Das litauische Verteidigungsunternehmen RSI Europe hat 9.500 Shpak FPV-Drohnensystemen sowie zugehöriger Einsatzausrüstung an die Ukraine ausgeliefert und damit seinen bislang größten Rüstungsauftrag erfolgreich abgeschlossen. Einer Information von RSI Europe vom 26. Mai zufolge wurde der Großauftrag im Rahmen eines Programms des Verteidigungsministeriums eines ungenannten NATO-Staates über einen Zeitraum von sechs Monaten abgewickelt.

Nach Informationen, die der Redaktion vorliegen, hat die Beschaffungsagentur „Gynybos resursų agentūra prie Krašto apsaugos ministerijos“ des litauischen Verteidigungsministeriums Ende letzten Jahres mit RSI Europe einen Vertrag über die Beschaffung von FPV-Drohnen mit einem Volumen von vier Millionen Euro abgeschlossen.

Im Vertrag ist die Lieferung von 9.500 Shpak-Drohnen als offizielle Militärhilfe direkt an die ukrainischen Streitkräfte vereinbart. Diese werden bereits aktiv zur Abwehr der russischen Aggression eingesetzt. Eine weitere ungenannte Anzahl von Einheiten verbleibt beim auftraggebenden NATO-Land für Trainingszwecke und die eigene Fähigkeitsintegration.

Shpak FPV-Drohne mit Glasfasersteuerung im Flug, beladen mit einer Sprengladung. (© RSI Europe)

Beschreibung der Shpak-FPV-Drohne

Nach Information von RSI Europe ist das Shpak-FPV-Angriffssystem auf Reichweite, Wendigkeit und Überlebensfähigkeit in umkämpftem Luftraum ausgelegt. Seine Frequenzsprung-Kommunikation ist resistent gegen elektronische Kriegsführung, während seine zwei Kilogramm schwere Nutzlast über eine Entfernung von mehr als 20 Kilometer transportiert werden kann. Zu den optionalen Erweiterungen gehören eine 15 Kilometer lange Glasfaserkabelrolle, Wärmebildtechnik, KI-basierte Endphasenführung sowie standardisierte Munitionsschnittstellen.

Die Drohne wiegt ohne Akku 900 Gramm und kann bis fünf Kilogramm Nutzlast tragen. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 150 Kilometer/h für die funkgesteuerte und 110 Kilometer/h für die glasfasergesteuerte Variante. Je nach Beladung und Akku kann die Drohne bis zu 20 Kilometer weit fliegen.

Ausstattung des Systems

Shpak ist ein vollständig einsatzbereites, kampffähiges System, das Missionsausrüstung, Sprengstoff sowie ein umfassendes Schulungs- und militärisches Integrationsprogramm umfasst. Zum System gehören die 10-Zoll-Shpak-Drohne mit Bodenstation und Antennengestell, ein Signalverstärker sowie Drohnen zur Übertragung von Signalen, Zünder und explosive Nutzlasten, Trainingsdrohnen und Sprengladungen sowie Wartungs- und Feldreparatursätze.

Das von RSI Europe angebotene Ausbildungspaket umfasst sowohl die grundlegende als auch die taktische Drohnenbedienung sowie die Streitkräfteintegration und die Ausbildung auf Offiziersebene. Zudem werden der Umgang mit Sprengstoffen für Pioniere, die Wartung und Systemmontage sowie die OPFOR-Simulation und das Red-Force-Training vermittelt.

Lieferumfang

Die ausgelieferten Drohnen decken verschiedene Konfigurationen für moderne Gefechtsszenarien ab. Dazu gehören Systeme mit Frequenzsprung-Kommunikation für elektronisch umkämpfte Gebiete, Varianten mit Glasfasersteuerung für absolute Resilienz gegen feindliche Störsender sowie Wärmebildmodule für Nachteinsätze.

Neben den Drohnen umfasste die Lieferung auch RISE-1-Fernzündersysteme für Pioniere und Kampfmittelbeseitiger. Während der Produktion führte RSI Europe über den ursprünglichen Vertrag hinausgehende Upgrades an Relais- und Übertragungskomponenten durch, um die Interoperabilität mit ukrainischen Systemen zu maximieren.

Kompetenzzentrum RSI Europe

Der Großauftrag fungierte zudem als starker Katalysator für das Unternehmen selbst: RSI Europe baute seine jährliche Produktionskapazität drastisch von 40.000 auf 120.000 Einheiten aus, was die Zukunftsfähigkeit für großskalierte Lieferungen stärkt. Laut Unternehmensführung agiert RSI Europe dabei nicht mehr nur als reiner Hersteller, sondern auch als Kompetenzzentrum, das den NATO-Partnern dabei hilft, die Drohnensysteme basierend auf den Lehren aus dem echten Gefechtseinsatz tiefgehend in ihre militärischen Strukturen und Trainingsprogramme zu integrieren.

Gerhard Heiming