Deutschland und Finnland intensivieren ihre Zusammenarbeit im Sicherheits- und Verteidigungssektor, wobei vor allem die strategische Partnerschaft zwischen dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall und finnischen Technologieunternehmen die Modernisierung innerhalb der NATO vorantreibt, schreibt die finnische Regierungsorganisation Business Finland in einer Mitteilung vom 22. Juni. Ein zentraler Pfeiler dieser Kooperation sei die Zusammenarbeit zwischen Rheinmetall und dem in Helsinki ansässigen Unternehmen Varjo Technologies Oy.

Simulation mit Varjo

Varjo ist auf Virtual- und Mixed-Reality-Lösungen spezialisiert, die bereits weltweit in über 120 Verteidigungsprogrammen genutzt werden. Im Rahmen der neuen Partnerschaft stattet Varjo die modularen Fahr- und Waffensimulationssysteme von Rheinmetall Electronics mit Headsets und Software der Varjo XR-4-Serie aus.

Diese Integration erlaubt es, eine große Anzahl von Soldaten flexibel, mobil und ohne qualitative Kompromisse in hochgradig realistischen Szenarien auszubilden, was die Verteidigungsbereitschaft des Bündnisses beschleunigt.

Der Rheinmetall-Fahrsimulator mit VR-Brille von Varjo ist ein Beispiel für die finnisch-deutsche Zusammenarbeit. (© Rheinmetall)

Weltraum mit ICEYE

Neben der Simulationstechnologie erstreckt sich die Kooperation von Rheinmetall auch auf den Weltraumsektor. Gemeinsam mit dem finnischen Luft- und Raumfahrtunternehmen ICEYE hat der deutsche Konzern das Joint Venture „Rheinmetall ICEYE Space Solutions“ gegründet.

ICEYE betreibt die weltweit größte kommerzielle Konstellation von Radarsatelliten mit Synthetic-Aperture-Radar-Technologie. Während diese hochauflösenden Erdoberflächenbilder im zivilen Bereich dem Katastrophenmanagement dienen, nutzt das Joint Venture sie im militärischen Sektor, um die satellitengestützte Aufklärung für Deutschland signifikant auszubauen.

Dual-Use-Technologien

Diese Projekte stehen exemplarisch für Finnlands Führungsrolle bei sogenannten Dual-Use-Technologien, die unter dem Begriff „New Defense“ zivile Innovationen in schnellen Zyklen für militärische Zwecke nutzbar machen, schreibt Business Finland. Unterstützt werde diese Entwicklung durch finnische Deep-Tech-Regionen und Innovationscluster wie den DEFINE Accelerator in Riihimäki oder den NATO DIANA Accelerator in Espoo, die Start-ups in Bereichen wie künstliche Intelligenz, Quantentechnologie und autonome Systeme fördern.

Zudem bieten staatliche Initiativen wie das mit 120 Millionen Euro dotierte finnische Programm „Defense and Digital Resilience“ sowie die hohe Forschungsquote der heimischen Industrie attraktive Kooperations- und Investitionsmöglichkeiten für die deutsche Verteidigungsindustrie, um die europäische Souveränität und Krisenvorsorge gemeinsam zu stärken.

Gerhard Heiming