Rheinmetall hat den neu entwickelten Minenräumpanzer Keiler Next Generation (NG) nach der Vorstellung auf der Rüstungsmesse Eurosatory am 14. August einem geladenen Kreis von internationalen Gästen aus Streitkräften, Beschaffungsbehörden und Industrie in Aktion vorgestellt.
Der Keiler NG ist Rheinmetall zufolge von dem in Entwicklung befindlichen Pionierpanzer Kodiak abgeleitet und gehört damit zur Leopard 2-Familie. Er ist mit einem Minenpflug von Pearson, einer Plofadder Minenräumsystem und einem Magnetfeldduplikator sowie einem Planierschild ausgestattet. Zur Montage der Werkzeuge verfügt der Keiler NG über einen integrierten Kran. An Optionen bietet der Keiler den fernbedienbaren Einsatz, die Einrüstung eines abstandsaktiven Schutzsystems und die Vernetzung auf dem digitalisierten Gefechtsfeld.

Rheinmetall will auch ein Kit bereitstellen, mit dem vorhandene Pionierpanzer Kodiak weitgehend die Fähigkeiten des Keiler NG erhalten können. Insgesamt 38 Kodiak sind in der Schweiz, den Niederlanden, Schweden und Singapur im Einsatz. Deutschland hat 44 Stück bestellt, deren Auslieferung in diesem Jahr beginnen soll.
Den Selbstschutz für die zweiköpfige Besatzung und das System gewährleisten das Schnellnebelschutzsystem ROSY und die fernbedienbare Waffenstation Natter 12.7.
Wie Rheinmetall schreibt, wurde in einem ersten Abschnitt der Keiler NG auf dem Truppenübungsplatz Bergen beim schnellen Schaffen von Minengassen im Gelände vorgeführt. Dabei kam der Pearson-Minenpflug zum Einsatz. Der über vier Meter breite Minenpflug ermögliche eine Minenräumgeschwindigkeit von bis zu 250 Metern in der Minute. Die Räumgeschwindigkeit hängt von der Bodenbeschaffenheit ab. Ideal für den Räumpflug ist weicher Boden. Der Minenpflug lässt sich innerhalb kurzer Zeit durch einen Räumschild austauschen. Somit kann der Keiler NG bei Bedarf auch Panzersperren räumen, Gräben zuschütten oder Stellungen schieben.

Als Höhepunkt brachte Rheinmetall im zweiten Abschnitt das raketengestützte Sprengschnursysteme „Plofadder“ zum Einsatz. Plofadder von Rheinmetall Denel Munition kann in Minutenschnelle auch auf festen Böden eine Bresche von 160 Metern Länge und neun Metern Breite in Minensperren und Hindernisse schlagen. Überlappend geschossen ermöglichen die beiden Plofadder Systeme des Keiler NG damit das Überwinden tief angelegter feindlicher Minensperren.
Das dritte Minenräumsystem des Keiler NG ist ein Magnetfeldduplikator, der Minen der Zweiten Generation weit vor dem Pflug zur Detonation bringt. Das System simuliert ein Magnetfeld, dass dem eines Gefechtsfahrzeugs entspricht, aber deutlich stärker ist. Dadurch werden Minen mit Magnetzünder in einiger Entfernung vor dem Räumfahrzeug ausgelöst und dadurch unschädlich gemacht.
Die Minengassen, die der Keiler NG geschaffen hat, werden durch das integrierte Gassenmarkierungsystem gekennzeichnet. Dadurch können sich Folgekräfte in den geschaffenen Gassen sicher bewegen, auch bei Nacht oder eingeschränkter Sicht.
Der Keiler NG hat mit dem in die Bundeswehr bis 1998 eingeführten Keiler außer seiner Aufgabe nichts gemein. Basis des Keiler ist der M48 Patton mit seiner gegossenen Wanne. Als Räumwerkzeug verfügt er über eine Minenfräse, die mit „Elefantenfüssen“ genannten Schlegeln den Boden bis zu 25 cm tief ausfräst und den Abraum samt Minen neben die Spur befördert. 24 Keiler hat die Bundeswehr beschafft und vier an Polen abgegeben.
Bis 2018 wurden die Keiler der Bundeswehr modernisiert. Bei einer geschätzten Lebensdauer von dreißig Jahren könnte ab 2028 eine Erneuerung der Bestände erforderlich werden.
Editorial staff / gwh

















