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In den vergangenen Tagen mehrten sich Berichte über Übergriffe auf zivile und militärische Schiffe im Roten Meer. Das US Naval Institute berichtete über einen weiteren Abschuss einer Huthi-Drohne durch eine Einheit der US Navy, diesmal war die „USS Mason“ am 6. Dezember erfolgreich.

Auf die angespannte Sicherheitslage im Roten Meer eingehend, verwies die UKTMO am 5. Dezember in einem Bulletin auf mögliche Maßnahmen der zivilen Schifffahrt. Unter Verweis auf das aggressive Verhalten der jemenitischen Houthi-Miliz im Roten Meer, fordert UKTMO dazu auf vor einer Passage des westlichen Indischen Ozeans, des Somalibeckens, des Golfs von Aden, des Golfs von Oman und des Roten Meers mit dem Maritimen Sicherheitszentrum – Horn von Afrika (MSCHOA) Verbindung aufzunehmen. Im Bulletin ist darüber hinaus ein Appell des liberianischen Registers aufgenommen. Das liberianische Register fordert seinerseits alle Schiffe im Transit durch das Rote Meer auf, sich bei der UKMTO zu melden und sich beim Maritimen Sicherheitszentrum für das Horn von Afrika (MSCHOA) „gemäß den Best Management Practices (BMP) der Branche“ zu registrieren.

Weiterhin empfiehlt es „den Schiffseignern, Schiffsführern, Betreibern und Kapitänen dringend, vor der Reise weiterhin Bedrohungs- und Risikobewertungen vorzunehmen, um die neuesten Informationen zur Gefahrenabwehr im Seeverkehr […] zu berücksichtigen“. Die Erwägung, zusätzliches Sicherheitspersonal für die Durchfahrt durch das Hochrisikogebiet hinzuziehen wird freigestellt.

Hintergrund

Seit Beginn des Konflikts zwischen Israel und der Hamas am 7. Oktober wird die Handelsschifffahrt im Roten Meer zunehmend angegriffen. Neben Raketen- und Drohnenangriffen auf die zivile Schiffahrt war die Kaperung der von einer japanischen Reederei betriebenen „Galaxy Leader“ (Flaggenstaat Bahamas) am 19. November der bisher traurige Höhepunkt der Repressalien der vom Iran unterstützen Houthi-Milizen. Warnungen an die zivile Schifffahrt bestehen seit dem 16. November, damals vom International Maritime Security Construct herausgegeben.

Zuletzt führten Houthi-Milizen am 3. Dezember Raketen- und Drohnenangriffe in der Region Südliches Rotes Meer – Bab el Mandeb aus. Nach dem US Central Command wurden drei Handelsschiffe, die „Unity Explorer“ (Flaggenstaat: Bahamas), die „Number 9“ (Flaggenstaat Panama) und die „Sophie II“ (Flaggenstaat Panama) von je einer Rakete getroffen, was zu leichten Schäden führte. Ohne Trefferwirkung zu erzielen, schlug ein weiterer Flugkörper in der Nähe der „Unity Explorer“ ein. Außerdem schoss die in der Region operierende „USS Carney“, ein Zerstörer der Arleigh-Burke Klasse, drei Drohnen ab. Nach den offiziellen Verlautbarungen waren die Handlungen nicht gegen das Kriegsschiff der US Navy gerichtet.

Die Houthi-Angriffe vom vergangenen Sonntag sind eine neuerliche Eskalation. Nach US Angaben erklärte ein Houthi-Sprecher: „Die jemenitischen Streitkräfte werden weiterhin israelische Schiffe daran hindern, das Rote Meer (und den Golf von Aden) zu befahren, bis die israelische Aggression gegen unsere standhaften Brüder im Gazastreifen aufhört.“

Einer Meldung des US Blogs FDD’s Long War Journal zufolge veröffentlichten die Houthi-Milizen am 14. November eine Warnung an die Schifffahrt. Nach dem Blog erklärten die Houthis „Wir werden eure Schiffe versenken“, auf Arabisch, Englisch und Hebräisch. Eine dazugehörige Grafik zeigt ein israelisches Handelsschiff in Flammen. In der Folge kam es zu den beschriebenen Zwischenfällen.

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Eine Grafik der Huthi-Milizen zeigt ein israelisches Handelsschiff in Flammen. (Foto: Al Ansar Media Center) Anmerkung des Verfassers: Offensichtlich sind die Urheber dieses Flugblattes keine Seefahrer.

„USS Carney“ hat in den letzten Wochen mehrere von den Houthis abgefeuerte Marschflugkörper und Drohnen abgeschossen, die auf Handelsschiffe gerichtet waren. Obwohl Beamte des Verteidigungsministeriums nicht davon ausgehen, dass das US-Schiff das Ziel eines der Angriffe war, sah der Kommandant in einigen dieser Angriffe eine Bedrohung und handelte in Selbstverteidigung.

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Die USS Carney (Foto: US Navy)

United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO) ist eine Einrichtung der Royal Navy. Sie will die Verbindung zwischen dem internationalen Handelsverkehr und den regionalen Streitkräften her. UKMTO liefert zeitnahe Informationen zur Gefahrenabwehr im Seeverkehr und fungiert häufig als erste Anlaufstelle für Handelsschiffe, die in Zwischenfälle auf See verwickelt sind oder im freiwilligen Meldegebiet (VRA) unterwegs sind. Das Meldesystem basiert auf Freiwilligkeit der Schiffe und Reeder.

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Die Karte der United Kingdom Maritime Trade Operations (UKMTO) weist Teile des Roten Meeres als Hochrisikogebiet aus. (Karte UKTMO)

Das Maritime Security Centre – Horn of Africa (MSCHOA) mit Sitz in Brest verwaltet ein freiwilliges Registrierungssystem für Schiffe, eine gemeinsame Initiative von EU NAVFOR und der Industrie. Damit soll ermöglicht werden, Schiffen, die das Risikogebiet durchqueren, Informationen mitzugeben und, falls erforderlich, Verbindung mit Marineeinheiten herzustellen.

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Karte kürzlicher Zwischenfälle im Roten Meer (Karte UKTMO)

Das Liberian Registry ist das internationale Schiffsregister von Liberia und umfasst nach eigenen Angaben 5.600 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 242 Millionen Bruttoregistertonnen, was fünfzehn Prozent der globalen Hochseeflotte entspräche.

Das International Maritime Security Construct (IMSC) wurde im Juli 2019 als Reaktion auf die zunehmende Bedrohung der Freiheit der Schifffahrt in den internationalen Gewässern der Nahostregion gegründet. Operation Sentinel ist der operative Arm des Zusammenschlusses. Die derzeitigen Mitglieder des IMSC sind: Albanien, Bahrain, Estland, Jordanien, Lettland, Litauen, Rumänien, Saudi-Arabien, die Seychellen, die Vereinigten Arabischen Emirate, das Vereinigte Königreich und die Vereinigten Staaten von Amerika.

IMSC, die Task Force Sentinel, UKMTO und MSCHOA stehen in einem Informationsverband, in dem widrige Aktivitäten schnell erkannt und verbreitet werden soll.

Hans Uwe Mergener