Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) hat die neue Bevölkerungsumfrage zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik vorgestellt, wie aus einer Pressemitteilung des Potsdamer Forschungszentrums hervorgeht. Über 2.000 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger ab 16 Jahren wurden im Frühjahr befragt. Die Ergebnisse zeigen: Viele Menschen in Deutschland fühlen sich bedroht, haben weniger Vertrauen in die USA, sprechen sich aber klar für eine stärkere Bundeswehr und mehr europäische Zusammenarbeit aus.

Russland als Bedrohung

Zwei Drittel der Befragten sehen Russland als Gefahr für die Sicherheit Deutschlands. Besonders groß ist die Angst vor Cyberangriffen und der Aufrüstung der russischen Armee. Das gilt über alle politischen Gruppen hinweg. Selbst Menschen, die AfD oder Linke wählen würden, empfinden Russland mehrheitlich als Bedrohung. Nur die Inflation wird noch häufiger als Risiko für die persönliche Sicherheit genannt.

Vertrauen in die USA schwindet

Deutlich verändert hat sich das Bild der Deutschen von den USA. Seit der Wiederwahl von Donald Trump ist das Vertrauen stark gesunken. Nur noch 41 Prozent halten die USA für einen verlässlichen Partner, ein Minus von über 20 Prozentpunkten. Viele sehen die amerikanische Außenpolitik inzwischen als Risiko für den Zusammenhalt der NATO. Trotzdem möchte die Mehrheit in Deutschland weiterhin auf den militärischen Schutz der USA nicht verzichten.

Mehrheit für höhere Verteidigungsausgaben

In der deutschen Bevölkerung wächst die Zustimmung, die Bundeswehr zu stärken. 64 Prozent wollen mehr Geld für Verteidigung, 65 Prozent sprechen sich für mehr Personal aus. Nur eine kleine Minderheit will weniger Geld oder weniger Soldaten. Mehr als 80 Prozent haben zudem ein positives Bild von der Bundeswehr.

Auch die Idee eines neuen Wehrdienstes für junge Menschen findet mehr Unterstützung als noch im Vorjahr – sogar unter den 16- bis 29-Jährigen. Viele Deutsche unter 50 Jahren wären nach eigener Aussage bereit, das Land im Ernstfall auch selbst zu verteidigen.

NATO und EU gewinnen an Bedeutung

Trotz des gesunkenen Vertrauens in die USA bleibt die NATO für die Deutschen wichtig. Immer mehr Menschen befürworten sogar eine stärkere Rolle Deutschlands in der Bündnisverteidigung. Besonders groß ist die Zustimmung zur europäischen Zusammenarbeit: Viele wünschen sich gemeinsame Rüstungsprojekte, eine enger abgestimmte Verteidigungspolitik der EU und sogar eine europäische Armee. 44 Prozent können sich vorstellen, dass Deutschland dabei eine Führungsrolle übernimmt.

Hier geht es zum Download der aktuellen ZMSBw-Bevölkerungsumfrage.

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Info-Box: Die ZMSBw-BevölkerungsumfrageSeit 1996 führt das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw) jedes Jahr eine repräsentative Umfrage in Deutschland durch. Sie gilt als wichtiger Gradmesser dafür, wie die Bevölkerung über die Bundeswehr, Sicherheit und Verteidigung denkt. Mit ihr wird untersucht, welche Rolle die Streitkräfte in der Gesellschaft haben, wie groß ihre Akzeptanz ist und welche Erwartungen die Bürgerinnen und Bürger an sie stellen.Die Ergebnisse der Umfrage werden in verschiedenen Formaten veröffentlicht: in ausführlichen Forschungsberichten, in Artikeln für Fachzeitschriften und Online-Medien, in Sammelbänden und Monografien. Außerdem fließen sie in Podcasts, Interviews oder öffentliche Vorträge ein. Auf diese Weise trägt die Studie dazu bei, sicherheits- und verteidigungspolitische Themen verständlich zu machen und den Austausch zwischen Bundeswehr und Gesellschaft zu fördern.Darüber hinaus sind die Daten wissenschaftlich sehr wertvoll. Sie werden für Studien und Fachpublikationen genutzt, dienen als Grundlage für Abschlussarbeiten und werden in der Lehre an Universitäten eingesetzt. Über das Datenarchiv GESIS stehen sie zudem der gesamten Forschungsgemeinschaft zur Verfügung.Damit ist die ZMSBw-Umfrage nicht nur ein Instrument für die Bundeswehr, um ihre eigene Informationsarbeit zu prüfen, sondern auch ein wichtiger Baustein für das Verständnis deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik insgesamt.