„Jeder Franzose und jede Französin“, so Verteidigungsminister Sébastien Lecornu in einer Pressemitteilung seines Resorts vom 2. April, „soll sich als militärischer Reservist engagieren können und am Schutz der Nation partizipieren.“ Aktuell verfügen die französischen Streitkräfte insgesamt über 43 794 aktive Reservisten. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs- und Vernichtungskrieges gegen die Ukraine wird als Zielgröße bis 2035 eine Zahl von 105.000 zukünftigen Reservisten genannt. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von rund zehn Prozent. Damit käme am Ende – grob gerechnet – auf zwei aktive Soldaten ein Reservist.

Die aktiven Reservisten, so das Ministère des Armées, „repräsentieren für die nationale Sicherheit ein unentbehrliches Kettenglied“ zwischen dem militärischen und dem zivilen Bereich. Im Kontext der weltweit beobachtbaren Aufrüstung begünstige dieses Modell die Bindung zwischen der Nation und den Streitkräften.

Werbeveranstaltung der französischen Marine zur Gewinnung von Reservisten.
Foto: Marine Nationale, Charles Wassilieff

Auch Deutschland soll nachziehen

In ihrem im vergangenen Monat vorgestellten Jahresbericht 2024 stellte die Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Eva Högl fest: „Einen gewissen, wenn auch bei weitem nicht ausreichenden, Ausgleich für den Personalmangel gewährleisten seit Langem jährlich 16.000 bis 19.000 Reservistinnen und Reservisten. (…) Dennoch ist die Zahl der beorderten Reservistinnen und Reservisten derzeit noch zu niedrig. Nach dem regelmäßig zu aktualisierenden Fähigkeitsprofil der Bundeswehr sind rund 90.000 Reservistinnen und Reservisten notwendig, um auch künftig die Einsatzbereitschaft zu sichern.“

Während das Altersspektrum für Reservisten bei der Bundeswehr von 17 bis 65 Jahren reicht, umfasst dieses in Frankreich die Altersstufen von 17 bis 72 Jahren.

Dr. Gerd Portugall