete die Regierung im Mai die Operation „Restore Peace“, um die Sicherheit in der Region wiederherzustellen. Berichten zufolge gehen die in der Region eingesetzten Kräfte von Militär und Polizei jedoch teilweise mit großer Brutalität auch gegen Zivilisten vor und treiben so die Gewaltspirale weiter an. Beobachter berichten unter anderem von willkürlichen Verhaftungen, Misshandlungen und extralegalen Hinrichtungen.

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