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Die Staaten West- und Mitteleuropas wollen ihre Abhängigkeit von US-Rüstungsimporten verringern. Das ist in vielen Technologiefeldern am ehesten möglich, wenn man es gemeinsam versucht.

Europäische Rüstungszusammenarbeit stößt jedoch regelmäßig auf erhebliche Schwierigkeiten. Die Zukunft zweier diesbezüglicher Schlüsselprojekte – des Luftkampfsystems Future Combat Air System (FCAS) sowie des Bodenkampfsystems Main Ground Comabet System (MGCS) – ist weiterhin ungewiss. Auf deutscher Seite ist dies auf Defizite zurückzuführen, die weit tiefer liegen als vordergründige Ungereimtheiten über technische Spezifikationen und industrielle Arbeitsteilung. Will die Bundesrepublik ernsthaft dazu beitragen, dass Europa im Bereich militärischer Hochtechnologie Autonomie zurückgewinnt, muss sie zunächst die analytischen und praktischen Instrumente ihrer nationalen Rüstungspolitik schärfen – auf oberer Steuerungsebene. Hier kann sie von einigen ihrer Partner lernen.

Strategiefähigkeit gefragt

Projekte von strategischer Tragweite setzen Strategiefähigkeit voraus. Strategiefähige Organisationen können strategischen Handlungsbedarf als solchen erkennen und priorisieren. Ferner sind sie in der Lage, geeignete Maßnahmen zu formulieren und diese unter Ausschöpfung der institutionellen Möglichkeiten konsequent umzusetzen.

Deutsche Rüstungspolitik – Ohne individuelle Strategiefähigkeit keine erfolgreiche Kooperation
Die Zukunft zweier europäischer Rüstungsschlüsselprojekte – des Luftkampfsystems Future Combat Air System … (Foto: Bundeswehr/Jane Schmidt)

Strategiefähigkeit bezieht sich somit weniger auf das Produkt „Strategie“ (spezifische Zielvorgaben und Erreichungsschritte), sondern vor allem auf seinen Erstellungsprozess (grundlegende Annahmen und Herangehensweisen).

In Gemeinschaftsprojekten, wie sie im Bereich militärischer Hochtechnologie an Bedeutung gewinnen, ist ein Gefälle in der Strategiefähigkeit der beteiligten Akteure problematischer als das bloße Aufeinandertreffen unterschiedlicher Strategien. Es liegt in der Natur von Kooperation, dass Anforderungen teilweise voneinander abweichen. Sind solche individuellen Dispositionen in sich stimmig und werden geradlinig kommuniziert und verfolgt, so findet man oft konstruktive Kompromisslösungen. Erheblich schwieriger gestaltet sich die Zusammenarbeit jedoch, wenn ein Partner Schwierigkeiten an den Tag legt, überhaupt einen fundierten Standpunkt einzunehmen.

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