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Mit dem Abzug der ausländischen Truppen entstand in Afghanistan zunächst ein – vielleicht nur virtuelles – Machtvakuum. Die Taliban eroberten das Land wie im Flug. Sie haben die Macht in Afghanistan übernommen. Aber sie werden nicht ohne Hilfe von außen das Land regieren können. China könnte als neue Ordnungsmacht auftreten.

Die auf den Abzug der US-Kräfte und der NATO-Unterstützungsmission „Resolute Support“ folgenden Entwicklungen haben viele Beobachter schockiert. Die Taliban-Kämpfer dehnten schon in den letzten Monaten ihre Kontrolle über ländliche Gebiete aus und rückten an die Städte heran. Anfang August eroberten sie in nur drei Tagen vier Provinzhauptstädte (Kundus, Sarandsch, Sar-i-Pul, Scheberghan). Besonders folgenschwer war das Einrücken in Kundus. Die Symbolkraft von Kundus ergibt sich daraus, dass dort die Bundeswehr bis Oktober 2013 ein Feldlager unterhalten und bis November 2020 Soldaten stationiert hat.

Die rund 300.000 Einwohner zählende Stadt Kundus gilt als Tor zu den Rohstoffvorkommen im Norden Afghanistans und zu den zentralasiatischen Nachbarländern Usbekistan und Tadschikistan. Nun folgte Schlag auf Schlag: Am 12./13. August nahmen die Taliban Herat im Westen und Kandahar im Süden ein, tags darauf fiel Kabul. Da hatten US-Geheimdienste der Hauptstadt Kabul noch rund 30 Tage bis zu einem möglichen Fall gegeben! US-Präsident Joe Biden entsandte vorübergehend mehrere tausend US-Soldaten nach Kabul, um die Evakuierung von US-Bürgern abzusichern. Andere Staaten, auch Deutschland, verfuhren ebenso.

China als neue Ordnungsmacht in Afghanistan?
Afghanistan hat im Nordosten am Wachan-Korridor eine rund 75 km lange gemeinsame Grenze mit China (Grafik: mawibo-media)

Vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse werden düstere Negativszenarien entwickelt:

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