Mit Präsentation zweier Überwasserdrohnensysteme setzt sich die neu formierte Division Naval Systems von Rheinmetall in Szene. Im Fokus steht nicht mehr das einzelne, hochkomplexe Schiff, sondern eine industriell skalierbare Architektur aus autonomen Effektoren und Sensoren.

Nur wenige Tage nach dem offiziellen Vollzug der Übernahme von Naval Vessels Lürssen (NVL) durch Rheinmetall am 1. März 2026 hat das neu geformte Marine-Powerhouse seine technologische Ambition im Kompetenzfeld autonomer Überwassersysteme vorgestellt. Auf dem Gelände von Blohm+Voss – nun eine der vier Kernwerften der Division Naval Systems – standen am 9. März 2026 in Anwesenheit des Maritimen Koordinators der Bundesregierung das autonome Missions-Craft AMC 12 sowie das K3 Scout Medium im Fokus. Kooperationspartner ist die britische Kraken Technology Group, die Lösungen von unbemannten oder optionalen bemannten Systemen anbietet. Im August 2025 gründeten die beiden Unternehmen das Joint Venture NVL Kraken.

Die K3 Scout Medium (Foto: hum)

AMC 12, ein komplexer Versuchsträger und modulare Plattform

  • Länge/Breite: ca. 12 m / 3,5 m
  • Antrieb: Zwei Hochleistungs-Dieselmotoren
  • Geschwindigkeit: Bis zu 35 Knoten
  • Einsatzdauer: Ausgelegt für mehrtägige Stehzeiten in der Seeraumüberwachung
  • Modularität: Das Deckslayout erlaubt die Aufnahme standardisierter Missions-Container (z.B. für Sonar-Arrays, Minenabwehr-Drohnen oder zur elektronischen Kampfführung)

K3 Scout Medium

  • Länge/Breite: 8,4 m / 1,93 m
  • Verdrängung: 2.500 Kilogramm
  • Antrieb: Innenbord-Dieselmotor
  • Geschwindigkeit: Bis zu 55 Knoten
  • Reichweite: 650 Seemeilen bei 25 Knoten
  • Einsatzdauer: 30 Tage
  • Nutzlast: 600 Kilogramm
  • Modularität: Auch hier erlaubt das Deckslayout die Aufnahme von austauschbaren Funktionsmodulen (z.B. für Aufklärung, zur Bekämpfung oder elektronischen Kampfführung).

Ein weiteres Element ist die dem K3 Scout Medium ähnelnde, etwas größere Tuco Pro Zero mit einer Zuladung von bis zu 2.000 Kilogramm und einer Einsatzdauer bis zu einem Jahr.

Wagner wies auf den kurzfristigen Einsatzbeginn durch die Nutzung marktverfügbarer Überwasserdrohnensysteme hin. Die Basisstufe sei innerhalb von 12 Monaten nach Vertragsabschluss realisierbar. Die Systeme sind nach den Erfordernissen des Betreibers skalierbar bis zu einer finalen Ausbaustufe, die KI-unterstützte Multi-Domain-Lagebilderstellung ermöglicht.

Tim Wagner, CEO der Division Naval Systems von Rheinmetall (Foto: hum)

K3 Scout Medium – Effizienz durch Abnutzung

Im Zentrum der Vorführung im Hamburger Hafen stand der Kraken K3 Scout Medium. Das System ist ein Paradebeispiel für die Strategie, maritime Lücken durch Masse, Wirkung und Geschwindigkeit zu schließen. Als ‚verlängerter Arm‘ bemannter Einheiten konzipiert, ermöglicht das System bei einem Grundpreis von rund 347.000 Euro einen „Low-Cost“-Ansatz und damit die Umsetzung eines Konzepts der Attritability – den Einsatz von Einheiten, deren Verlust im hochintensiven Gefecht taktisch und finanziell kalkulierbar bleibt. erreicht Geschwindigkeiten von über 50 Knoten und ist primär für die schnelle Aufklärung (ISR) und Identifizierung von Bedrohungen an kritischen Infrastrukturen konzipiert.

Die technologische Souveränität dieser Drohnen-Generation ist das Ergebnis eines eng verzahnten Kompetenz-Clusters. In einem synergetischen Ökosystem bündelt die Division Naval Systems marktführende Expertisen, die von der hochpräzisen Sensorik bis zur KI-gestützten Entscheidungsfindung reichen, zu der Anschütz und MacArtney beitragen. Die Bremer besecke bündelt alle technischen Schiffssysteme und ermöglicht den autonomen Betrieb sowie das Health-Monitoring auch in gestörten Umgebungen.

Die K3 Scout Medium (Foto: hum)

Tim Wagner: „Software-defined Maritime Power“

Für Tim Wagner, CEO der Division Naval Systems, sind vorgestellten AMC 12 und K3 Scout Medium mehr als Produkte für maritime Einsatzzwecke. Er will auf eine Zäsur in der maritimen Beschaffung hinaus. Angesichts der hybriden Bedrohungslage reiche die herkömmliche Überwachung durch bemannte Plattformen nicht mehr aus, um die weitläufige kritische Infrastruktur (KRITIS) lückenlos zu sichern oder komplexe Überwachungsaufgaben der Marine zu erfüllen. Er setzt auf industriell skalierbare, unbemannte Systeme, die durch Masse und technologische Vernetzung die nötige Präsenz in der Fläche herstellen.

Er wurde von Dr. Christoph Ploß, Maritimer Koordinator der Bundesregierung flankiert. Er führte aus, dass die Deutsche Marine und die Sicherheitsbehörden vor der Herausforderung stehen, Tausende Kilometer Infrastruktur (Pipelines, Datenkabel) in der AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) zu schützen. „Wir brauchen technologische Multiplikatoren. Autonome Systeme sind die Augen und Ohren, die wir benötigen, um eine lückenlose Überwachung unserer Hoheitsgewässer zu gewährleisten“.

Strategie zur Produktion und Skalierung:

Tim Wagner betonte, dass die Division Naval Systems die maritime Antwort auf die „Zeitenwende“ liefert, indem sie weg von der Manufaktur hin zur industriellen Serienfertigung steuert. Er unterlegte das Potenzial der neuen Division Naval Systems mit konkreten Skalierungszahlen: Während am Standort Blohm+Voss jährlich bis zu 50 unbemannte Einheiten des K3 Scout Medium produziert werden können, seien innerhalb des Werften-Verbundes von Rheinmetall bis zu 200 Einheiten pro Jahr erreichbar.

Fazit

Rheinmetalls Division Naval Systems setzt auf das Prinzip „ISR as a Service“, dabei nicht als Komplettlösung, sondern skalierbar. Und: Tim Wagner macht deutlich, dass die technologische Souveränität Deutschlands im maritimen Bereich künftig auch über die Fähigkeit definiert wird, autonome Systeme in großer Zahl und mit höchster Software-Integration bereitzustellen. Der Partner Kraken liefert dabei die schnelle Ergänzung für ein abgestuftes, lückenloses Verteidigungskonzept.

Womit sich herauskristallisiert, dass Rheinmetall mit der Division Naval Systems nicht mehr nur Schiffe liefert, sondern ein skalierbares Ökosystem. Die Kombination aus der industriellen Kapazität der ehemaligen NVL-Werften und der technologischen Tiefe Partner wie Kraken, Anschütz, besecke und MacArtney schafft eine sofort verfügbare Antwort auf die modernen Herausforderungen.

Hans Uwe Mergener