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Am 17. Oktober 2016 wurde die neue Ausbildungseinrichtung des Deutschen Heeres, das Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit (Ausb/ÜbZLbwglk) aufgestellt.

Das Motto des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit lautet „Gemeinsam – stark!“. Das bedeutet jedoch nicht nur truppengattungsübergreifendes oder gar multinationales Arbeiten – es bedeutet vor allem, dass sich Stärken ergänzen und Lasten gemeinsam getragen werden.

Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit dient in erster Priorität zur Einsatzausbildung von Verbänden und Einheiten der luftbeweglichen Kräfte des Heeres, und das in allen Intensitäten.

„Mit den Infrastrukturmöglichkeiten inklusive Flugplatz über Simulationsmöglichkeiten bis hin zu Übungsmöglichkeiten auf lokalen wie überregionalen Übungsplätzen in der Zielstruktur verfügt das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit über ein europaweites Alleinstellungsmerkmal und bietet sich damit auch als geeigneter Nukleus eines multinationalen Aufwuchses an.“ erläutert der Kommandeur des Zentrums, Oberst Jörn Rohmann.

Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit ist die zentrale Ausbildungseinrichtung des deutschen Heeres für alle Aspekte luftbeweglicher Operationen. (Alle Fotos und Grafiken: Ausb/ÜbZLbwglk)

Hauptbedarfsträger für die Ausbildung im Spektrum luftbeweglicher Operationen ist die Division Schnelle Kräfte (DSK) einschließlich der niederländischen 11. Luchtmobilen Brigade (11. LMB) und das Kommando Spezialkräfte (KSK). Dazu kommen Kräfte der Luftwaffe und der Marine sowie zu Mitwirkung oder Unterstützung von luftbeweglichen Operationen befähigte niederländische Kräfte aus dem multinationalen Verbund, das internationale Hubschrauberausbildungszentrum, Führungselemente aus dem Verbund STF und weitere Infanteriekräfte des Heeres.

Weitere Bedarfsträger sind die Panzergrenadiertruppe, die Pioniertruppe, die Artillerietruppe und die Heeresaufklärungstruppe sowie Unterstützungskräfte der SKB im Rahmen Militärischer Evakuierungsoperationen (MilEvakOp). Die hier zu betrachtenden Kräfte sind beispielsweise luftbewegliche Kräfte der Führungs-, Einsatz- und Kampfunterstützung des Heeres, Stäbe zur Führung luftbeweglicher Operationen oder Kräfte zur Führung von Unmanned Aircraft Systems (UAS) sowie Luftlandefähige Komponenten für den Elektronischen Kampf zur Nahunterstützung im Einsatz. Dazu kommen luftbewegliche Kräfte des Zentralen Sanitätsdienstes und der SKB zur Führungs- und Einsatzunterstützung sowie weitere Kräfte aller Organisationsbereiche sowie gegebenenfalls Kräfte und Mittel anderer Streitkräfte im multinationalen Verbund, die zu Mitwirkung oder Unterstützung von luftbeweglichen Operationen befähigt sind.

Der Auftrag des Ausbildungs- und Übungszentrums Luftbeweglichkeit umfasst:

  • Unterstützung der luftbeweglichen Kräfte: bei der Truppenausbildung und der Führeraus- und -weiterbildung zum Erreichen oder Erhalt der Einsatzfähigkeit, ergänzend auch zum Erreichen oder Erhalt der Einsatzbereitschaft im Rahmen der Ausbildung von Gefechtsstandpersonal. Außerdem bei der Zertifizierung der Anteile NRF/EU BG sowie im Rahmen der taktischen Ausbildung der Offiziere luftbewegliche Kräfte.
  • Beratung der Kampf- bzw. Kampfunterstützungstruppe bei der Ausbildung zur Förderung der Zusammenarbeit im Rahmen der Luftbeweglichkeit und hinsichtlich der Unterstützung durch Hubschrauberkräfte
  • Unterstützung der Hubschrauberverbände der Bundeswehr in der fliegerischen Weiterbildung, in der Schießausbildung Kampfhubschrauber TIGER sowie bei der Ausbildung von BordSichSold TaktOp, Close Combat Attack (CCA) und Close Air Support (CAS) (dabei nimmt das Ausb/ÜbZLbwglk die Rolle eines „Schießausbildungszentrums“ wahr)
  • Unterstützung des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums in der fliegerischen Aus- und Weiterbildung, der lehrgangsgebundenen Ausbildung von Führungspersonal und bei der Ausbildung BordSichSold TaktOp.

