Northrop Grumman hat die Vollserienfertigung seines Luftverteidigungs-Führungssystems IBCS (Integrated Battle Command System) im Werk in Huntsville, Alabama, erreicht. Das bestätigte Kenn Todorov, Sector Vice President und General Manager für Command & Control und Weapons Integration, im Gespräch mit ES&T auf der ILA Berlin Air Show. Todorov zufolge haben inzwischen mehr als 20 Nationen weltweit formelle Anfragen im Rahmen des US-Verfahrens für Foreign Military Sales gestellt. Die interessierten Staaten liegen sowohl in Europa als auch im Indo-Pazifik.

Kenn Todorov (li.), Sector Vice President bei Northrop Grumman, erläuterte im Gespräch mit ES&T die Weiterentwicklung von IBCS, AiON und neuen Konzepten zur Drohnenabwehr. (Foto: Björn Trotzki)

Todorov unterstrich die Ergebnisse, die Polen mit IBCS erzielt hat. Die polnischen Streitkräfte hätten im Dezember 2025 einen besonders anspruchsvollen Test über 500 Kilometer Entfernung im Baltikum durchgeführt. Aus seinen Gesprächen mit polnischen Militärangehörigen wisse er, dass diese mit der Leistung des Systems sehr zufrieden seien. Im September 2025 hatte Polen bei der Großübung Iron Defender 25 erstmals einen Gefechtsbeschuss mit dem in das Integrated Battle Command System (IBCS) eingebundenen WISŁA-Luftverteidigungssystem durchgeführt.

So könnte nach der Idee von Northrop Grumman das Gefechtsfeld von morgen aussehen. BattleOne bietet laut Northrop Grumman die Flexibilität, aktuelle und künftige Netzwerke durch offene Systemarchitektur zu integrieren. (Foto: Northrop Grumman)

Deutschland und Industriepartnerschaften

Northrop Grumman bereitet sich nach eigenen Angaben auf eine mögliche deutsche Beschaffung von IBCS vor. Todorov erklärte, sein Unternehmen rechne damit, dass Deutschland in den kommenden Monaten über das Foreign-Military-Sales-Verfahren eine entsprechende Anfrage an die US-Regierung richten könnte. Eine offizielle Entscheidung der Bundesregierung steht jedoch weiterhin aus.

Parallel baut Northrop Grumman seine industrielle Basis in Deutschland aus. Mit MBDA Deutschland besteht seit der Berliner Sicherheitskonferenz 2025 ein Memorandum of Understanding zur Integration des ARANEUS-Netzwerks, mit Diehl Defence die Partnerschaft BattleOne zur Einbindung von IRIS-T SLM. Auf der kommenden Berliner Sicherheitskonferenz will Northrop Grumman erstmals ein Bild zeigen, wie eine deutsche IBCS-Konfiguration mit nationalen Industrieanteilen konkret aussehen könnte.

Raketenstart des polnischen WISŁA-Luftverteidigungssystems beim Gefechtsschießen auf dem Übungsplatz Ustka im Rahmen der Übung Iron Defender 25 (Screenshot: MoD Polen via X)

Jürgen Fischer