Der von langer Hand für Mitte Juli 2026 geplante Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS ist vorerst abgesagt. Angesichts der aktuellen Marktvolatilität im europäischen Verteidigungssektor will das Unternehmen einer Mitteilung vom 1. Juli zufolge den Prozess des Börsengangs („IPO“) wieder aufnehmen, sobald stabilere Marktbedingungen zurückkehren.
Im Zusammenhang mit dem Börsengang wollen der deutsche und der französische Staat jeweils 40 Prozent der Anteile, um sich den paritätischen Einfluss auf Unternehmensentscheidungen zu sichern. Im Juni hatte sich die Bundesregierung mit deutschen Eigentümerfamilien des Panzerbauers KNDS auf einen Direkteinstieg des Bundes geeinigt. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages hat die Transaktion am 26. Juni gebilligt.
Grundlage des Börsengangs war eine Bewertung des Konzerns in der Größenordnung oberhalb 18 Milliarden Euro, woraus sich die Beteiligung des Bundes zu 7,2 Milliarden Euro errechnet. Allerdings ist der Höhenflug der Rüstungsaktien in den letzten Wochen eingebrochen. Bedeutende Aktien wie Rheinmetall und CSG sind im Sinkflug. Der Abbruch des Großvorhabens Fregatte F126 hat die sinkenden Kurse beschleunigt. Damit sank auch die Bewertung von KNDS auf rund 12 Milliarden Euro, ein Wert, der unter dem Limit der deutschen Eigentümerfamilie liegt.
Die Bundesregierung hält an ihrem Plan zum Einstieg bei KNDS fest, wie verschiedene Sprecher betonten. Voraussetzung dafür bleibt der Börsengang.
Als nächster Termin wird Mitte September genannt, wenn die Sommerpause vorüber ist. Ob sich bis dahin die Börsensituation verbessert, ist ungewiss. Zudem wird die Staatsbeteiligung von Investoren eher als Hindernis angesehen, das die Bewertung von KNDS trotz guter Auftragslage drückt.
In den Augen von Analysten wurde durch das zögerliche Handeln der Bundesregierung ein günstiger Zeitpunkt für den Börsengang verpasst. MdB Sebastian Schäfer, haushaltspolitischer Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen kritisierte die strategielosen Industriepolitik der Regierung und die Gier der Besitzerfamilie, die einen Rückzieher mache, weil ihnen der Milliardenerlös noch nicht ausreicht.
Gerhard Heiming


















