Der US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford (CVN-78) ist nach wochenlangem Transit im Operationsgebiet des U.S. Southern Command (SOUTHCOM) angekommen. Die Verlegung des größten Kriegsschiffs der Welt in die Karibik ist der vorläufige Höhepunkt wochenlanger US-Militäroperationen in der Region, die auf eine Eskalation der bisherigen Offensivaktionen hindeuten. Venezuela hat nun mit einer umfassenden Mobilisierung seiner Streitkräfte reagiert.

US-Mission trifft auf venezolanische Mobilmachung

Das Süd-Kommando der US-Streitkräfte bestätigte am 11. November die Ankunft des Trägerverbandes, der neben der USS Gerald R. Ford auch drei Zerstörer sowie eine Trägerfluggruppe von bis zu 90 Kampfflugzeugen und Hubschraubern umfasst. Der 337 Meter lange und von zwei Atomreaktoren angetriebene Träger hat eine Besatzung von über 4.000 Soldaten. Mit den bereits seit Wochen verweilenden Verbänden handelt es sich aktuell um die größte US-Marinepräsenz in der Karibik seit der Operation „Uphold Democracy“ in Haiti im Jahr 1994.

Die Regierung in Caracas reagierte daher prompt auf die Ankunft des US-Verbandes. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López ordnete die sofortige Mobilisierung aller Teilstreitkräfte an. Im Rahmen des im September ausgerufenen „Plan Independencia 200“ (Plan Unabhängigkeit 200) wurde eine zweitägige Großübung mit rund 200.000 Soldaten und Milizangehörigen durchgeführt. Padrino warf den USA einen „vulgären Einsatz gegen die Souveränität und den Frieden“ der Region vor. Staatschef Nicolás Maduro hatte die US-Operationen bereits zuvor als illegale „Hinrichtungen“ bezeichnet.

Offizielles Ziel der US-Mission ist laut Pentagon zwar die Bekämpfung „transnationaler krimineller Organisationen“ und des „Narkoterrorismus“. Die Trägerkampfgruppe rund um die Gerald R. Ford stellt mit ihrer Ankunft jedoch eine Fähigkeitserweiterung dar, die dem US-Militär die von Trump angekündigten „Schläge auf venezolanischem Boden“ potenziell ermöglicht.

Die USS Gerald Ford am vierten November beim Transit in der Straße von Gibraltar. (Bild: US Southcom)

Rolle der USS Gerald R. Ford bei potenziellen Operationen gegen Landziele

Denn aus militärstrategischer Sicht bietet die Verlegung der Trägerkampfgruppe (CSG) um die USS Gerald R. Ford signifikante Vorteile für die Fähigkeit zur Machtprojektion und für kinetische Operationen gegen Landziele. Die CSG fungiert als exterritoriale, mobile Operationsbasis, wodurch die Notwendigkeit landgestützter Infrastruktur oder diplomatischer Freigaben für Überflüge entfällt. Die Luftkomponente des Trägers mit bis zu 90 Luftfahrzeugen ermöglicht eine massive Ballung von Kampfkraft. Die Positionierung im Litoral erlaubt zudem eine hohe Einsatzrate für Luftangriffe und offensive Gegenluftoperationen, einschließlich der Bekämpfung der venezolanischen integrierten Luftverteidigung. Zusätzlich verfügen die Eskortschiffe des Verbandes, wie die Zerstörer, über seegestützte Marschflugkörper (SLCMs), die das Fähigkeitsspektrum um Tiefenwirkung erweitern und die Flugzeiten zu potenziellen Zielen minimieren.

Regionale Partner im Umgang mit den USA gespalten

Die Zuspitzung der Lage führt zu unterschiedlichen Reaktionen bei den regionalen Partnern der USA. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro teilte mit, sein Land habe den Austausch von Geheimdienstinformationen mit Washington ausgesetzt. Diese Maßnahme gelte, solange die US-Angriffe andauerten; der Kampf gegen Drogen müsse den Menschenrechten untergeordnet werden. Auch Frankreich verurteilte die Angriffe auf mutmaßliche Drogenboote.

Die britische Regierung unter Keir Starmer lehnte einen Kommentar zu US-Medienberichten ab, wonach London das Teilen von Geheimdienstinformationen über die Boote gestoppt habe, um eine Verwicklung in die umstrittenen Angriffe zu vermeiden.

Übungen eines AV-8B Harrier Jets von der USS Iwo Jima aus, die ebenfalls in der Karibik stationiert ist (Bild: X Southcom)

Völkerrechtliche Bedenken und Hintergrund der Krise

Die Verlegung der USS Gerald R. Ford folgt auf wochenlange, verschärfte US-Operationen. Seit Anfang September hat das US-Militär Angriffe auf mutmaßliche Drogenschmuggler-Boote in der Karibik und im Pazifik durchgeführt. Nach Angaben aus Washington wurden bei 19 Angriffen mindestens 76 Menschen getötet. Die US-Regierung hat bisher jedoch keine Beweise vorgelegt, dass die beschossenen Boote tatsächlich Drogen transportierten.

Internationale Beobachter und Rechtsexperten betrachten die US-Angriffe als völkerrechtlich höchst problematisch. UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk rief die US-Regierung auf, ihr Vorgehen zu überprüfen, und sprach von „starken Hinweisen“ auf außergerichtliche Tötungen.

Eine US-amerikanische Trägerkampfgruppe (CSG) hat enorme Schlagkraft. Die USS Gerald Ford CSG vereint USS Bainbridge (DDG 96), die USS Mahan (DDG 72), sowie die USS Winston S. Churchill (DDG 81). (Bild: CC1.0)

Die jetzige Eskalation durch die Entsendung des Flugzeugträgers folgt auf eine Reihe von Warnungen und militärischer Vorbereitungen. US-Präsident Donald Trump hatte Ende Oktober eine Ausweitung der Operationen angedroht und erklärt, nach den Schlägen auf See sei „das Land als Nächstes dran“. Dieser Rhetorik gingen bereits „Strike Rehearsals“ von B-1B-Langstreckenbombern vor der Küste Venezuelas sowie die Verlegung der 22nd Marine Expedition Unit (MEU) mit der Iwo Jima Amphibious Ready Group in die Region voraus.

Jannis Düngemann