Der freie Journalist Curtis Hand sprach kürzlich mit DroneShield-CEO Oleg Vornik. Das australische Unternehmen hat sich zu einem gefragten Anbieter von Drohnenabwehrlösungen entwickelt. Anläßlich der Eröffnung einer neuen Produktionsanlage in Belgien gab Vornik Einblicke in seinen Werdegang, den Aufstieg des Unternehmens sowie technologische Ansätze, die DroneShield von anderen „Soft-Kill“-Systemen unterscheiden.

Die Vorgeschichte

Curtis Hand (Hand): „Die Technologiewelt entwickelt sich so schnell wie sich die Erde dreht“, sagte einmal ein Analyst über die Rüstungsindustrie. In den rund zwölf Jahren seit der Entwicklung der ersten DroneShield-Technologie hat sich viel verändert. Ihr eigener Werdegang ist eher ungewöhnlich – wie sind Sie zu DroneShield gekommen?

Oleg Vornik (Vornik): Ich bin sehr früh zu DroneShield gestoßen, aber mein Weg dorthin war alles andere als typisch. Ich wurde in Russland geboren und bin als Kind mit meiner Mutter nach Neuseeland ausgewandert. Sie war Ärztin, konnte dort aber zunächst nicht arbeiten. Wir lebten anfangs in einfachen Verhältnissen in Sozialwohnungen. Diese Erfahrungen haben meinen Antrieb stark geprägt und mich letztlich in die Finanzbranche geführt.

Oleg Vornik (Foto: DroneShield)

Nach etwa zehn Jahren in der Finanzindustrie kam ein Fonds, für den ich arbeitete, auf mich zu – es ging um ein kleines Start-up namens DroneShield, gegründet 2014. Ich wurde der erste Mitarbeiter. Die Anfangsjahre waren sehr praktisch geprägt, wir haben das Unternehmen von Grund auf aufgebaut. 2016 folgte der Börsengang an der Australian Stock Exchange.

Nach unserem Wachstum und der Unterstützung der ukrainischen Verteidigung nach der russischen Invasion wurde ich persönlich von der russischen Regierung sanktioniert. Für mich ist das eine Art Auszeichnung und zeigt, welchen Einfluss unsere Technologie auf den Schutz von Menschen an der Front hat.

Hand: Warum DroneShield? Was motiviert Sie jeden Tag?

Vornik: Mich motiviert die Möglichkeit, mit einigen der klügsten Köpfe an den schwierigsten technologischen und militärischen Herausforderungen zu arbeiten. Die Bedrohungslage entwickelt sich ständig weiter, und Drohnentechnologie schreitet schnell voran. Unsere Aufgabe ist es, immer einen Schritt voraus zu sein. Das ist ein permanentes Katz-und-Maus-Spiel.

Genauso wichtig ist der Zweck unserer Arbeit. Ein Software-Update mag technisch klein wirken, kann für Soldaten an der Front aber lebensentscheidend sein. Zu wissen, dass unsere Arbeit Menschen schützt, treibt mich täglich an.

Hand: Woher nehmen Sie Ihre Führungsinspiration?

Vornik: Ich möchte Menschen dazu bringen, die beste Version ihrer selbst zu werden. Wir haben außergewöhnlich talentierte Mitarbeiter. Wenn sie gefördert, gefordert und ihnen Vertrauen geschenkt wird, erreichen sie mehr, als sie selbst erwarten.

Zudem motiviert mich die konkrete Wirkung unserer Systeme, etwa in der Ukraine. Das erinnert uns daran, warum unsere Arbeit zählt.

Kulturell sehe ich DroneShield noch immer mit den Augen eines Start-ups – trotz unserer heutigen Größe. Diese Energie, dieser Hunger und die Nähe im Team halten uns agil und schnell. Genau das sind unsere größten Stärken.

DroneShields C2-Enterprise ermöglicht eine strategische Führungsebene für nationale Drohnenabwehreinsätze (Foto: DroneShield)

Technologische Wurzeln

Hand: Wie kam es vom Mückendetektor zur Drohnenabwehr?

Vornik: Die Gründer arbeiteten zunächst an akustischen Sensoren zur Erkennung von Mücken für automatische Bekämpfungssysteme. Schnell erkannten sie die Parallele zur Identifikation von Drohnen anhand ihres Geräuschs. Damals galten Drohnen noch als Spielzeug, aber die Gründer erkannten früh ihr Gefahrenpotenzial.

Eine frühe Demonstration bei einer Sicherheitsbehörde war ein Wendepunkt. Es wurde klar, dass Funkfrequenz-Technologie die Grundlage effektiver Drohnenerkennung sein würde. Daraufhin verlagerten wir unseren Fokus auf RF-basierte Systeme.