„Das Ausbildungs- und Übungskonzept in Celle basiert auf der Kombination der Ausbildungsfelder Simulation, Führungs-/Gefechtsstandübungen, praktisches Handlungstraining und Gefechtsübung im Gelände. Diese können sowohl einzeln als auch aufeinander aufbauend genutzt werden, je nach Ausbildungsziel und Ausbildungsstand der übenden Truppe.“ unterstreicht Oberst Rohmann.

Verbände und Einheiten der luftbeweglichen Kräfte des Heeres können in Celle anspruchsvolle Verfahren üben, für die es in den Heimatverbänden oftmals keine Infrastruktur gibt. Die wenigen verfügbaren Hubschrauber haben nur eine begrenzte Menge an Flugstunden, die nicht zuletzt auch für die Ausbildung der Piloten gebraucht werden. Das Ausbildungs- und Übungszentrum bündelt solche Interessen – Flughafen, Übungsgelände und Infrastruktur sind schon vor Ort. Dieses Zusammenwirken sorgt dafür, dass knappe Ressourcen besser genutzt werden und Kohäsion verstärkt wird. Piloten, Luftfahrzeugbesatzungen und Infanterie können so ein realistisches gegenseitiges Verständnis für Abläufe und Verfahren entwickeln. Über diese Synergien hinaus verspricht dieses Konzept außerdem Zeitersparnis, Entlastung der Truppe und Kosteneffizienz.

Das Ausbildungs- und Übungszentrum verfügt derzeit über rund 150 militärische Dienstposten – nicht nur für Fallschirmjäger und Heeresflieger. Auch die Expertise von Luftwaffe sowie von Pionier-, Artillerie- und Fernmeldekräften und Sanitätern findet sich wieder.

Gliederung

Das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit gliedert sich in Führung, Stab, Flugsicherheit, Fliegerarzt, Bereich Simulation- und Gefechtsstandbetrieb, Leitungsdienst und Flugbetriebsstaffel.

An der Spitze des Zentrums steht der Kommandeur Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit und Standortältester Celle.

Der Bereich Flugsicherheit überwacht die Einhaltung sämtlicher flugsicherheitsrelevanter Einflussfaktoren beim Flugbetrieb im Rahmen von Übungen und Ausbildung und überwacht die Einhaltung der gesetzlichen und dienstlichen Vorgaben zum Umweltschutz am Standort.

Der Fliegerarzt ist beratender Sanitätsoffizier in allen Belangen in der Praxis und Ausbildung und führt den fliegerärztlichen Dienst am Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit.

Kernauftrag des Bereichs „Simulation und Gefechtsstandbetrieb“ ist die zuverlässige, planbare, zeitsparende und zugleich wirtschaftliche Durchführung einer simulationsgestützten, ebenen-gerechten und realitätsnahen Ausbildung für Führer-, Fach- und Funktionspersonal.

Für luftbewegliche Operationen wird Verfahrenstraining mittels virtueller taktischer Simulation bis auf Höhe einer verstärkten Kompanie durchgeführt.

