Am Donnerstag kam es über dem westlichen Irak zu einem schweren Zwischenfall, bei dem die US-Streitkräfte den Totalverlust eines Tankflugzeugs vom Typ Boeing KC-135 Stratotanker verzeichneten. Das zuständige U.S. Central Command (CENTCOM) bestätigte den Tod aller sechs Besatzungsmitglieder.

Auswertungen des Aviation Safety Network sowie Aussagen von US-Offiziellen zufolge resultierte der Absturz aus einer Luftkollision (Mid-Air Collision) mit einer weiteren KC-135R (Kennung 63-8017). Während die erste Maschine in der Folge abstürzte, verlor das zweite Flugzeug den oberen Teil seines Seitenleitwerks, blieb jedoch flugfähig und konnte auf dem Ben Gurion International Airport in Israel notlanden.

Die KC-135 Stratotanker ist technisch befähigt eine große Bandbreite an Luftplattformen zu betanken; darunter auch der B-2A Spirit Bomber. (Bild: DVIDS)

Sowohl CENTCOM als auch General Dan Caine schlossen eine Fremdeinwirkung durch Feindbeschuss sowie Eigenbeschuss (Friendly Fire) als Absturzursache aus. Das Militär wies damit auch Erklärungen der vom Iran unterstützten Miliz „Islamischer Widerstand im Irak“ zurück, die einen Abschuss durch eigene Raketen für sich reklamiert hatte. Mit diesem Vorfall steigt die offizielle Zahl der gefallenen US-Soldaten in dem am 28. Februar begonnenen Krieg gegen den Iran auf 13.

Technische Spezifikationen: Das Rückgrat der fliegenden Logistik

Die KC-135 Stratotanker ist ein vierstrahliger Tiefdecker und steht trotz ihres Erstfluges vor über 60 Jahren nach wie vor im Zentrum der strategischen Luftbetankung. Die folgenden technischen Parameter beziehen sich auf die heute überwiegend genutzten R-Version, die nun über dem Irak kollidierte:

Antrieb und Flugleistungen: Die KC-135R wird von vier leistungsstarken F108-Turbofan-Triebwerken (militärische Bezeichnung des CFM56-2) angetrieben. Diese liefern mit 98,5 kN eine signifikant höhere Schubkraft als die ursprünglichen J57-Triebwerke und machen die ehemals komplexe Wassereinspritzung zur Startunterstützung obsolet.

Treibstoffkapazität und Management: Das System verfügt über zehn in Rumpf und Tragflächen integrierte Treibstofftanks. Insgesamt kann das Flugzeug maximal 118.470 Liter Kerosin aufnehmen. Der Kraftstoff kann im Flug zwischen allen Tanks umgepumpt werden, um den Schwerpunkt der Maschine zu regulieren.

Übergabesysteme: Die Luftbetankung erfolgt primär über den starren „Flying Boom“ am Heck. Ein Bediener (Boom Operator) steuert das teleskopartige Rohr hydraulisch in den Tankstutzen des Empfängers. Die Transferraten liegen hier bei bis zu 3.400 Litern pro Minute für große Systeme wie Transporter oder Bomber.

Interoperabilität: Modernisierte Versionen verfügen optional über das Multipoint Refueling System (MPRS) an den Tragflächenenden. Über diese Schlauch- und Trichter-Systeme (Probe-and-Drogue) können auch Flugzeuge der US Navy, des Marine Corps sowie verbündeter NATO-Partner versorgt werden.

Eine F-15E Strike Eagle wird von einem KC-135 bei einer Übung im CENTCOM Gebiet über den „Flying Boom“ betankt. (Bild: DVIDS)

Die operative Rolle der KC-135 im Iran-Konflikt

Im Rahmen der „Operation Epic Fury“ nimmt die KC-135 eine systemkritische Rolle ein. Luftbetankung ist der zentrale Enabler (Befähiger) für tiefgreifende offensive Gegenluftoperationen und Luftangriffe. Kampfjets wie die F-15E, die aktuell die Hauptlast der Schläge gegen iranische Stellungen tragen, sind für lange Anflugwege und eine hohe Verweildauer (Loiter Time) im Zielgebiet zwingend auf die fliegenden Tankstellen angewiesen.

Um das Risiko für die strategisch wichtigen Tankerflotten zu minimieren, operieren diese Großflugzeuge in der Regel tief gestaffelt in gesicherten Lufträumen abseits der vordersten Kampflinien. Dennoch zeigt der aktuelle Unfall, dass die schiere Dichte an Kampfflugzeugen, Tankern und Aufklärungssystemen im irakisch-syrischen Luftraum zu einer immensen Koordinationsbelastung führt.

Der Totalverlust der KC-135 ist bereits der vierte öffentlich bestätigte Flugzeugverlust der US-Streitkräfte in den ersten zwei Wochen des Krieges, erst kürzlich gingen drei F-15-Kampfflugzeuge über Kuwait durch Eigenbeschuss verloren.

Jannis Düngemann