Heute sind wir vor allem ein softwaregetriebenes Technologieunternehmen. Effektive Drohnenabwehr erfordert einen mehrschichtigen Ansatz aus RF-Sensoren, Radar und optischen Systemen.

Der Ukrainekrieg hat gezeigt, wie zentral Drohnen für moderne Kriegsführung geworden sind. Entsprechend ist Drohnenabwehr heute kein Zusatz mehr, sondern Kernfähigkeit. Das treibt die Nachfrage nach erprobten Lösungen.

DroneShield hat eine Partnerschaft mit Robin Radar Systems geschlossen, um seine C-UAS-Plattform durch die Integration zusätzlicher 3D-Radarsensoren zu erweitern und die Luftraumüberwachung in einem offenen, interoperablen Sensorsystem zu verbessern. (Foto: DroneShield)

Einsatz und Markt

Hand: Wo sind Ihre Systeme besonders effektiv? Militärisch oder zivil?

Vornik: Drohnenabwehr ist für Militärs essenziell geworden. Gleichzeitig sehen wir eine wachsende Grauzone im zivilen Bereich – etwa Drohnen über Flughäfen oder kritischer Infrastruktur in Europa.

2025 zeigte unsere Marktanalyse, dass die Nachfrage inzwischen fast gleichmäßig zwischen militärischen und zivilen Anwendern verteilt ist. Besonders Behörden und Flughafenbetreiber treiben die zivile Nachfrage.

Hand: Wie entwickelt sich die C-UAV-Technologie weiter?

Vornik: Sehr schnell. Unsere Gegner sind Drohnenhersteller, die ständig versuchen, Systeme unentdeckbar oder störresistent zu machen. Es ist ein permanenter Wettlauf.

Software – insbesondere Künstliche Intelligenz – wird immer wichtiger. Unsere RFAI-Engine erkennt, klassifiziert und verfolgt Drohnen auch in komplexen Umgebungen.

Zudem setzen wir auf vernetzte Systeme: RF, Radar und optische Sensoren müssen nahtlos zusammenarbeiten. Kunden wollen integrierte Gesamtlösungen statt Einzellösungen.

Hand: Wie wichtig ist die Integration verschiedener Systeme beim Schutz kritischer Infrastruktur?

Vornik: Sehr wichtig. Zuständigkeiten sind oft auf verschiedene Behörden verteilt, was zu Fragmentierung führt. Mit unserer C2-Enterprise-Lösung schaffen wir ein gemeinsames Lagebild, ohne Zuständigkeiten zu verletzen.

Hand: Welche Rolle spielt die geografische Nähe zu Kunden?

Vornik: Initiativen wie „ReArm Europe“ erhöhen nicht nur die Verteidigungsausgaben, sondern stärken auch industrielle Kapazitäten. Deshalb bauen wir Produktion in Europa auf und nutzen lokale Lieferketten.

Unsere Produktionskapazität lag 2025 bei etwa 500 Millionen AUD und soll bis 2026 auf 2,2 Milliarden AUD steigen.

Hand: Wann wird diese Expansion sichtbar?

Vornik: Unser europäisches „Centre of Excellence“ steht bereits. Es bündelt Produktion, Forschung, Tests und Logistik. Zudem haben wir unser erstes Büro in Europa eröffnet, um schneller auf Kundenanforderungen reagieren zu können.

Ausblick

Hand: Wo sehen Sie Kooperationspotenziale?

Vornik: Mit Sensor- und Effektoranbietern, klassischen Rüstungsunternehmen sowie direkt mit unseren Kunden. Besonders wichtig ist die frühzeitige Einbindung in Fähigkeitsplanungen.

Hand: Wie reagieren Drohnenhersteller auf Abwehrsysteme?

Vornik: Sie entwickeln Gegenmaßnahmen wie Verschlüsselung, Frequenzsprungverfahren oder reduzierte Signaturen. Auch autonome und schwarmfähige Drohnen nehmen zu.

Wir begegnen dem mit KI, Multi-Sensor-Ansätzen und kontinuierlicher Weiterentwicklung.

Hand: Was wird aktuell unterschätzt?

Vornik: Die Geschwindigkeit, mit der Bedrohungen entstehen. Regierungen erkennen das Problem, handeln aber oft zu langsam. Es lohnt sich nicht, auf „die nächste Technologie“ zu warten – Innovation ist kontinuierlich.

Wir liefern daher regelmäßig Software-Updates. Wie beim Smartphone sorgen sie dafür, dass unsere Kunden stets auf dem neuesten Stand bleiben.

Hand: Vielen Dank für das Gespräch.