Vor einem Jahr hat die Bundeswehr nach zwanzig Jahren Nutzungsdauer die Überholung und Maßnahmen zum Fähigkeitserhalt für die Modulare Abstandswaffe Taurus in Auftrag gegeben. Ziel ist der Fähigkeitserhalt bis in die 2040er Jahre. Jetzt hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages die Serienvorbereitung für den leistungsgesteigerten Nachfolger Taurus Neo gebilligt.

Die vollständige Bezeichnung der MAW lautet Taurus KEPD 350. Die Akronyme bedeuten: Target Adaptive Unitary and Dispenser Robotic Ubiquity System Kinetic Energy Penetrator and Destroyer. “350” soll eine interne Projektnummer sein, und nicht die Reichweite andeuten.

Am 18. Dezember 2025 hat das BAAINBw die Taurus Systems GmbH (TSG), ein Joint Venture von MBDA und Saab mit der Vorbereitung einer Serienfertigungslinie für die Produktion eines leistungsgesteigerten Taurus Neo-Stand-off-Lenkwaffensystems beauftragt, hat MBDA Deutschland mitgeteilt. Vor diesem Hintergrund plant MBDA die Produktion großer Stückzahlen in Deutschland. 

Die MAW Taurus KEPD 350 ist in der Bundeswehr nur für das Kampfflugzeug Tornado zugelassen. Die Integration in den Eurofighter läuft. (Foto: MBDA)

Fähigkeitssteigerungen für Taurus Neo

Nach vorliegenden Informationen gehören zu den Fähigkeitssteigerungen die Erhöhung der Reichweite und Verbesserungen der Störfestigkeit, der Suchkopfleistungen und der Navigation. Zur Vorbereitung der Serienproduktion ab 2029 soll die Fertigungslinie qualifiziert und Langläuferteile beschafft werden.

Nach Bewertung von MBDA stärkt mit der Beschaffung von Taurus Neo ihre Fähigkeit zu Operationen in der Tiefe. Diese Rakete ermögliche es der deutschen Luftwaffe, feindliche Luftabwehrsysteme aus sicherer Entfernung zu überwinden und so die Risiken für Piloten und Plattformen zu minimieren. Mit einer Reichweite von über 500 Kilometern und höchsten Präzisionsstandards leiste Taurus einen wichtigen Beitrag zur Abschreckung sowie zur nationalen und alliierten Verteidigung.

„Mit Taurus Neo baut Deutschland gezielt seine hochmodernen Deep-Strike-Fähigkeiten aus und leistet damit einen entscheidenden Beitrag zur Abschreckungsfähigkeit Europas und der NATO. Damit stellt MBDA seine einzigartige Expertise in Europa unter Beweis und bietet ein umfassendes Portfolio an souveränen Tiefschlaglösungen, die vom Boden, aus der Luft, von der Oberfläche und unter der Oberfläche gestartet werden können“, erklärte Thomas Gottschild, Executive Group Director Strategy bei MBDA.

Verdoppelung der Produktionsrate

MBDA hat bereits mit der Entwicklung der neuen Technologien im Rahmen des im Dezember 2024 erhaltenen TAURUS-Wartungs- und Modernisierungsvertrags begonnen. Dies verbessert die frühestmögliche Verfügbarkeit der ersten Systeme. Darüber hinaus sieht der neue Vertrag die Weiterentwicklung neuer und fortschrittlicher Fähigkeiten sowie die Erweiterung der Produktionskapazitäten für die modulare Stand-off-Waffe TAURUS vor.

Zwischen 2023 und 2025 wird MBDA die Produktion neuer Raketen für die gesamte Gruppe verdoppeln und zwischen 2025 und 2029 weitere 2,4 Milliarden Euro investieren, um den Produktionsanstieg in den kommenden Jahren sicherzustellen.

Internationale Beteiligung

Der oben genannte Vertrag ist betrifft zunächst nur den deutschen Bedarf. Die Taurus-Nutzer Spanien und Schweden beabsichtigen ebenfalls eine Leistungssteigerung ihre Waffensysteme. Im Vertrag ist vorgesehen, dass die Nationen als Auftraggeber in der Vertrag eintreten können. Schweden ist mit Saab Dynamics auf der Auftragnehmerseite schon am Vertrag beteiligt.

gwh