Wie aus Bauteilen Zeitkapseln werden

Die deutsche Industrie durchlebt einen tiefgreifenden Wandel. Getrieben von geopolitischen Spannungen, Handelskonflikten und gestörten Lieferketten, verlagern immer mehr Unternehmen Teile ihrer Wertschöpfung ins Ausland – insbesondere in strategisch wichtige Märkte wie die USA, Indien oder China. Zugleich wächst der Druck, den heimischen Markt weiterhin zuverlässig mit Ersatzteilen zu versorgen. Die Lösung: Vorproduktion und Langzeiteinlagerung.

Laut dem im Juni veröffentlichten Supply Chain Pulse Check 2025 von Deloitte und dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) stufen 72 % der CFOs in der Industrie geopolitische Risiken als größte Herausforderung der kommenden Monate ein. Investitionen in Resilienzmaßnahmen, Standortdiversifizierung und funktionierende Ersatzteilstrategien gewinnen an Bedeutung. Dabei rückt auch das Thema Verpackung zunehmend ins Zentrum der strategischen Planung – insbesondere, wenn Bauteile über Zeiträume von bis zu 15 Jahren hinweg geschützt, gelagert und bei Bedarf weltweit transportiert werden sollen.

Langzeitschutz als Schlüsselkompetenz

„Die Langzeiteinlagerung metallischer Bauteile stellt eine besondere Herausforderung dar – insbesondere im Hinblick auf Korrosion, Feuchtigkeit und klimatische Belastungen“, erklärt Lars Haase, Spezialist für Korrosionsschutz bei Antalis Verpackungen. „Wir sprechen hier nicht von Monaten, sondern von einem Schutz über viele Jahre hinweg. Verpackungen müssen zur Zeitkapsel werden – robust, stabil und dabei technisch präzise abgestimmt auf das zu schützende Gut.“

Mit den hauseigenen VCI-Korrosionsschutzpapieren der Marke KORUS bietet Antalis Verpackungen eine optimale Lösung, um metallische Bauteile bei Lagerung und Transport wirksam gegen Korrosion zu schützen. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]
Mit den hauseigenen VCI-Korrosionsschutzpapieren der Marke KORUS bietet Antalis Verpackungen eine optimale Lösung, um metallische Bauteile bei Lagerung und Transport wirksam gegen Korrosion zu schützen. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]

In der Praxis setzt Antalis Verpackungen auf einen mehrstufigen Schutzmechanismus, der sich vielfach bewährt hat: VCI-Produkte (Volatile Corrosion Inhibitors), kombiniert mit Aluminiumverbundfolien und Trockenmitteln, bilden die Grundlage.

Im Detail stellen sich die Wirkungsweisen dieser Schutzkomponenten wie folgt dar:

  1. Einlegen in VCI-Papier

VCI-Papier enthält spezielle Wirkstoffe, die sich im geschlossenen Verpackungsraum ausbreiten und sich auf der Oberfläche der Metallteile niederschlagen. Dort bilden sie eine unsichtbare Schutzschicht, die die Reaktion mit Feuchtigkeit verhindert. Dieser passive Korrosionsschutz ist besonders wirkungsvoll bei Stahl, Eisen, Aluminium, Kupfer, Messing und weiteren Legierungen. Die Schutzatmosphäre bildet sich auch nach kurzzeitigem Öffnen – etwa bei Zollkontrollen – erneut und bietet somit eine zuverlässige und saubere Alternative zu öl- oder fettbasierten Verfahren.

  1. Beigabe von Trockenmitteln

Neben der VCI-Wirkung ist es essenziell, das Klima innerhalb der Verpackung zu kontrollieren. Trockenmittelbeutel, meist gefüllt mit Tonerde oder Silicagel, binden die Restfeuchte der eingeschlossenen Luft und halten die relative Luftfeuchtigkeit im Verpackungsinneren – in der Regel unterhalb des kritischen Wertes von 40% rel. Luftfeuchte. Damit wird ein weiterer zentraler Faktor der Korrosionsbildung – die Feuchtigkeit – gezielt minimiert. Die Auswahl und Menge des Trockenmittels erfolgt nach DIN 55473 und ist von vielen Faktoren, wie zum Beispiel Volumen und Feuchtegehalt abhängig.

