Ein von Israel durchgeführter Luftangriff auf das weltgrößte Gasfeld im Süden des Irans verschärft die militärischen Spannungen im Nahen Osten massiv. Während die europäischen Energiepreise unmittelbar reagieren, drohen die iranischen Revolutionsgarden mit Vergeltungsschlägen gegen US-amerikanische und arabische Ölinfrastruktur.

Die iranischen Evakuierungswarnungen zeigten Satellitenaufnahmen der Anlagen, die von Gegenschlägen betroffen sein könnten. (Bild: Telegram/RN)

Am Mittwoch meldeten iranische Staatsmedien, darunter die Nachrichtenagentur Irna und das Staatsfernsehen, schwere Angriffe auf Anlagen des South-Pars-Gasfeldes in Asaluje, gelegen in der südiranischen Provinz Buschehr. Berichten der Tageszeitung „Times of Israel“ sowie des Nachrichtenportals „Axios“ zufolge führte die israelische Luftwaffe präzise Schläge gegen die iranische Gasproduktion durch. Laut Regierungskreisen, auf die sich Axios beruft, geschah diese Operation in enger Abstimmung und Koordination mit den Vereinigten Staaten.

Die mit den iranischen Revolutionsgarden (IRGC) verbundene Nachrichtenagentur Fars News bestätigte, dass mehrere Anlagen des strategisch wichtigen Raffineriekomplexes von Explosionen erschüttert wurden. Insbesondere Lagertanks und operative Bereiche seien schwer getroffen worden. Laut den Meldungen wurden Notfallteams umgehend mobilisiert, um die ausgebrochenen Brände einzudämmen, während das Fachpersonal an sichere Orte evakuiert wurde.

Strategische Dimension des South-Pars-Feldes

Das betroffene South-Pars-Gasfeld ist von enormer geostrategischer und globalwirtschaftlicher Bedeutung. Es handelt sich um das weltweit größte bisher entdeckte Gasfeld, das nicht Teil einer Erdöllagerstätte ist. Mit einer Gesamtfläche von 9.700 Quadratkilometern erstreckt es sich quer über den Persischen Golf. Das Feld wird von Katar und dem Iran gemeinsam beansprucht und ausgebeutet, wobei der katarische Teil als „Nord-Feld“ (North Dome Field) bekannt ist. Katar fördert aus diesem Reservoir knapp ein Fünftel des weltweit exportierten Flüssigerdgases (LNG).

Etwa ein Drittel der Gesamtfläche liegt auf iranischem Territorium. Dort befinden sich schätzungsweise 500 Billionen Kubikfuß (TCF) der insgesamt rund 1.300 TCF Gasreserven. Das Erdgas, das in einer Tiefe von bis zu 3.200 Metern lagert, stellt eine zentrale Säule der iranischen Energieversorgung und Wirtschaft dar. Ein Angriff auf diese Infrastruktur trifft somit das ökonomische Rückgrat der Islamischen Republik.

Mit einer Gesamtfläche von 9.700 Quadratkilometern hebt sich das Pars Feld deutlich von weiteren in rot markierten iranischen Gasfeldern ab. (Bild: CC3.0)

Katarische Kritik und weitreichende Drohungen der IRGC

Die militärische Aktion rief umgehend internationale Reaktionen hervor. Das benachbarte Katar, das den Großteil des Gasfeldes kontrolliert und dort über die Industrieansiedlung Ras Laffan massiv exportiert, verurteilte den Angriff scharf. Der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madsched al-Ansari, machte Israel öffentlich für den Beschuss verantwortlich. Auf der Plattform X bezeichnete er die Attacke als einen gefährlichen und unverantwortlichen Schritt angesichts der ohnehin hochexplosiven militärischen Lage in der Region. Er betonte nachdrücklich, dass Angriffe auf derart lebenswichtige und grenzüberschreitende Einrichtungen zwingend vermieden werden müssten.

Gleichzeitig droht eine Ausweitung des Konflikts, bei der mit noch stärkeren wirtschaftlichen Konsequenzen zu rechnen ist als bisher. Kommodore Alireza Tangsiri, der Kommandeur der Marine der iranischen Revolutionsgarden (IRGCN), kündigte in einer offiziellen Stellungnahme weitreichende Vergeltung an. Die iranische Zieldatenbank sei aktualisiert worden. Tangsiri erklärte, dass mit den USA verbundene Ölanlagen nun mit amerikanischen Militärbasen gleichgesetzt würden und mit voller Härte unter Beschuss geraten könnten.

Er riet Zivilisten und Fachkräften im gesamten Nahen Osten dringend, derartige Einrichtungen zu meiden. Diese Evakuierungswarnungen sind konkretes Indiz für unmittelbar bevorstehende, intensivierte iranische Schläge gegen die Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die geopolitische Nervosität spiegelte sich unmittelbar an den globalen Märkten wider: Als erste Reaktion auf die Eskalation stiegen die europäischen Erdgaspreise noch am Mittwoch um sechs Prozent an.

Jannis Düngemann