Bei seinem ersten Auftritt auf der Eurosatory präsentierte das 2025 gegründete Joint Venture Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV) zwei Entwürfe von Gefechtsfahrzeugen für das italienische Heer: Das Army Armored Combat System (A2CS) auf der Basis des Schützenpanzers Lynx KF 41 von Rheinmetall und den New Main Battle Tank (NMBT) auf Basis des Panther KF 51 ebenfalls von Rheinmetall. Das A2CS wird in einem späteren Artikel beschrieben.
Der von LRMV entwickelte New Main Battle Tank (NMBT) repräsentiert die nächste Generation europäischer Kampfpanzer, die speziell für das digitale, hochintensive Gefechtsfeld konzipiert wurde. Als Kern einer neuen Fahrzeugfamilie, die auch Unterstützungsfahrzeuge wie Berge-, Pionier- und Brückenlegepanzer umfasst, vereint das System gesteigerte Feuerkraft, umfassende Digitalisierung, integrierten Schutz und optimierte Mobilität in einer skalierbaren Architektur.

Feuerkraft
Die primäre Schlagkraft basiert auf einer 120-mm-L55-Glattrohrkanone, die für eine zukünftige Umrüstung auf ein 130-mm-Kaliber vorbereitet ist. Ein automatisches Ladesystem mit zwanzig schussbereiten Granaten sorgt für eine hohe Feuerrate und entlastet die Besatzung. Durch den Einsatz präzisionsgelenkter Vulcano-Munition wird die Reichweite auf bis 30 Kilometer gesteigert, was die Bekämpfung beweglicher Ziele sowie das Wirken außerhalb der direkten Sichtlinie ermöglicht. Ergänzt wird dieses Konzept durch eine fernbedienbare 30-mm-Waffenstation zur Drohnenabwehr, ein koaxiales Maschinengewehr sowie die Integration von Loitering Munition für den weitreichenden Einsatz. Die vollständige Einbindung aller Systeme in die digitale Struktur erlaubt hochentwickelte Hunter-Killer-Operationen und eine extrem schnelle Zielbekämpfung.
Schutz
Der Schutz des bis zu 69,5 Tonnen schweren Kettenfahrzeugs beruht auf einem mehrschichtigen Konzept, das passive Elemente mit modernen aktiven Schutzsystemen kombiniert. Eine entscheidende Innovation ist die aktive Abwehr von kinetischen Projektilen großer Kaliber sowie von Top-Attack-Bedrohungen wie Drohnen, ohne das Fahrzeuggewicht drastisch zu erhöhen. Ein Signaturmanagement schützt vor Aufklärung, während ein rein batteriebetriebener Stealth-Watch-Modus eine lautlose Überwachung von bis zu acht Stunden ohne laufendes Hilfstriebwerk erlaubt.
Mobilität
Für den Antrieb sorgt ein völlig neues Powerpack, das bis auf 1.350 kW skalierbar ist und eine Beschleunigung von null auf vierzig Kilometer pro Stunde in unter acht Sekunden sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h ermöglicht. Das mit Drive-by-Wire-Technologie ausgestattete Fahrzeug verfügt über eine Reichweite von bis zu 450 Kilometern, ist für den ferngesteuerten Betrieb vorbereitet und arbeitet dank integrierter Sensorüberwachung mit prädiktiver Wartung. Das Gesamtsystem sichert damit eine langfristige industrielle und operative Souveränität in Europa.
Digitale Architektur
Als zentraler Knotenpunkt im netzwerkzentrierten Krieg verbindet der Panzer Sensoren und Waffen medienbruchfrei. Die cyber-sichere, NGVA-konforme Digitalarchitektur erlaubt einen Datenaustausch in Echtzeit über Domänengrenzen hinweg. Das integrierte Führungssystem bietet KI-gestützte Entscheidungshilfen und eine lückenlose 360-Grad-Lageaufklärung bei Tag und Nacht. Dank eines flexiblen Konsolenkonzepts für die dreiköpfige Besatzung und einen zusätzlichen Spezialisten sind Aufgabenverteilung und Rollenredundanz im Gefecht garantiert. Zudem steuert die Besatzung unbemannte Flugsysteme direkt vom Fahrzeug aus, was echtes Mensch-Maschine-Teaming ermöglicht.
Einschätzung
Der auf der Eurosatory von LRMV gezeigte NMBT ist ein Konzeptdemonstrator, der von LRMV nach den bekannten militärischen Anforderungen des italienischen Heeres konfiguriert ist. Er gilt als erstes Angebot an den italienischen Auftraggeber. Er muss firmenseitig noch die ersten Tests absolvieren. Da muss sich das Konzept bewähren. Ausschlaggebend sind jedoch die Einschätzungen des Auftraggebers und seine Umsetzung in mögliche konkrete Entwicklungsaufträge.
Soweit bekannt, sollen Auf Basis des Panther KF 51 132 Kampfpanzer beschafft werden und mindestens 140 Unterstützungsfahrzeuge (u.a. Bergepanzer, Pionierpanzer, Brückenlegepanzer). Der Zeitraum ist 2027 bis 2035 und das eingeplante Volumen beträgt acht Milliarden Euro.
Gerhard Heiming

















