Russlands Krieg gegen die Ukraine zeigt: Tiefenangriffe mit Artillerie, Drohnen und Raketen prägen die Hochintensität. Für eine glaubwürdige Abschreckung muss NATO-Europa Long-Range Fires und Deep Precision Strike rasch aufbauen und Fähigkeitslücken auch ohne US-Potenzial schließen.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die sicherheitspolitischen Grundannahmen Europas deutlich verändert. Das heutige Russland versucht gezielt, demokratische Gesellschaften zu destabilisieren, EU und NATO zu schwächen und verfolgt international eine gegen Völker- und Menschenrechte gerichtete Interessenpolitik, verbunden mit revisionistischen Vorstellungen der Wiederherstellung ehemaliger geografischer Einflusssphären.

Unabhängig davon, wie der Krieg in der Ukraine enden wird, bleibt Russland eine Bedrohung, weil ein Erfolg Russland ermutigen oder ein Misserfolg es frustrieren wird. Die militärische Ausprägung dieser Bedrohung zeigt der Krieg in der Ukraine: Hochintensive konventionelle Gefechte mit massiven Artillerieeinsätzen sowie präzise Drohnen- und Raketenangriffe in der Tiefe des gegnerischen Raumes und die Bekämpfung kritischer Infrastruktur sind seine charakteristischen Merkmale.

US-Soldaten feuern Raketen von einem HIMARS-System. HIMARS bietet Präzisionsfeuerkraft mit großer Reichweite (LRF) für Kampfeinsätze und ist wichtig für die Verstärkung der Ostflanke der NATO.
Foto: US Army / Staff Sgt. Rose Di Trolio

LRF und DPS: Begriff und Zweck

Vor diesem Hintergrund werden Fähigkeiten zur wirksamen Bekämpfung von Zielen in großer Entfernung und in der Tiefe des gegnerischen Raumes – Long-Range Fires (LRF, weitreichendes Feuer) und Deep Precision Strike (DPS, tiefe Präzisionsschläge) – zu einer wesentlichen Voraussetzung wirksamer Landes- und Bündnisverteidigung und sind zugleich unverzichtbar für eine glaubwürdige Abschreckung.