Im Schwerpunkt der virtuellen Simulation steht die Ausbildung und Anwendung von Verfahren zum Einsatz luftbeweglicher Kräfte in allen Einsatzszenaren. Spezifische Einsatzszenare werden im Vorfeld in enger Absprache mit der Übungstruppe erarbeitet sowie Standardszenare für den Bereich Heeresflugplatz Celle und Standortübungspatz vorgehalten; auch weitere Simulationsstandorte der Bundeswehr können im Bedarfsfall integriert und genutzt werden.

Der Teilbereich Gefechtsstandbetrieb ist mit einer simulierten Gefechtsstandumgebung unter Verwendung von FüInfoSysH FüWES/HERGIS in das Simulationssystem eingebunden.

Der Leitungsdienst unterstützt im Schwerpunkt Verbände des Heeres in der Anlage, Durchführung, Auswertung und Nachbereitung von Ausbildungen und Übungen unter Leitung der jeweiligen Einheits- oder Verbandsführer.

Übungsabschnitte werden durch Medienteams begleitet, ausgewertet, dokumentiert und dem jeweiligen Leiter der Ausbildung und Übung für seine Auswertung zur Verfügung gestellt.

Ausbildungs- und Übungsmöglichkeiten in räumlicher Nähe

Die sogenannten VDN-Teams – VDN steht für Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung -beraten und unterstützen aktiv in allen Phasen der Ausbildung und Übung, insbesondere durch das Erstellen von Rahmenlagen, Ausbildungsunterlagen, die Einweisung von Ausbildungspersonal und Anforderung von Ausbildungsressourcen.

Mit der Flugeinsatzzentrale steht dem Verantwortlichen für den Flugbetrieb, der gleichzeitig der Leiter des Leitungsdienstes ist, eine zentrale Stelle zur Koordinierung aller flugbetrieblichen Abläufe zur Verfügung.

Flugverkehrskontrolloffiziere (Fluglotsen) auf dem Tower und in der Radaranflugkontrollstelle sorgen für die sichere und verzögerungsfreie Abwicklung des Flugbetriebes

Die Flugbetriebsstaffel stellt alle erforderlichen Dienste für die sichere, zügige und geordnete Abwicklung des Flugdienstes für alle Nutzer des Flugplatzes Celle bereit: die Flugsicherung ist hauptsächlich in der Platzkontrollstelle, dem „Tower“ des Fliegerhorstes, anzutreffen. In der Flugberatung laufen sämtliche Daten und Informationen über genutzte Lufträume, gesperrte Lufträume, Schießvorhaben usw. zusammen; die resultierenden Flugpläne werden an alle betroffenen Flugsicherungsstellen im In- und Ausland übermittelt.

Die Beratungsstelle des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr führt als Teileinheit der Flugbetriebsstaffel die Flugwetterberatung und Wetterbeobachtung sowie für den Wetterwarndienst am Heeresflugplatz Celle durch.

Um die Einsatzbereitschaft aller dafür notwendigen Systeme zu gewährleisten, sorgen die Angehörigen des BtrbTDst FS-Elo Radar Funk durch ständige Wartung und gegebenenfalls auch Reparatur des Flugsicherungsfunks und –Radaranlagen dafür, dass am Heeresflugplatz Celle alle Anforderungen zivilen wie auch militärischen Anforderungen ans einen Verkehrsflughafen erfüllt werden.

Kampfhubschrauber sind regelmäßige Nutzer: Ohne zuverlässigen Flugbetrieb geht es nicht.

Ergänzt wird der Flugsicherungszug durch die Flugbetriebsunterstützungsgruppe, welche, neben dem Erhalt der Flugplatzinfrastruktur, im Schwerpunkt als Dienstleister für übende Verbände diverse Fähigkeiten bei der Betreuung des Flugfeldes sowie der Abfertigung von Gastluftfahrzeugen abbildet.

