Am 14. Juli 2026 haben fünf führende europäische Rüstungsunternehmen in Paris eine Absichtserklärung (Letter of Intent, LOI) zur Gründung des Bliksem-EXO-Konsortiums unterzeichnet. Laut einer gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen ist es Ziel dieser multinationalen Industriepartnerschaft Europas erstes eigenständiges, exoatmosphärisches Abfangsystem zur Bekämpfung von ballistischen Mittel- und Mittelstreckenraketen (MRBM/IRBM) zu entwickeln.

Unter der politischen Schirmherrschaft einer neu formierten europäischen Anti-Ballistik-Koalition und mit deutlicher Unterstützung des niederländischen Premierministers Rob Jetten sowie positivem Zuspruch von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, widmet sich das Projekt der Schließung einer kritischen Sicherheitslücke. Das zukünftige Abwehrsystem Bliksem EXO richtet sich gezielt gegen ballistische Mittel- und Mittelstreckenraketen, insbesondere der modernen russischen Oreschnik-Klasse, die europäische Hauptstädte in kürzester Zeit erreichen können.

Aufgabenverteilung im Konsortium

Das Bliksem-EXO Konsortium soll von der niederländischen Destinus als Hauptaufragnehmer geführt werden, mit Verantwortung für die Systemintegration und das Exo-atmospheric Kill Vehicle (EKV). MBDA Deutschland ist zuständig für den Booster (Antrieb der Abfangrakete), das Startsystem und die Kanister. Safran Electronics & Defense entwickelt den Suchkopf sowie die Lenkungs-, Navigations- und Steuerungssysteme des EKV. Airbus Defence and Space stellt das Führungs-, Kontroll- und Gefechtsmanagementsystems (BMC4I) bereit. Thales liefert die gesamte Radar- und Sensorkette von der Frühwarnung bis zur Feuerleitung.

KI-generierte Idee eines Kill Vehicles. (© KI generiert Gemini)

Bliksem EXO mit Hit-to-Kill-Verfahren

Das System agiert in der oberen, exoatmosphärischen Schicht und bekämpft Bedrohungen in ihrer mittleren Flugphase weit außerhalb der Erdatmosphäre (exoatmosphärisch). Die Zerstörung erfolgt splitterfrei durch einen präzisen, rein kinetischen Direktaufprall, das sogenannte Hit-to-Kill-Verfahren, ganz ohne explosiven Sprengkopf. Dieses frühzeitige Abfangen im All verhindert, dass sich anfliegende Raketen vor dem Endanflug in mehrere manövrierfähige Einzelkörper aufteilen und bodengestützte Abwehrsysteme überfordern.

Ein besonderer Praxisbezug entsteht dadurch, dass das Design und die Evaluierung des Systems direkt auf den operativen Erfahrungen der Ukraine bei der Abwehr moderner, massierter Raketenangriffe aufbauen.

Bliksem EXO steht dabei nicht in Konkurrenz zu bestehenden Systemen, sondern ergänzt die unteren Abwehrschichten, um eine lückenlose, mehrschichtige europäische Raketenabwehr zu formieren. Die gesamte Architektur wird von Grund auf so entwickelt, dass sie vollkommen interoperabel mit der integrierten Luft- und Raketenabwehr der NATO sowie der European Sky Shield Initiative ist.

2027 erster Test im Weltraum

Der zeitliche Rahmen des Rüstungsprojekts ist ambitioniert gesteckt. Unmittelbar nach der Unterzeichnung der Absichtserklärung sollen bereits im August 2026 die gemeinsamen Engineering-Arbeiten beginnen, gefolgt von einem verbindlichen Konsortialvertrag im Herbst desselben Jahres. Ein erster entscheidender Meilenstein ist für das Jahr 2027 geplant, in dem das hochmoderne Kill Vehicle erstmals im Weltraum getestet werden soll. Rechtlich gesehen handelt es sich bei der aktuellen Absichtserklärung um eine Absichtserklärung in gutem Glauben, die noch keine finanziellen oder logistischen Abnahmeverpflichtungen begründet und unter dem Vorbehalt strenger nationaler sowie europäischer Export- und Sicherheitsgesetze steht.

Gerhard Heiming