Unterseekabel tragen den Großteil des globalen Datenverkehrs und sind damit längst kritische Infrastruktur. Die Spannungen im Nahen Osten zeigen, wie verwundbar dieses digitale Rückgrat ist und warum Europa den Schutz maritimer Datenverbindungen ernster nehmen muss.

Die Globalisierung bringt Menschen und Volkswirtschaften zusammen. Sie eröffnet Wege für den Austausch von Gedanken und Informationen. Sie schafft aber auch Abhängigkeiten. Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran hat diese Abhängigkeiten noch einmal unterstrichen. Obwohl Deutschland sein Rohöl hauptsächlich aus Norwegen bezieht, zogen die Preise an den Tankstellen ebenso an wie in Japan.

Aber nicht nur Öl, Gas oder Lebensmittel finden ihren Weg aus entfernten Ländern nach Europa. Auch Informationen jagen in Millisekunden über Tausende Kilometer aus den entferntesten Ecken der Welt in die Metropolen. Dabei schlängelt sich ein unsichtbarer Strom aus Daten durch Kabel in den Ozeanen um den Globus. Diese Datenautobahnen erlauben nicht nur eine ungehinderte und preiswerte Kommunikation, sondern haben sich immer mehr zum Rückgrat der globalen Digitalwirtschaft entwickelt.

Informationstechnologie-Unternehmen, Großkonzerne, Fernseh- und Radiounternehmen, Rechenzentren sowie Privatpersonen, sie alle benötigen diesen maritimen Verkehr von Daten über Unterseekabel. Doch wie im Straßen-, Zug- oder Schiffsverkehr gibt es auch im Datenverbund Kreuzungen, sogenannte Engpässe, an denen die digitalen Arterien der modernen Wirtschaft aufeinandertreffen.

Die jemenitische Huthi-Miliz zündete an Bord des unter liberianischer Flagge fahrenden Massengutfrachters Magic Seas Sprengsätze – als Angriff auf die Schifffahrt im Roten Meer, um auf Israels Angriff auf Gaza zu verweisen.
Foto: Yemeniti Military Media Center

Das Rote Meer als digitaler Engpass

Die traditionellen Schifffahrtsrouten haben sich zu den Autobahnen des Datentransfers und damit zu den Lebenslinien der modernen Welt entwickelt. Dazu gehört das Rote Meer als Knotenpunkt im Nahen Osten. Die Unterseekabel sind zur strategischen kritischen Infrastruktur geworden. Die seit Jahren herrschenden Spannungen in der Region führten der Welt die Verletzlichkeit ihres digitalen Rückgrats vor Augen. Eine Unterbrechung des ungehinderten Datenverkehrs verursacht ökonomische Krisen, die denen der Energiekrise mindestens ähneln, wenn sie sie nicht sogar übertreffen.