Beim 35. Treffen der Ukraine-Verteidigungskontaktgruppe (Ukraine Defense Contact Group, UDCG) im Ramstein-Format haben die über 50 Partnerländer neue Hilfspakete für die ukrainischen Streitkräfte im Gesamtwert von vier Milliarden US-Dollar (umgerechnet 3,5 Milliarden Euro) angekündigt. Das teilte das ukrainische Verteidigungsministerium am 19. Juni mit. Ein zentraler Schwerpunkt der Zusagen liegt auf der Stärkung der ukrainischen Luftverteidigung. In diesem Bereich leistet Deutschland einen maßgeblichen Beitrag. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kam hierzu im Vorfeld des Treffens mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Verteidigungsminister Mychailo Fedorow sowie hochrangigen Vertretern der NATO und Großbritanniens zusammen.

„Das Momentum liegt zurzeit auf der Seite der Ukrainer“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius. „Und gerade deshalb dürfen wir nicht eine Sekunde nachlassen in unserer Unterstützung für die Ukraine. Für Deutschland kann ich sagen, wir tun das. Ich kann dazu zwei Punkte sagen. Erstens: Wir werden uns ein weiteres Mal, das ist dann das vierte Mal, an einem PURL-Package (Prioritised Ukraine Requirements List) beteiligen. In PURL finanzieren wir US-amerikanische Waffensysteme und Munition, die von der Ukraine dringend gebraucht, die in Europa aber eben nicht hergestellt werden.“

Deutschland unterstützt vor allem bei Luftverteidigungssystemen

Deutschland beteiligt sich substanziell an der Bereitstellung von rund einer Milliarde US-Dollar für die Priorisierte Bedarfsliste der Ukraine (PURL), um dringend benötigte Abfangraketen für Patriot-Luftverteidigungssysteme zu beschaffen. Neben dieser multilateralen Initiative nutzt Deutschland den sogenannten JUMPSTART-Mechanismus, um Patriot-Raketen im Wert von 200 Millionen US-Dollar (175 Millionen Euro) direkt zu beschaffen. Dieses Verfahren mit Anschubfinanzierung und gesicherten Produktionskapazitäten ermöglicht langfristige Verträge für die Lieferung von in den USA hergestellten Waffen an die Ukraine.

Artilleriemunition, Drohnentechnologie und weitere Systeme

Die Gesamthilfe der Partner umfasst neben der Luftverteidigung auch rund 540 Millionen US-Dollar (470 Millionen Euro) für reichweitenstarke Artilleriemunition, unter anderem im Rahmen der tschechischen Initiative, sowie über eine Milliarde US-Dollar (870 Millionen Euro) für Drohnentechnologie.

Während andere Nationen wie Großbritannien und die Niederlande stark in Drohnen, maritime unbemannte Überwasserfahrzeuge oder Radarsysteme investieren, sichern die deutschen Zusagen vor allem die Abwehrfähigkeit des ukrainischen Luftraums ab.

Darüber hinaus finanzieren die Ramstein-Partner Systeme zur elektronischen Kampfführung, Schützenpanzer, Sprengstoffe und den Ausbau von Trainingszentren direkt in der Ukraine.

Der ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow dankte den Partnern für die effektive Unterstützung, die den Soldaten auf dem Gefechtsfeld spürbare Ergebnisse bringt.

Gerhard Heiming