Drohnen, Marschflugkörper, Sättigungsangriffe: Luft- und Seeraumverteidigung wird zur Systemfrage. Im Gespräch mit Europäische Sicherheit & Technik erklärt Oliver Dellschau, wie Flugkörperfamilien, vernetzte Sensorik und „Brot-und-Butter-Effektoren“ zusammenwirken und wo Standort, Tempo und Personal zum Engpass werden.

Europa rüstet auf. Nicht aus Symbolik, sondern aus Notwendigkeit. Der Krieg in der Ukraine hat in wenigen Monaten offengelegt, was Fachleute seit Jahren sagen: Munition, Luftverteidigung, wirksame Seezielfähigkeiten und Schutz gegen Drohnen sind keine Nice-to-have-Themen, sondern harte Voraussetzungen für Abschreckung und Durchhaltefähigkeit. Gleichzeitig ist der Markt angespannt. Produktionslinien laufen an der Kapazitätsgrenze, Lieferketten sind fragil, Zulassungen und Exportregeln bremsen und Beschaffer stehen vor einer unangenehmen Wahrheit: Es reicht nicht, „das Beste“ zu wollen. Man muss auch das Lieferbare, Wartbare und in Masse Übbare organisieren.

Oliver Dellschau, Vice President Business Development von Kongsberg Deutschland, im Gespräch mit ES&T-Chefredakteur Jürgen Fischer
Foto: Jürgen Fischer

In diese Gemengelage hinein verstärken auch kleinere, hochspezialisierte Staaten ihre Fähigkeiten. Norwegen etwa sieht sich durch seine lange Küstenlinie und die Nähe zur russischen Nordflotte besonders gefordert. Bei Kongsberg Defence & Aerospace stehen dafür in Europa vor allem zwei Systeme: die Naval Strike Missile (NSM) und das National Advanced Surface-to-Air Missile System (NASAMS, vernetztes bodengebundenes Luftverteidigungssystem).