  1. Verschweißung in Aluminiumverbundfolie

Die äußere Schutzhülle der Langzeitverpackung besteht aus Aluminiumverbundfolie, auch bekannt als Barriereschutzfolie. Diese mehrschichtige Folie bietet einen nahezu undurchlässigen Schutz gegen Wasserdampf, Sauerstoff und UV-Strahlung. Sie schirmt den verpackten Inhalt vollständig von der Umgebung ab und gewährleistet, dass weder Luft noch Feuchtigkeit in das Innere gelangen können. Die Folie wird nach dem Einlegen der Bauteile und der Schutzmittel luftdicht verschweißt. Das Ergebnis ist ein stabiler, kontrollierter Innenraum mit maximalem Schutz über viele Jahre hinweg.

Ergänzt wird dieses Verfahren durch exakt konzipierte Ladungsträger, abgestimmt auf Geometrie und Empfindlichkeit des Bauteils und die erwartbaren Kräfteeinwirkungen während des Transportwegs. So schützt die Verpackung vor Korrosion, Oxidation und anderen Umwelteinflüssen – auch unter wechselnden klimatischen Bedingungen. Damit ist sichergestellt, dass die Bauteile auch nach langer Lagerdauer ohne Qualitätseinbußen weiterverwendet werden können.

Die mehrschichtige Aluminiumverbundfolie der Langzeitverpackung bietet als äußere Schutzhülle einen nahezu undurchlässigen Schutz gegen Wasserdampf, Sauerstoff und UV-Strahlung. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]
Die mehrschichtige Aluminiumverbundfolie der Langzeitverpackung bietet als äußere Schutzhülle einen nahezu undurchlässigen Schutz gegen Wasserdampf, Sauerstoff und UV-Strahlung. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]

KORUS: Zertifizierter VCI-Korrosionsschutz nach Maß

Einen Meilenstein stellt laut Haase die 2023 lancierte hauseigene Korrosionsschutzmarke KORUS dar. Die beiden Produktlinien KORUS Premio und KORUS Excel decken die gesamte Bandbreite moderner Korrosionsschutzanforderungen ab – von Standardanwendungen bis hin zu Speziallösungen für besonders beanspruchte Komponenten. Auch KORUS basiert auf dem VCI-Prinzip: Flüchtige Inhibitoren bilden in einer hermetisch geschlossenen Verpackung eine unsichtbare Schutzatmosphäre um das Metallteil. „Das ist eine saubere, trockene und effiziente Alternative zum herkömmlichen Ölen oder Fetten“, so Haase. „Die Schutzatmosphäre bildet sich auch nach kurzzeitigem Öffnen – etwa bei Zollkontrollen – erneut. Und die VCI-Stoffe sind bei TRGS-615-Konformität gesundheitlich unbedenklich.“

Nicht zuletzt in der Automobilindustrie sind diese Eigenschaften unverzichtbar. Vor Kurzem wurde daher die hohe Qualität der KORUS-Papier- und Folienprodukte mit dem Volkswagen-Zertifikat und der Bestnote 2,0 (auf einer Skala von 2,0 bis 3,0) ausgezeichnet. Das Volkswagen-Zertifikat gilt international als einer der höchsten Maßstäbe der Automobilindustrie für Korrosionsschutzprodukte.

Darüber hinaus sind sämtliche KORUS-Produkte recyclingfähig und werden kontinuierlich im hauseigenen Labor unter realitätsnahen Bedingungen getestet. Neben Materialtests analysiert das Expertenteam von Antalis Verpackungen auch kundenseitige Prozesse, um die Schutzwirkung gesamtheitlich sicherzustellen – von der Produktion über die Verpackung bis zur Einlagerung.

Die VCI-Korrosionsschutzfolien der Marke KORUS von Antalis Verpackungen bieten zuverlässigen Korrosionsschutz während des gesamten Logistikprozesses. Neben KORUS PREMIO sind mit KORUS EXCEL auch Folien mit erhöhter Wasserdampfdichtigkeit und Reißfestigkeit erhältlich, die für besonders anspruchsvolle Anwendungen geeignet sind. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]
Die VCI-Korrosionsschutzfolien der Marke KORUS von Antalis Verpackungen bieten zuverlässigen Korrosionsschutz während des gesamten Logistikprozesses. Neben KORUS PREMIO sind mit KORUS EXCEL auch Folien mit erhöhter Wasserdampfdichtigkeit und Reißfestigkeit erhältlich, die für besonders anspruchsvolle Anwendungen geeignet sind. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]

Tests, die über Normen hinausgehen

Besonderes Vertrauen schafft die Tatsache, dass Antalis Verpackungen seine Verpackungslösungen in hauseigenen Klimakammern gezielt auf Belastbarkeit prüft – und dabei bewusst über die Anforderungen gängiger Normen wie der DIN EN 60068-2-30 hinausgeht. In Simulationen mit bis zu 55 °C und 98 % relativer Luftfeuchte (r. LF) unterziehen sich Verpackungslösungen für Langzeiteinlagerung einem 12-Zyklen-Testverfahren, das selbst extreme Transport- und Lagerbedingungen zuverlässig nachbildet. Diese Prüfprotokolle liefern valide Aussagen zur Schutzwirkung und gelten in der Branche als Benchmark.

