Interview mit Prof. Dr. (habil.) Beatrix Palt

Expertisebildung bezeichnet den Erwerb und die Verfeinerung spezialisierter Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen in bestimmten Bereichen. Sie umfasst nicht nur den Erwerb von Wissen, sondern auch die Entwicklung von kritischem Denken, Problemlösungsfähigkeiten und die Fähigkeit, theoretisches Wissen in realen Kontexten anzuwenden. Wie Expertisebildung funktioniert und welche Erfahrungen Prof. Dr. Beatrix Palt damit bei der Bundeswehr gemacht hat, berichtet sie im Gespräch mit ES&T. Beatrix Palt ist Expertiseforscherin sowie Gründerin und Inhaberin des INP Instituts für Nachhaltiges Projektmanagement, ein Institut für wissenschaftliche Begleitforschung für Projekt-, Organisations-, Personal- und Turnaround Management.

ES&T: Wir sorgen uns um Landes- und Bündnisverteidigung, zu wenig Personal, zu wenig Zeit und zu wenig Geld und nun kommen Sie und sagen: Expertisebildung hilft.

Foto: Prof. Beatrix Palt

Palt: Ja, meine wissenschaftliche Begleitforschung zeigt seit Jahren über Branchen, Organisationsgrößen und -formen hinweg, wie durch Expertisebildung mit begrenzten Mitteln und unter Zeitdruck ganze Organisationen hoch motiviert in der Entwicklung so beschleunigt werden, dass das Undenkbare zu bewältigen gelingt: volle Auftragsbücher bei zu wenig Personal.

ES&T: Was ist Ihr Geheimnis?

Palt: Die Expertiseforschung stellt eine simple Frage: Wie entsteht Können? Sie vergleicht Experten mit Novizen und fragt: Wie ist das passiert? Hochwirksame Dinge sind relevant: Sozialisation, Biografie, persönliche Dispositionen wie Reife, Robustheit, Erfahrung und sich on-the-job durch das Projekt und mit Projekt(-teams) sowie der gesamten Organisation in einem disruptiven inkrementell-spiralförmigen Miteinander zu entwickeln.