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Deutschland und die Niederlande werden die Digitalisierung ihrer Landstreitkräfte koordiniert betreiben. Ein entsprechender Vertrag wurde heute durch die Verteidigungsministerinnen beider Länder unterzeichnet. Entsprechende Vorabsprachen fanden in den vergangenen Monaten statt, fast hätte Deutschland sogar das durch die Niederlande selbst entwickelte Battle Management System für die Bundeswehr übernommen.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und ihre niederländische Kollegin Ank Bijleveld unterzeichnen eine Vereinbarung zu einer weitreichenden Zusammenarbeit im Bereich digitaler Operationsführung. (Foto: MoD Niederlande)

Für das nun gestartete gemeinsame Projekt „Tactical Edge Networking“ (TEN) hat Deutschland 12 Milliarden Euro vorgesehen, die eine Finanzierung bis 2030 – so der aktuelle Zeitplan – sicherstellen. Bis zu diesem Zeitpunkt sollen beide Landstreitkräfte zumindest digital vollständig interoperabel sein. Dies ist auch notwendig, wachsen doch die beiden Streitkräfte immer stärker zusammen. So wurde beispielsweise 2014 die niederländischen 11. Luchtmobielen Brigade in die Division Schnelle Kräfte integriert. Weiterhin gibt es wechselseitige Unterstellungen eines gemischten Panzerverbandes. Im Details ist eine Niederländische Panzerkompanie Bestandteil eines deutschen Panzerbataillons. Dieses ist wiederum Bestandteil der niederländischen 43. Mechanisierten Brigade, die durch die 1. Panzerdivision geführt wird. 2016 wurde eine Absichtserklärung zur schrittweisen Integration des Seebataillons der Deutschen Marine in die Königlich Niederländische Marine unterzeichnet. Mit der heutigen Kooperationsvereinbarung wird die Zusammenarbeit auf die nächste Stufe gehoben. In allen bisherigen Fällen war es für eine Kommunikation der Soldaten untereinander notwendig, dass eine Partei ihre Kommunikations- und Führungssysteme bzw. -geräte abgab und die Soldaten umgeschult wurden.

Zudem starteten beide Streitkräfte ihren Weg in die Digitalisierung. In den Niederlanden begann 2018 das Programm FOXTROTT, in Deutschland im selben Jahr D-LBO (Digitalisierung landbasierter Operationen), um die Armeen auf das gläserne Gefechtsfeld des digitalisierten Krieges vorzubereiten. Die Niederlande setzten dabei bisher auf Eigenentwicklungen, Deutschland auf den Einkauf von Lösungen. Beide Programme verschmelzen nun in TEN zu einem gemeinsamen bilateralen Ansatz. Der Hauptfokus von TEN wird dementsprechend anfangs auf einer gemeinsamen Funkgerätebasis liegen, damit die Kommunikation als Grundlage gemeinsamer Operationen sichergestellt ist.

Der Hauptsitz von TEN wird Koblenz. In Amersfoort wird ein Design- und Prototypenzentrum gebaut. Von hier aus soll vor Allem der praktische Impuls kommen.

Dorothee Frank