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Das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) hat am 18. Oktober 2019 auf der europäischen Ausschreibungsplattform TED den Beginn des Teilnahmewettbewerbes für ein „Taktisches luftlandefähiges Utility Terrain Vehicle (LL-UTV)“ veröffentlicht.

Das Beschaffungsvorhaben beinhaltet einen Rahmenvertrag mit einer Laufzeit von 7 Jahren über die Herstellung und Lieferung von maximal 148 hochgelände- und luftlandefähigen ungeschützten, 4-sitzigen Einsatzfahrzeugen LL-UTV nebst Einbausatz zur Aufnahme eines beigestellten Wirkmittelwerfer sowie weiterer Bordausrüstung, Sonderwerkzeugsätzen, Ersatzteilerstbedarf und Dokumentation für jedes Fahrzeug. Die Mindestabnahme im 1. Los beträgt 65 Fahrzeuge, die restlichen sind eine Option. Beim Wirkmittelwerfer handelt es sich um das System Rheinmetall Defence ROSY.

Teil des Vertrages ist auch die Ausbildung von Personal auf Nutzerseite im Bereich Bedienung und Instandsetzung. Interessenbekundungen sind bis zum 19. November einzureichen.

Der Anbieter muss unter anderem nachweisen, dass er mindestens 40 UTVs pro Jahr herstellen kann und einen „Nachweis über die Lieferung von mindestens einem vergleichbaren Fahrzeug an Polizeikräfte oder Armeen innerhalb der letzten 5 Jahre“ erbringen.

Das Fahrzeug

Die Ausschreibung gibt weiterhin vor, dass der Bewerber Vertragshändler oder Vertragswerkstatt oder in einer anderen Form durch die Polaris Defence Inc. zertifiziert ist. Dies lässt nur den Schluss zu, dass es sich bei der Ausschreibung – auch wenn dies so direkt nicht in den öffentlichen Unterlagen steht – um einen Polaris MRZR-D4 handelt. Wobei das D für Diesel steht.

Polaris MRZR-D4 (Video: Polaris)

Der Polaris MRZR-D4 verfügt über einen 4-Takt-SOHC-Dreizylinder-Turbodiesel mit 933 cc Hubraum und ca. 60 PS, wahlweise mit Zwei- oder Vierradantrieb (zuschaltbar). Die Maße betragen (L/B/H) 355 x 151 x 187 cm. Wobei der Überrollbügel klappbar ist und die Höhe so weiter reduziert werden kann. Das Fahrzeug hat ein Leergewicht von ca. 952,54 kg und kann je nach Konfiguration zwischen vier und sechs Soldaten aufnehmen und bietet eine Nutzlast von 680,4 kg sowie eine Anhängelast von 680 kg dynamisch. Alleine die hintere Stauraumbox (82 x 124,5 x 51,8 cm) fasst bis zu  ca. 226,8 kg.

Bereits seit 2013 hat das USSOCOM im Rahmen des Light Tactical All-Terrain Vehicle-Programmes MRZRs in Nutzung. Den Polaris MRZR gibt es wahlweise als Zwei oder Viersitzer (MRZR 2 und MRZR 4) jeweils in Benzin- oder Dieselvarianten. Laut Polaris hat die Turbodieselmotor-Variante eine bis zu 80 Prozent höhere Reichweite als die Benziner-Variante.

Die MRZR-Fahrzeugfamilie lässt sich an verschiedene Einsatzszenarien anpassen. Zur Ausstattung gehören eine hohe Ladungskapazität, elektronische Servolenkung, Seilwinden, Überrollbügel, Lufttransport-Verzurrösen, Transportboxen oder Tarnlicht. MRZRs sind bereits in über 20 Nationen im Fuhrpark – in Deutschland beispielsweise bei der GSG 9 der Bundespolizei.

Polaris MRZR als H145M Ground Support Vehicle

Auf dem 7. KSK-Symposium Rüstung – September 2019 – demonstrierte Airbus Helicopters das Polaris MRZR als H145M Ground Support Vehicle (GSV).

Bundeswehr schreibt Taktisches luftlandefähiges Utility Terrain Vehicle aus
Auf dem 7. KSK-Symposium Rüstung demonstrierten Airbus Helicopters das H145M Ground Support Vehicle auf MRZR Basis. (Foto: Jan-P. Weisswange)

Unterstützt durch das H145M Ground Support Vehicle (GSV) brachten die Techniker an der gelandeten Maschine innerhalb von weniger als 30 Minuten Halterungen und Waffenpods sowie ein Sensorsystem an. Das GSV basiert auf dem bewährten Polaris MRZR und lässt sich wahlweise mit einem Gabelstapler oder einem kleinen Lastenkran an der Fahrzeugfront ausstatten. Ebenso ist es mit einem 28V-Bodenstromaggregat ausgestattet und kann dank seiner Schleppvorrichtung und Kupplungssysteme Maschinen auf dem Flugfeld ziehen.

ROSY

Das Rheinmetall Rosy_L (Land) System ist ein 40 mm Schnell-Nebel-System. Es bietet Fahrzeugen Schutz vor unerwarteten Angriffen bei Erkundungs- oder Konvoifahrten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Nebelschutzsysteme erzeugt Rosy_L neben der spontanen, großflächigen und multispektralen Sichtlinienunterbrechung auch dynamische Nebelwände und schützt somit auch fahrende Objekte langanhaltend. Durch die IR Jamming- und Decoying Effekte können alle TV-, EO-, IR-, IIR-, LASER- und SACLOS-gelenkten Waffen wirksam geblendet werden. Rosy_L umfasst ein Grundsystem mit Bediengerät sowie ein bis vier ROSY-Werfer je Fahrzeug. Mittels eines „One-click Adapters“ lässt sich das System schnell und ohne Werkzeug am Fahrzeug montieren oder zu Verladezwecken wieder demontieren.

Funktionsprinzip Rosy (Video: Rheinmetall)

Die neue modulare Version Rosy_Mod wurde speziell für kleine Waffenstationen und leichte Fahrzeuge entwickelt. Rosy_Mod wird direkt ins Fahrzeug integriert, ohne Werfer, und ist so nur schwer zu erkennen.

André Forkert und Jan-Phillipp Weisswange