Der Schutz öffentlicher Räume vor Anschlägen mit Fahrzeugen oder Sprengsätzen gehört zu den großen Herausforderungen für Städte und Kommunen. Nach Ereignissen wie dem Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz 2016 oder der Amokfahrt in Trier 2020 rückt die Frage in den Fokus, wie sich gefährdete Bereiche wirksam sichern lassen, ohne das Stadtbild dauerhaft zu beeinträchtigen.
Professor Norbert Gebbeken vom Institut für Mechanik und Statik der Universität der Bundeswehr München plädiert deshalb für neue Ansätze im baulichen Bevölkerungsschutz. Statt Innenstädte mit Pollern auszustatten, sollten Schutzmaßnahmen möglichst unauffällig in die Stadtgestaltung integriert werden. Stadtmöbel, Grünanlagen oder landschaftsarchitektonische Elemente könnten gleichzeitig Sicherheitsfunktionen übernehmen und die Aufenthaltsqualität verbessern. Der Wissenschaftler spricht von Sicherheit nach dem Prinzip „grün statt grau“.
Forschungsprojekt UrbaSiM entwickelt neue Schutzkonzepte
Mit diesem Ansatz beschäftigt sich das Forschungsprojekt UrbaSiM – Urbane Sicherheit in München. Die Forschungsgruppe BauProtect unterstützt dabei das Kreisverwaltungsreferat der Landeshauptstadt München wissenschaftlich bei der Entwicklung baulicher Schutzmaßnahmen für öffentliche Räume.
Im Mittelpunkt stehen multifunktionale Lösungen, die sich unauffällig in das Stadtbild einfügen und dennoch wirksam vor Angriffen mit Fahrzeugen schützen. Untersucht werden unter anderem Stadtmöblierung, Grünflächen sowie wieder freigelegte Stadtbäche als mögliche Barrieren. Grundlage der Arbeiten sind Gefährdungs- und Risikoanalysen, mit deren Hilfe Schutzmaßnahmen gezielt an besonders gefährdeten Orten geplant werden.
Nach Auffassung der Forscher lassen sich auf diese Weise Sicherheitsanforderungen mit einer attraktiveren Stadtgestaltung und Maßnahmen zur Klimaanpassung verbinden. Grüne und blaue Infrastruktur könne künftig nicht nur zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen, sondern zugleich Bestandteil eines modernen und möglichst unauffälligen Bevölkerungsschutzes werden.
red






