Die neue geschaffene Sparte Nokia Defense des europäischen Telekommunikationskonzern hat taktische 5G-Lösungen für das moderne Gefechtsfeld vorgestellt. Nokia sieht zwei Haupttrends für den Einstieg in das Verteidigungsgeschäft: Erstens der massive Zuwachs an unbemannten Systemen zu Lande, zu Wasser und in der Luft, die für die Übertragung hochauflösender Videostreams stabile, bandbreitenstarke und resiliente Datenverbindungen benötigen. Zweitens der verstärkte Einsatz von künstlicher Intelligenz zur Analyse großer Datenmengen direkt an der Frontlinie. Da traditionelle militärische Funksysteme für diese Datenmengen nicht ausgelegt sind, adaptiert Nokia seine kommerzielle 5G-Technologie für die extremen Anforderungen von Streitkräften.

Das taktische Funksystem Nokia Banshee kann vom Rucksack aus eingesetzt werden. (© Gerhard Heiming)

Transportables Banshee Funksystem

Das Banshee-Produktportfolio umfasst unter anderem ein mobiles rund acht Kilogramm schwere Basis für den 5G-basierten taktischen Funk. Das für die Zug-Ebene ausgelegte System kann in einem Rucksack transportiert werden. Dieses kompakte System versorgt bis zu 128 Nutzer – darunter Soldaten mit Smartphones, Drohnen oder Sensoren – und verfügt über integriertes Edge-Computing, um einsatzrelevante Software wie Combat Management Systeme autark im Feld auszuführen.

Da 5G nativ keine Mesh-Technologie ist, kombiniert Nokia das System mit einem eigenen Mesh-Netzwerk, wodurch sich mehrere taktische Funknetze automatisch und dynamisch miteinander verbinden lassen. Die Stromversorgung erfolgt über Standard-NATO-Batterien, die im laufenden Betrieb getauscht werden können und eine Laufzeit von rund sieben Stunden bieten.

Für größere Einheiten, Gefechtsstände oder Feldlager gibt es die leistungsstärkere Systemvariante Banshee in einem Transportbehälter. Diese ist für den Fahrzeugeinbau oder den Mastbetrieb optimiert, unterstützt mehrere Tausend Nutzer parallel und wird bereits in Kooperation mit KNDS in gepanzerten Fahrzeugen erprobt.

Android-Smartphone von Nokia

Ergänzt wird die Netzinfrastruktur durch ein hochrobusteres, in Europa entwickeltes und gefertigtes Android-Smartphone für Soldaten, das im ersten Quartal des kommenden Jahres in Serie geht. Um Spionage und Datenabfluss zu verhindern, nutzt das für die Geheimhaltungsstufe Restricted zertifizierte Gerät ein quelloffenes, modifiziertes Android-Betriebssystem, das kritische Verbindungen zu kommerziellen Servern blockiert. Zudem ist das Smartphone weitgehend frei von chinesischen Kernkomponenten und verfügt über eine physische Schnittstelle für Zubehör wie Satellitenmodems oder zusätzliche Funkmodule.

Gerhard Heiming