Was kann die Luftwaffe der Bundeswehr aus dem operativen Luftkrieg der Wehrmacht für Multi-Domain Operations lernen? Unsere Gastautorin erklärt, dass Jointness und Integration entscheidend bleiben, ohne industrielle Tiefe, strategische Ausdauer und resiliente Führungsverbünde aber nicht ausreichen.

Die drei Konzepte des Full-Spectrum-Ansatzes (FSA), des Systems Approach zur Luftmacht und der Multi-Domain Operations (MDO) sind eng miteinander verbunden. Während der Systems Approach den Gegner als vernetztes Gefüge aus Führung, Logistik, Mobilität, Information und Moral begreift, zielt der Full-Spectrum-Ansatz auf die koordinierte Nutzung militärischer Fähigkeiten über das gesamte Einsatzspektrum von Abschreckung und Krisenreaktion bis zum hochintensiven Gefecht hinweg. Diese beiden Denkschulen werden durch die MDO fusioniert, indem sie deren Prinzipien auf ein multidimensionales Umfeld übertragen, das Land, Luft, See, Weltraum und Cyber umfasst. Ziel ist die Synchronisierung von Effekten über alle Domänen hinweg zur Erzeugung operativ-strategischer Vorteile.

Eine Messerschmitt Bf 110 der 6. Staffel/Zerstörergeschwader 76 im Mai 1940. Der Westfeldzug gilt als ein Beispiel für die enge Verbindung von Luftmacht, operativer Beweglichkeit und Landoperationen.
Foto: Bundesarchiv/Benno Wundshammer

Als ein historischer Vorläufer dieser Konzepte kann der operative Luftkrieg der deutschen Luftstreitkräfte der Zwischenkriegszeit verstanden werden. Die in der Luftwaffendienstvorschrift 16 „Luftkriegführung“ aus dem Jahr 1936 kodifizierte Doktrin setzte die Luftmacht nicht isoliert ein, sondern als integralen Bestandteil der operativen Kriegfüh rung. Dieser Ansatz spiegelte ein systemisches Verständnis des Gegners wider. Auch wenn ihm die technologischen Voraussetzungen moderner Informations- und Weltraumdimensionen fehlten, legte diese Form des Luftmachteinsatzes den konzeptionellen Grundstein für heutige Prinzipien integrierter und multidimensionaler Kriegführung.