Der Krieg gegen Iran verschiebt die strategische Lage im Nahen Osten grundlegend. Damit geraten die deutschen Marineeinsätze vor Libanon und im Roten Meer unter neuen Prüfungsdruck: Politisch bleiben UNIFIL und „Aspides“ wichtig, doch ihre militärische Wirkung und ihr heutiger Nutzen werfen Fragen auf.

US-Präsident Donald Trump und sein israelischer Amtskollege Benjamin Netanjahu setzten am 28. Februar alles auf eine Karte. Mit dem Krieg gegen den Iran und sein vermeintliches militärisches Atomprogramm brachten die beiden Westmächte die Sicherheitsarchitektur des Nahen Ostens ins Wanken. Gleichzeitig zwangen der massive Angriff und die iranischen Reaktionen alle Akteure in der Region zu einem sicherheitspolitischen Umdenken – von den Golfstaaten bis nach Europa und Deutschland. London verlegte den Zerstörer HMS „Dragon” sowie spezialisierte Hubschrauber zur Drohnenabwehr nach Zypern. Paris beorderte seinen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ ins Mittelmeer. Und Berlin?

Bundeskanzler Friedrich Merz stützte bei seinem Besuch in Washington zwar den US-Ansatz, machte aber zugleich deutlich, dass die Frage nach dem Danach offen ist. Die Bundesregierung hat die erpresserische Forderung von Trump nach militärischer NATO-Unterstützung in der Straße von Hormus zurückgewiesen. Ganz ohne sicherheitspolitische Präsenz ist Deutschland in der Region jedoch nicht: Die Bundeswehr ist dort bereits in zwei maritimen Operationen gebunden, darunter einer im geopolitisch hochbrisanten Roten Meer.

Die Fregatte „Hessen“ ist im Rahmen der Operation EUNAVFOR Aspides im Einsatz im südlichen Roten Meer.
Bundeswehr/Jule Peltzer

Wo Berlin bereits Präsenz zeigt

Seit dem Bundestagsbeschluss vom September 2006 beteiligt sich die Bundeswehr mit einer schwimmenden Einheit an der „United Nations Interim Force in Lebanon“ (UNIFIL) vor der Küste des Libanon. Im Januar 2021 übernahm die Bundesrepublik die Führung der „Maritime Task Force“ der Mission (MTF UNIFIL). Aus politischer Sicht war dieser Einsatz sinnvoll, die mandatierte Unterbrechung des maritimen Waffenschmuggels für die Hisbollah gelang ihr damit allerdings nicht.

Im August 2025 entschied der UN-Sicherheitsrat in New York, die bereits seit 1978 laufende Mission und ihre Operationen bis Ende 2026 einzustellen. Vor allem die USA aus finanziellen und Israel aus politischen Gründen hatten die Sinnhaftigkeit der kostspieligen UN-Mission immer wieder infrage gestellt.