Das Sortiment der KORUS Lösungen umfasst hochwertige VCI-Folien (Volatile Corrosion Inhibitor*) und -Papiere. Alle Arten von Metall sind damit vor Korrosion geschützt – unabhängig davon, wie Produkte gelagert werden und wie weit sie transportiert werden. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]
Das Sortiment der KORUS Lösungen umfasst hochwertige VCI-Folien (Volatile Corrosion Inhibitor*) und -Papiere. Alle Arten von Metall sind damit vor Korrosion geschützt – unabhängig davon, wie Produkte gelagert werden und wie weit sie transportiert werden. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]

Klimasimulationen unter Laborbedingungen

Je nach Einsatzzweck – etwa innereuropäischer oder weltweiter Versand – kommen unterschiedliche Prüfprofile zum Einsatz:

Testprofil Testschritte (Auszug) Dauer je Zyklus
Weltweiter Versand 1. Start: 25°C / 35 % r. LF

2. 6 h bei 25°C / 98 % r. LF

3. Temperaturanstieg auf 55°C / 95 % r. LF

4. 9 h bei 55°C / 93 % r. LF

5. Absenken auf 25°C / 98 % r. LF

24 Stunden
Innereuropäischer Versand 1. Start: 25°C / 35 % r. LF

2. Anstieg auf 40°C / 90 % r. LF

3. 7 h konstant bei 40°C / 90 % r. LF

4. Absenkung auf 18°C / 90 % r. LF

24 Stunden

Hinweis: Im Durchschnitt simulieren sieben Zyklen einen realen Transport. Für die Langzeiteinlagerung wendet Antalis Verpackungen standardmäßig 12 Zyklen an.

Je nach klimatischer Belastung werden folgende Prüfschärfen berücksichtigt:

  • bei oberer Temperatur von 40°C: 2, 6, 12, 21 oder 56 Zyklen
  • bei oberer Temperatur von 55°C: 1, 2 oder 6 Zyklen

Zusätzliche Materialprüfungen

Ergänzend zum Gesamtverpackungstest werden auch spezifische Komponenten wie VCI-Papier und VCI-Folien einzeln geprüft. Diese Tests folgen einem modifizierten Verfahren in Anlehnung an die DIN EN ISO 6270-2 AHT (Weckglas-Methode):

Material Testprofil Zyklenanzahl
VCI-Papier 16 h bei 50 °C / 100 % r. LF, danach 8 h bei 23 °C / 65 % r. LF 12
VCI-Folie identischer Ablauf wie beim VCI-Papier 12

 

Auch kundenspezifische Prüfungen möglich

Neben den standardisierten Testreihen bietet Antalis Verpackungen auch die Möglichkeit, Prüfverfahren gezielt an die Anforderungen und Rahmenbedingungen einzelner Kunden anzupassen. So können beispielsweise kundenseitig definierte Klimaprofile in die hausinternen Klimakammern übertragen und realitätsnah simuliert werden. Auf dieser Basis werden individuelle Prüfprotokolle erstellt, die eine passgenaue Bewertung des gewählten Verpackungssystems unter kundenspezifischen Bedingungen erlauben. Diese Vorgehensweise gewährleistet maximale Sicherheit und gibt Unternehmen die Gewissheit, dass ihre Produkte auch unter besonders anspruchsvollen Transport- oder Lagerbedingungen optimal geschützt sind.

Im hauseigenen Labor testen die Experten von Antalis Verpackungen die Schutzwirkung der korrosionshemmenden Lösungen entlang des gesamten Logistikprozesses. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]
Im hauseigenen Labor testen die Experten von Antalis Verpackungen die Schutzwirkung der korrosionshemmenden Lösungen entlang des gesamten Logistikprozesses. [Foto © Antalis Verpackungen GmbH]

„Wir erleben regelmäßig, dass bestimmte Öle oder Vorbehandlungen von Metallteilen nicht mit langfristigem Korrosionsschutz harmonieren“, berichtet Haase. „Deshalb testen wir auch Kundenmaterialien in Kombination mit VCI – und empfehlen im Zweifelsfall geeignete Alternativen. So entstehen sichere und reproduzierbare Verpackungskonzepte – ganz gleich, ob für kleinere Komponenten oder großdimensionierte Maschinenbauteile.“

 

Antalis Verpackungen GmbH

[Foto: Antalis]
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