Ausbildungseinrichtung mit eigenem Flughafen

Nicht „nur“ Helikopter: auf dem Flugplatz Celle war auch schon der A400M zu Gast

Die Infrastruktur des Flugplatzes Celle deckt fast alle Arten des Flugverkehrs ab. Die asphaltierte Start- und Landebahn von fast zwei Kilometern Länge ist uneingeschränkt für Sicht- und Instrumentenflugregeln zugelassen und geeignet für Transportluftfahrzeuge bis zu einer mittleren Größe, wie zum Beispiel den A400M oder die C-130J Hercules.

Im Ausnahmefall wäre sogar die Nutzung durch Kampfflugzeuge wie Eurofighter oder Tornado möglich. Der Flugplatz verfügt über verschiedene Navigationseinrichtungen, unter anderem für Präzisionsanflüge, sechs Graslandestreifen sowie diverse Punktlandeflächen.

Ein Schulungs- und Ausbildungsgerät (SAG) C-160 Transall sowie Waffenträger Wiesel gehören zum Bestand

Celle verfügt über fünf Luftfahrzeughallen, die zusammengenommen ca. 10.200 m² Stell- und Unterbringungsfläche für LFZ bieten, aber auch für Ausbildungs- und Übungsvorhaben genutzt werden.

Das Ausbildungs- und Übungszentrum verfügt über bis zu 200 eigene Unterkunftsplätze für die übende Truppe – geplant sind über 400 feste Unterbringungsplätze. Zusätzlich stehen dem Ausbildungs- und Übungszentrum innerhalb der Kaserne zusammengenommen über 23.000m² Ausbildungsfläche zur Verfügung; diese sind für Ausbildungsvorhaben und als Biwakraum nutzbar.

Mit dem Standortübungsplatz Scheuen stehen Ausbildungsflächen für luftbewegliche Kräfte in unmittelbarer Nähe (5 min Flugzeit) zur Verfügung. Der Ausbau des Standortübungsplatzes als raumnahe Absetzzone für Fallschirmsprungeinsatz wurde Mitte 2017 abgeschlossen.

Die Umlaufzeit (Start bis Landung) für eine C-160 mit 60 Fallschirmspringern beträgt ca. 30 Minuten. „Time over Target (ToT)“ ist ca. 5 Minuten nach dem Start. Die Ausmaße des Platzes erlauben ein Absetzen von 18 Springern pro Anflug und Tür. Mit insgesamt zwei Anflügen können somit zwei Fallschirmjägerzüge innerhalb von 15-20 Minuten nach Start vom Flugplatz mit einer Maschine im automatischen Fallschirmsprungeinsatz verbracht werden.

Ausrichtung auf Multinationalität

Bereits 2018 war die Unterstützung von Großübungen der DSK, beispielsweise im Rahmen der Übung „Schneller Adler 2018“ möglich. Mit dem Jahr 2019 wird die Übungsreihe „GRIFFIN“ ein fester Bestandteil des Übungsspektrums im Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit. Mit der Einbindung des Ausbildungszentrums in das Rahmennationskonzept „Framework Nation Concept“ (FNC) wird die multinationale Ausrichtung in der Ausbildung und Übung für luftbewegliche Kräfte am Standort Celle noch deutlich zunehmen– nicht zuletzt auch in der geplanten Defender-Großübung im Jahr 2020.

„Landes- und Bündnisverteidigung ist heutzutage nur multinational machbar und auch Europa wird sich in Zukunft stärker engagieren müssen. Hier bieten Luftbewegliche Operationen die Möglichkeit, gemeinsam mit Alliierten und Partnern auf Aggressoren und überraschende Bedrohungen zeitlich angemessen zu reagieren und den Kampf auch nach vorne zu tragen.“ unterstreicht Oberst Rohmann. Auch wenn das Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit noch zu voller Stärke aufwachsen muss, gilt bereits jetzt: „Wir werden mit unserem Personal ein Maximum für die Truppe ermöglichen.“

Autor: Hauptfeldwebel Andrea Neuer, Ausb/ÜbZLbwglk