Am 20. Mai 2026 hat das Rüstungsunternehmen Leonardo auf der Fachmesse Association of Old Crows Europe (AOC Europe) in Finnland das System Guardian Vantage vorgestellt. Es handelt sich um eine neue, landbasierte Fähigkeit für Elektronische Kampfführung (EW) und Fernmelde- und Elektronische Aufklärung (SIGINT), die darauf ausgelegt ist, gegnerische Emissionen auf dem Gefechtsfeld zu erfassen, zu identifizieren und präzise zu orten.

Kernfunktionen und Technologie

Das System überwacht das elektromagnetische Spektrum und nutzt ein fortschrittliches DRIL-Verfahren (Detect, Recognise, Identify, Locate). Es erkennt Anomalien und gleicht Signale automatisch mit einer Bedrohungsdatenbank ab. Erfasst werden unter anderem frequenzagile Funkgeräte, Radarsysteme sowie Steuerungs- und Datenlinks von unbemannten Flugsystemen (UAS).

Zusätzlich bietet das System moderne Funktionen wie die Echtzeit-Transkription von Funkverkehr und nutzt Large Language Models (LLMs), um fremde Sprachen direkt für den Bediener zu übersetzen. Die gewonnenen Daten werden in ein integriertes Führungssystem (C2) eingespeist, das ein elektronisches Lagebild (Order of Battle / ORBAT) generiert und Bedrohungen für den Kommandanten priorisiert.

Guardian Vantage integriert auf einem für elektronische Kampfführung spezialisierte Version des M1254 Stryker. (© Leonardo)

Hauptvorteile & Architektur

Das vollkommen passive Guardian Vantage sendet selbst keine Signale aus. Das minimiert das Entdeckungsrisiko für die eigenen Truppen und schützt vor gegnerischer Aufklärung.

Dank des modularen Aufbaus ist das System plattformunabhängig und kann auf Landfahrzeugen, Schiffen, in Containern oder auf Masten integriert werden. Es basiert auf einer offenen Software-Architektur (u. a. kompatibel mit den Standards UK STICS, CMOSS und GVA), was schnelle Upgrades ermöglicht.

Entwickelt in Europa und gefertigt in Großbritannien ist Guardian Vantage frei von ITAR-Beschränkungen und ist schnell exportierbar. Es basiert auf 60 Jahren EW-Erfahrung von Leonardo und nutzt Komponenten der britischen Luftfahrtspezialisten CommsAudit, Esroe und Mercury.

Gerhard Heiming