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Podiumsdiskussion, v.l.:[ds_preview] Vizeadmiral Carsten Stawitzki, Dr. Christian Mölling, Rolf Clement (Moderator), Parlamentarischer Staatssekretär Thomas Silberhorn, Dr. Hans Christoph Atzpodien (Fotos: Behrendt)

Als Landesvorsitzender des Arbeitskreises Außen- und Sicherheitspolitik der CSU konnte Florian Hahn, MdB, am 16. November 2018 mehr als 240 Gäste aus dem Bundestag, der bayerischen Politik, der Bundeswehr und der Industrie zum 9. Wehrtechnischen Kongress der CSU bei der Firma Krauss-Maffei Wegmann begrüßen, zu einer Veranstaltung, die in besonderer Weise die CSU „als Partei der Bundeswehr“ ausweist und ihre Verbundenheit zur bayerischen Wehrindustrie untermauert. In den einleitenden Grußworten wurde dies gleichfalls betont, wobei der Parlamentarische Staatssekretär im BMVG, Thomas Silberhorn, die jüngste Diskussion über die Vision einer gesamteuropäischen Armee ansprach, wie sie von Präsident Macron initiiert und von Bundeskanzlerin Merkel aufgegriffen worden ist. Damit war ein beherrschendes Thema vorgegeben, einmal für den Vortrag des Abteilungsleiters Ausrüstung im BMVg, Vizeadmiral Carsten Stawitzki, der sowohl die PESCO-Initiative, Vereinbarungen zum Forschungsprogramm IT und den Möglichkeiten eines europäischen Verteidigungsfonds darstellte als auch europäische Projekte und Kooperationserfahrungen skizzierte. Die Tatsache, dass allein national die Wehrindustrie nicht ausgelastet werden kann, begründet die Notwendigkeit für ein politisches Handeln, Exportmöglichkeiten verlässlich zu formulieren und zu ermöglichen. Die Diskussion, moderiert vom Chefredakteur der ES&T, Rolf Clement, zeigte mehrere Ansätze der Skepsis: Da ist einerseits bisher die Frage nach der Rolle und dem Charakter einer europäischen Armee nicht hinreichend definiert und die Diskussion zu sehr auf Ausrüstungsfragen beschränkt, andererseits bilden nationale Vorbehalte, versteckte Eigeninteressen und unterschiedliche Grundauffassungen starke Hemmnisse, eine europäische Sicherheitsgemeinschaft als Grundlage einer gemeinsamen Armee zu bilden. Möglicherweise kann nach Einschätzung von Staatssekretär Silberhorn der Aufbau einer europäischen Interventionskapazität einen ersten Schritt darstellen.

MdB Dr. Reinhard Brandl im Gespräch mit Oberstleutnant André Wüstner

Auch bei früheren wehrtechnischen Kongressen seit 2015 stand das Thema Digitalisierung im Fokus, in diesem Jahr als Prozess der Streitkräfte insgesamt und als Element der Zukunftsentwicklung der Landstreitkräfte. Generalleutnant a.D. Frank Leidenberger präsentierte als CMO der bundeseigenen BWI GmbH ihre Tätigkeitsfelder als IT-Dienstleister der Bundeswehr und des Bundes, ihre rechtlichen Rahmen und ihre Vorgehensweise als Systemintegrator beim gesamtheitlichen Realisierungsansatz der Digitalisierung der Bundeswehr bis hin zum gemeinsamen Lagezentrum, der Operationsführung sowie der Gesundheitsversorgung. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Jörg Vollmer, führte bei seinem Vortrag zur Entwicklung der Landstreitkräfte die Gedanken weiter und zeigte die operativen Kernideen und die definierten Handlungslinien auf, um die NATO-Verpflichtungen zur Bereithaltung von drei Divisionen bis 2027, voll digitalisiert bis 2032, zu erfüllen. Der Einstieg in die operative Digitalisierung zur Gefechtsfeldvernetzung soll in einem Testverband in Vorbereitung auf die VJTF 2023 noch im Dezember 2018 erfolgen.

Die anschließende Podiumsdiskussion griff ergänzende Gedanken auf, insbesondere zum Zeitdruck in der Umsetzung, der Realisierung der eingeleiteten Trendwenden und der Verbesserung der trotz erhöhter Haushaltsplanungen qualitativ und quantitativ unverändert schlechten Materiallage.

Autor: Hans-Günter Behrendt

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