Die Unternehmen ARX Robotics und die ukrainische Roboneers haben am 25. Juni auf der Ukraine Recovery Conference im polnischen Danzig die Gründung des gemeinsamen Joint Ventures ARX Industries bekannt gegeben. Die Vertragsunterzeichnung fand im Beisein des stellvertretenden ukrainischen Verteidigungsministers Serhiy Boyev und des Rüstungsindustrie-Vertreters Ihor Fedirko statt, schreibt ARX Robotics in einer Mitteilung vom selben Tag..

Das Vorhaben ist Teil der Initiative „Build with Ukraine“ und wird sowohl von der deutschen als auch von der ukrainischen Regierung politisch unterstützt. Ziel der strategischen Partnerschaft ist die industrielle Serienfertigung des besatzungslosen Bodenfahrzeugs (UGV) „Rys Pro“, um die ukrainischen Streitkräfte schnell und im großen Stil mit softwaredefinierten Fähigkeiten auszustatten. Das Vorhaben zahlt direkt auf das ukrainische Staatsziel ein, die eigenen Truppen bis zum Ende des Jahres 2026 mit insgesamt 50.000 unbemannten Bodensystemen auszurüsten.

Das elektrisch angetriebene UGV Rys Pro von ARX Industries kann mit Missionsmodulen für verschiedenen Aufgaben konfiguriert werden. (© Robonners)

Zielsetzung für das ARX Industries

Das neu gegründete Unternehmen bündelt die spezifischen Kompetenzen beider Partner in den Bereichen Entwicklung, Fertigung und operative Einsatzerfahrung. Um industrielle Skalierbarkeit mit einer extremen Nähe zum aktuellen Geschehen an der Front zu verbinden, wird die Produktion an spezialisierten Standorten in Deutschland und direkt in der Ukraine aufgebaut.

Bereits im ersten Betriebsjahr ist die Fertigung von mehreren Tausend Systemen des Typs Rys Pro geplant, während die jährliche Produktionskapazität mittelfristig schrittweise in einen hohen fünfstelligen Bereich skaliert werden soll. Über die reine Produktion hinaus übernimmt das Joint Venture auch die Instandhaltung sowie die operative Unterstützung der Fahrzeuge vor Ort, um eine langfristige, europäische Basis für souveräne Robotertechnologie zu etablieren.

Rys Pro und Mithra OS

Das UGV Rys Pro kann bei einem Leergewicht von 295 Kilogramm eine Nutzlast von bis zu 350 Kilogramm tragen. Der elektrische Allantrieb ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 12 km/h (zur Begleitung von Infanterie zu Fuß) ausgelegt. Mit der Standard-Batterie beträgt die Reihweite bis zu 20 Kilometer. Mit Zusatzbatterien geht es bis zu 80 Kilometer weit. Die schaumstoffgefüllten Reifen sollen Mobilität auch nach Durchschuss oder dem Einwirken von Anti-Personenminen weiter Mobilität garantieren. Für die Steuerung ist Rys Pro mit einem gehärteten Kommunikationssystem und Kameras ausgestattet.

Das Betriebssystem Mithra OS von ARX Robotics ist das softwareseitige Herzstück, das aus der robusten ukrainischen Hardware des Rys Pro eine hochautonome, vernetzte Gefechtsfeldkomponente macht. Mithra OS übernimmt das „Denken“, die Vernetzung und die Autonomie. Das System optimiert die Hardware speziell für autonome Schwarm-Einsätze. Das Betriebssystem setzt sich wie eine intelligente Schicht über die bestehenden elektronischen Steuergeräte (ECU) des Fahrzeugs. Dadurch können Sensoren (wie LiDAR, Wärmebildkameras) oder Missionsmodule (wie das ShaBlya-Kampfmodul) per Plug-and-Play integriert werden, ohne dass die Kernsoftware verändert werden muss. Durch die hohe Autonomie reicht ein einziger Operator, um über eine intuitive Benutzeroberfläche einen ganzen Verband von Rys Pro-Plattformen zu überwachen.

Aufgaben für Rys Pro

Die flexiblen Systeme sind für missionskritische Aufgaben wie die Evakuierung von Verwundeten, die Frontlogistik, das Legen und Räumen von Minen sowie für direkte Kampfunterstützungsmissionen vorgesehen. Ein zentraler Pfeiler der Kooperation ist ein kontinuierlicher Rückkopplungsprozess zwischen dem Einsatzraum und den Werken.

Massenhafter und schneller Einzug einsatzerprobter Robotik

Operative Erkenntnisse und direkte Erfahrungen von der Front fließen sofort in die Produktion ein, sodass jede neue Fertigungscharge auf dem neuesten technologischen Stand basiert. Maximilian Wied von ARX Robotics und Anton Skrypnyk von Roboneers betonten bei der Vorstellung die humanitäre und strategische Dringlichkeit des Projekts, da der massenhafte und schnelle Einzug einsatzerprobter Robotik auf dem modernen Gefechtsfeld nachweislich Menschenleben rettet und einen spürbaren Unterschied ausmacht.

ARX Robotics stellt nach eigener Angabe bereits heute die größte vernetzte UGV-Flotte eines westlichen Herstellers in der Ukraine und nutzt für die autonomen Systeme das eigene, KI-gestützte Betriebssystem Mithra OS.

Gerhard Heiming