Nach dem jährlichen Bericht der Europäischen Verteidigungsagentur EDA erreichten die Verteidigungsausgaben der 27 EU-Staaten 2024 den Rekordwert von 343 Milliarden Euro. Das ist eine Steigerung um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die EDA führt den Anstieg vor allem auf Ausgaben für die Beschaffung von Ausrüstung und steigende Investitionen in Forschung und Entwicklung zurück. Das spiegele die Entschlossenheit der Mitgliedstaaten wider, die militärischen Fähigkeiten Europas als Reaktion auf das sich wandelnde Sicherheitsumfeld zu stärken.

Bemerkenswert sind die hohen Ausgaben für Verteidigungsinvestitionen (Beschaffungen, Forschung/Entwicklung, Technologieentwicklung) von rund 106 Milliarden Euro. Das sind mit 31 Prozent, weit mehr als der NATO-Richtwert von 20 Prozent. Das sei der höchste Wert, den EDA seit Beginn der Datenerhebung 2006 festgestellt habe.

Trotz der starken Steigerung erreichen die Verteidigungsausgaben der EU-Staaten 2024 mit 1,9 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Summe nicht das Zwei-Prozent-Ziel der NATO. Die Ausgaben liegen weit unter denen der USA.

Nach einem Tiefpunkt 2014 mit 189 Milliarden Euro sind die Verteidigungsausgaben 2024 auf 343 Milliarden Euro gestiegen. Für 2025 werden 381 Milliarden Euro erwartet. (Grafik: EDA)

Prognose für 2025

Für 2025 erwartet die EDA einen weiteren – aber nicht so starken – Anstieg der Verteidigungsausgaben auf 381 Milliarden Euro, was etwa 2,1 Prozent des BIP entspricht. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen werde damit das Zwei-Prozent-Ziel übertroffen. In der Prognose sieht die EDA den Investitionsanteil auf 130 Milliarden Euro steigen, ein Anteil von 34 Prozent an den Verteidigungsausgaben.

Die Leiterin der EDA, HRVP Kaja Kallas, sagte: „Europa gibt Rekordbeträge für Verteidigung aus, um die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten, und wir werden damit nicht aufhören.

EDA-Exekutivdirektor André Denk sagte: „Es ist ermutigend zu sehen, dass die EU-Mitgliedstaaten ihre Verteidigungsausgaben auf ein Rekordniveau anheben. Um das neue NATO-Ziel von 3,5 Prozent des BIP zu erreichen, sind noch größere Anstrengungen erforderlich, sodass insgesamt mehr als 630 Milliarden Euro pro Jahr ausgegeben werden müssen.

13 EU-Mitgliedstaaten übertrafen 2024 die von der NATO vorgegebene Zwei-Prozent-Marke, darunter erstmals Deutschland. (Grafik: EDA)

Schlussbetrachtung

Die Einzelbetrachtung der 27 Mitgliedstaaten der EU zeigt ein differenziertes Bild. Dreizehn Mitgliedstaaten übertrafen das Zwei-Prozent-Ziel, darunter erstmals auch Deutschland. Die höchsten Prozentzahlen erreichen die Länder mit Grenzen zu Belarus, Russland und der Ukraine sowie Griechenland. Spitzenreiter ist Polen mit 3,75 Prozent.

25 Länder haben 2024 ihre Verteidigungsausgaben erhöht. 16 Länder sogar um mehr als zehn Prozent.

Die beträchtliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben in den Jahren 2024 und 2025, verdeutlicht nach Einschätzung der EDA die Bemühungen der EU-Mitgliedstaaten, dem sich verschlechternden strategischen Umfeld zu begegnen, die militärischen Fähigkeiten ihrer Streitkräfte zu verbessern und ihr Engagement für die kollektive Verteidigung zu stärken.

Angesichts der EU-Verteidigungsinitiativen wie Readiness 2030, Security Action for Europe (SAFE) und European Defence Fund (EDF) sieht die EDA eine Chance für verbesserte Kooperation in der Verteidigung insbesondere bei europäischen Beschaffungen.

Der anhaltende Rückgriff auf kommerzielle Standardprodukte (COTS) und die Fragmentierung der Waffensysteme verdeutlichen den dringenden Bedarf an besser koordinierten und standardisierten Ansätzen für die Beschaffung. In den kommenden Jahren werden eine stärkere Zusammenarbeit und die Ausrichtung der nationalen Planungen auf gemeinsame Ziele auf EU-Ebene wesentlich sein, um die Basis der EU Defence Technological and Industrial Base (EDTIB) zu stärken. Dies würde größere, besser vorhersehbare Aufträge über längere Zeiträume hinweg ermöglichen, wodurch die EU-Verteidigungsindustrie in die Lage versetzt würde, Produktionslinien zu sichern und auszubauen.

Gerhard Heiming